Gommern l Mit Corona werde es langsam besser, so begrüßte gestern Morgen ein Vierjähriger Kita-Leiterin Iris Burlisch freudig im Waldkindergarten. „Aber Händewaschen und Abstandhalten müssen wir noch weiter.“

Iris Burlisch war ganz angetan, wie informiert der Junge war. Letztlich spiegelte seine Reaktion wider, wie gut sich die Kinder auf die Anforderungen der Coronavirus-Pandemie eingestellt haben. Werden sie morgens von Mama oder Papa in den Kindergarten gebracht, dann führt ihr erster Weg schnurstracks zum Händewaschen. Nachmittags beim Abholen ist es genauso. Zum Malen oder Basteln setzen sie sich mit Abstand an die Tische. Außerdem wissen sie, dass nie mehr als zwei Kinder im Badezimmer sein können. Bloß beim Spielen sei es für die Kinder nicht einfach, die Abstandsregel einzuhalten.

Kontakt mit Eltern gehalten

Wann immer es das Wetter erlaubt, halten sich die Jungen und Mädchen des Waldkindergartens auf dem Spielplatz auf. Der ist coronabedingt mit Markierungen versehen, damit jede Gruppe in ihrem Abschnitt bleibt. Allerdings wird regelmäßig getauscht, damit die Kinder Abwechslung beim Spielen haben.

Dagegen behalten die Kinder im Kindergarten ihren Raum und ihre Bezugspersonen, damit sie in diesem Sinne Kontinuität erleben.

Inzwischen besuchen 54 von 99 Kindern wieder den Waldkindergarten. Allein 15 Jungen und Mädchen stehen derzeit auf der Warteliste, die Tendenz ist steigend. Die Entwicklung bringt die Einrichtung an die Grenzen ihrer Kapazitäten. Ein Beispiel: Morgens kann es keine Sammelgruppe mehr geben. Wenn drei Kinder unterschiedlicher Gruppen um 6.30 Uhr gebracht werden, müssen drei Erzieherinnen für sie da sein.

Morgens uns abends schwierig

Unter den gegebenen Umständen ist es für die Organisation des Kita-Alltags deshalb so wichtig, dass die Eltern angeben, wann sie ihre Kinder bringen und wieder abholen.

Ihr Team, ob Erzieherinnen, das technische Personal oder der Praktikant, sei sehr, sehr engagiert, sagte Iris Burlisch. Sie hat von Anfang an darauf geachtet, das gesamte Team umfangreich zu informieren und nachzufragen, wie es den Kollegen geht. Denn natürlich machten sich die Erzieherinnen Sorgen: „Was ist, wenn ich jemanden anstecke?“ Die Krise habe gezeigt, wie wichtig Wertschätzung, Respekt und Achtsamkeit im Umgang miteinander seien, setzte die Kita-Leiterin hinzu.

Iris Burlisch fand immer ein offenes Ohr beim Träger des Waldkindergartens, das Paritätische Integrative Netzwerk. Das klammerte explizit die Wochenenden nicht aus, wenn es freitags neue Festlegungen gab, die montags realisiert werden sollten.

Seit Beginn der Schließung beziehungsweise des Notbetriebes der Kitas sei darauf geachtet worden, nicht den Kontakt zu Eltern und Kindern zu verlieren. Es wurden Briefe geschrieben und Zeiten vereinbart, in denen Kinder und Erzieherinnen miteinander telefonierten. Zu wissen, „wir vermissen euch“, hat beiden Seiten gut getan.

„Ich denke, in der jetzigen Zeit wird der Beruf der Erzieherin ganz anders wertgeschätzt“, sagte Iris Burlisch. Die Kita-Leiterin zog zugleich den Hut vor den Eltern, die Homeoffice mit der Betreuung von kleinen Kindern vereinbaren sollen.

Hoffen auf mehr Normalität

Die kleineren Gruppen während der Notbetreuung machten es möglich, dass sich die Erzieherinnen ganz individuell um jedes Kind kümmern konnten.

„Hoffen wir, dass zum 2. Juni ein Stück Normalität zurückkehren kann“, sagte Iris Burlisch. Bis dahin werde der Waldkindergarten auf jeden Fall die neuen Auflagen erfüllen. Gerne würde die Kita beispielsweise mit allen Kindern, die in den vergangenen Wochen ein Jahr älter geworden sind, nachträglich eine Geburtstagsparty feiern. Ob und wann das möglich ist, werden die neuen Vorgaben zeigen.

Während sich die größeren Kinder auf die Zeit freuen, wenn sie wieder regelmäßig den Kindergarten besuchen dürfen, könnte es bei den Jüngeren zu Problemen kommen, gab Iris Burlisch zu bedenken. Wenn diese wochenlang nur mit Mama und Papa zusammen waren, brauchen sie Zeit, sich wieder umzugewöhnen.

Corona hin oder her, Tränen werden auch jetzt von den Erzieherinnen im Waldkindergarten getrocknet. Da es noch nicht die Zeit der kurzen Hosen oder von Röcken war, hielten sich die aufgeschrammten Knie bislang jedoch in Grenzen. Beim Füttern oder Windeln wechseln, haben die Erzieherinnen ebenfalls engen Kontakt zu den Kindern. Sie können auch keinen Mundschutz tragen: Die Kinder müssen ihr Gesicht sehen können.