Asklepios – der lange Weg des griechischen Heilers auf den Olymp

Asklepios.... das klingt doch wie.... genau, wie Äskulapstab, dieser von einer Schlange umwundene Stab – das Symbol der ärztlichen und pharmazeutischen Berufsgruppen.

Der Loburger Waisenstorch „Asklepios“ hat diesen Namen nicht ohne Grund von den Storchenhof-Mitarbeitern bekommen.

Asklepios ist laut der griechischen Mythologie der Sohn des Gottes Apollon und der Koronis. Als diese schon von Apollon schwanger war, ließ sie sich noch mit einem Sterblichen ein. Zur Strafe wurde sie getötet – ob von Apollons Zwillingsschwester Artemis oder von Apollon selbst – darüber streiten sich die Götter.

Apollon soll dann aber doch noch ein schlechtes Gewissen bekommen haben: Bevor Koronis‘ Leiche auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde, schnitt der Götterbote Hermes den ungeborenen Asklepios aus dem Mutterleib und brachte das Kind auf den Gebirgszug Pelion, zu dem Zentauren Cheiron. Der Pferdemensch unterwies das Kind in der Heilkunst, der Chirurgie und und der Kräuterkunde.

Asklepios verstand sich auf diese Heilkünste schließlich derart gut, dass er angeblich sogar Tote wieder zum Leben erwecken konnte.

Ähnlich dramatisch wie die Geburt verlief laut den antiken Überlieferungen auch der Tod von Asklepios. Hades – bekanntlich der Herrscher der Unterwelt und nebenbei auch Bruder des Zeus – fand das mit der ständigen Wiedererweckung der Toten durch Asklepios nämlich gar nicht lustig. Auch Götterchef Zeus musste fürchten, dass bald kein Mensch mehr sterben würde, und so tötete er Asklepios mit einem seiner berühmten Blitze.

Das wiederum missfiel Asklepios‘ Vater Apollon, der deswegen sämtliche Zyklopen tötete. Denn diese waren es, die dem Zeus seine Blitze schmiedeten. Diese Tat blieb natürlich auch nicht ungestraft: Apollon musste zur Strafe neun Jahre lang die Rinder des Admetos hüten.

Nach seinem Tod wurde Asklepios übrigens als einer der „jüngeren Götter“ als Heilgott in den Olymp aufgenommen. Der nach ihm benannte Äskulapstab ziert bis heute zahlreiche Apotheken.Schilder auf der ganzen Welt.

Loburg/Nutha l Am 13. April erhielt Michael Kaatz einen Anruf aus Nutha: Unter einer Stromleitung liege ein toter Storch. Als der Geschäftsführer der Vogelschutzwarte das weibliche Tier vor Ort abtastete, stellte er fest, dass es ein unversehrtes Ei im Leib zu tragen schien. Man entschied sich zu einem Kaiserschnitt und holte das Ei aus dem toten Alttier.

So begann das Leben von „Asklepios“, der seinen Namen nicht ohne Grund tragen sollte (siehe Info-Kasten).

Wie schon so oft, sollte die Storchenhof-Pute „Erna“ die Aufgabe übernehmen, das Ei auszubrüten. Auch dieses Mal machte Erna ihre Sache gut. Nach dem Schlüpfen päppelten die Storchenhof-Mitarbeiter den kleinen Storch auf.

Möglichst nicht zu viel menschliche Nähe

Es verging ein Monat, in dem Asklepios wuchs und gedieh: mit stattlichen drei Kilo Gewicht und 90 Zentimetern Größe sollte er nun eine echte Familie bekommen. Als Adoptiveltern wurden Ulrike und Benjamin gewählt. Die beiden haben den Wiesenhorst auf dem Storchenhofgelände bezogen und schon erfolgreich Zwillinge aufgezogen. Nun also sollten es Drillinge werden. Diese Form der Storchenadoption wird durch den Storchenhof Loburg oft praktiziert. Michael Kaatz spricht von einer Erfolgsquote von mehr als 90 Prozent.

Mit dem Hubsteiger machte sich Michael Kaatz am Dienstagnachmittag mit Asklepios im Gepäck auf den Weg in die Höhe. Die Altvögel waren gerade auf Futtersuche, die beiden Jungvögel stellten sich zur Sicherheit erst einmal tot. Dann kam der spannende Moment: Würden die zurückkehrenden Alttiere Asklepios dulden und aufnehmen?

Alles in Ordnung beim Storchenbaby

Nach den ersten 24 Stunden wagt Michael Kaatz einen ersten Zwischenstand: „Es scheint alles in Ordnung zu sein. So richtig integriert ist Asklepios aber noch nicht. Er bekommt zwar Futter ab, aber dazu muss er schnell sein.“ Kein Wunder, während die beiden Stiefgeschwister den Kampf ums tägliche Futter seit dem Schlüpfen praktizieren, hatte Asklepios als Einzelkind in Menschenobhut keinen Futterneid kennengelernt. Die kommenden zwei bis drei Tage werden zeigen, ob und wie sich der Neue in die Familie einfügt.

Zwar hätte man den Waisenstorch auch komplett in menschlicher Obhut großziehen können, aber dann wäre die menschliche Prägung zu stark geworden, so Michael Kaatz.

Flug nach Afrika im Spätsommer

Wenn alles gut geht, wird Asklepios im Spätsommer mit seiner neuen Familie nach Afrika fliegen.