Reesen l Ziel der Sommerakademie war es, einen Austausch unter den Teilnehmern zu gewährleisten. „Wir wollen mit Ihnen gemeinsam der Entwicklung der ländlichen Regionen einen positiven Impuls geben und diese lebenswert machen“, machte Dr. Willy Boß, Vorsitzender des Netzwerkes Stadt-Land, deutlich. Das Netzwerk möchte mit der Sommerakademie die Ideen und Leitsätze der Teilnehmer aufgreifen, um diese in die weitere Arbeit des Netzwerkes und der folgenden Wettbewerbsaufrufe einfließen zu lassen.

Angeboten wurden in der Pfarrscheune und im „Kuhstall“ in Reesen auch drei Workshops „Werkstatt neuer Ideen“. Hier wurden gemeinsam lösungsorientierte Ansätze gesucht und gefunden. Im Mittelpunkt standen dabei Fragen wie „Wie kann es gelingen, Zusammenhalt in den Dörfern zu fördern, dabei Mitarbeit in den Vereinen zu stärken, würdevolles Altern im Dorf zu ermöglichen oder mehr Energie-Autarkie zu entwickeln?“. Im Vordergrund standen die Probleme der Teilnehmer vor Ort. Sie sollen die Basis für Wettbewerbsaufrufe zur Förderung des ländlichen Raumes sowie der Vernetzung zwischen Stadt und Land bilden.

Menschen, Infrastruktur und Versorgung

97 Prozent in Sachsen-Anhalt sind ländliche Gebiete. 80 Prozent der Bevölkerung leben dort. „Deshalb müsste es eigentlich heißen "Dorf mit Zukunft". Was müssen die Dörfer bieten, damit sie eine Zukunft haben? Der Mensch steht dabei immer im Mittelpunkt“, machte Landwirtschaftministerin Claudia Dalbert (Grüne) deutlich. Aber nicht nur der Mensch. Weitere wichtige Faktoren für die Zukunft der Dörfer seinen auch die Infrastruktur, die medizinische Versorgung sowie dass die Dörfer mit den Grund- und Mittelzentren verbunden sind. Claudia Dalbert: „Neu hinzu kommt die Digitalisierung. Es muss ein leistungsfähiges und mobiles Netz vorhanden sein.“ Auch spielten die täglichen Erfahrungen in einer Dorfgemeinschaft eine wichtige Rolle. Und das Entscheidungen zum Ort vor Ort getroffen werden. Die Landwirtschaftsministerin gestand aber ein, dass „Sachsen-Anhalt dafür nicht die besten Voraussetzungen“ biete. Durch die Einheitsgemeinden seien Entscheidungen vor Ort nicht mehr möglich. „Das sind schwierige Bedingungen für die Ortschaften. Sie fühlen sich abgehängt. Aber es wird keine Rücknahme der Gebietsreform geben“, so die Ministerin. Und fügte an: „Aber wir haben Dörfer mit Zukunft. Dazu gehört auch Reesen.“ Wichtig sei der Austausch zwischen den Dörfern.

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Weitere Wortbeiträge befassten sich mit Erfahrungen zur Integrierten Ländlichen Entwicklung (ILE) und zu Erfahrungen des Vereins „Heimatbewegen“ Ballenstedt.

Neuland betreten

Eine Zwischenbilanz zur Arbeit des Netzwerkes nach rund einem Jahr zog Dr. Willy Boß. Er berief sich dabei auf die Zuarbeit des Landesverwaltungsamtes Halle. Die Geschäftsstelle ist seit einem Jahr tätig. Dr. Willy Boß: „Mit der Förderrichtlinie haben wir Neuland betreten.“ Aus den Ergebnissen konnten die ersten Erfahrungen gezogen werden. So folgten dem ersten Wettbewerbsaufruf 32 Bewerber. Acht der von ihnen eingereichten Projekte wurden ausgewählt. Sieben davon haben einen Zuwendungsantrag gestellt. Zwei Anträge wurden abgelehnt, zwei zurückgezogen, so dass am Ende drei Projekte übrig blieben. Diese werden mit insgesamt 255.000 Euro gefördert.

Auf humorvolle Weise widmete sich dann Torsten Ludwig aus Tangermünde dem Thema „Dorf der Zukunft“. „Die Kirche sollte man im Dorf lassen, und nicht nur die“, so seine Meinung. Mit seinen lockeren Sprüchen sprach er den Teilnehmern aus dem Herzen. Da blieb, auch bei Landwirtschaftsministerin Claudia Dalbert, kein Auge trocken.