Burg l Immer wieder ärgern sich Patienten in der Notaufnahme über lange Wartezeiten und können keine Struktur darin erkennen, wann sie an der Reihe sind. Unmut und Unverständnis gegenüber dem Personal sind die Folge. Um Licht ins Dunkel zu bringen, gab Thomas Klehm, Leiter der Zentralen Notaufnahme in Burg, interessierten Besuchern einen Einblick in den Arbeitsablauf.

Ein Viertel sind tatsächlich Notfälle

Dass die Arbeit in der Notaufnahme für Ärzte und Pflegepersonal kein Zuckerschlecken ist, wird schnell klar: Täglich kommen bis zu 100 Patienten – die Arbeitsunfälle nicht mitgerechnet. Doch nur ein Viertel der Erkrankten braucht tatsächlich eine Notfallbehandlung, während ein weiteres Viertel nur deshalb erscheint, weil ihr Haus- oder Facharzt geschlossen hat. Für die Notfallärzte bedeutet das in der Regel eine Arbeitswoche von 50 bis 60 Stunden.

Dennoch haben sie für ihre Patienten Verständnis. Vor allem, wenn der Facharzt erst in einem Jahr einen Termin frei hat. „Wir erwarten nicht, dass die Leute sich selbst diagnostizieren“, sagt Klehm. Dies sei besonders bei Herzproblemen eine schwere Einschätzung. „Doch wenn der Patient nicht dringend behandelt werden muss, schicken wir ihn wieder nach Hause. Diese Entscheidung können aber nur wir Ärzte treffen.“

Keine willkürlichen Entscheidungen

Ob ein Patient sofort behandelt werden muss oder noch warten kann, entscheidet das Personal nicht willkürlich, sondern nach einem standardisierten Verfahren. „Keiner kommt hierher und sagt: ,Ich habe einen Herzinfarkt‘, sondern klagt über Brustschmerzen“, erklärt Thomas Klehm. Dann werden weitere Indikatoren, wie Fieber oder Blutverlust, erfasst. Am Ende wird der Patient in eine von fünf Dringlichkeitsstufen eingeordnet, die von rot (sofort) bis blau (nicht dringend) sortiert sind. Jede Farbstufe besitzt eine Wartezeitangabe, bis wann der Patient vom Arzt gesichtet werden sollte. „Doch es geht immer darum, ob ich einen anderen Patienten, der später kommt, warten lassen kann. Nicht wie lange die anderen hier schon sitzen“, fügt Klehm hinzu. Dann müssen weniger dringende Fälle weiter Geduld aufbringen.

Behandlung im Schockraum

Ergibt die Ersteinschätzung, dass eine akut lebensbedrohliche Verletzung oder Erkrankung vorliegt, kommt der Patient direkt in den Schockraum. Dort befinden sich alle nötigen Gerätschaften, wie Ultraschall, Röntgen- oder Beatmungsgerät, und mehrere Ärzte und Pflegekräfte können den Verletzten gleichzeitig behandeln.

Aggressive Patienten am Wochenende

Doch nicht nur damit haben die Ärzte der Notaufnahme zu kämpfen. Freitags bis Sonntags erscheinen regelmäßig alkoholisierte Menschen, die sich teilweise nicht behandeln lassen wollen. Meist genüge gutes Zureden, doch einige Kandidaten werden auch handgreiflich. Dann müsse die Polizei aufkreuzen, um die Angreifer rauszuschmeißen.