Burg l Es beginnt am 1. Februar. Mehrere Personen treffen sich in Burg am Magdalenenplatz. Sie skandieren rechte Parolen, die Polizei stellt Quarzsandhandschuhe und Pfefferspray sicher. Unter den 16 Personen auf dem Magdalenenplatz befinden sich auch Schönebecker. Eine Woche später: Zwei Gruppen gehen in der Stadt Burg aufeinander los. „Wir haben über 20 Personen festgestellt“, so Polizei-Sprecher Falko Grabowski. Was diese Vorfälle gemeinsam haben: Es sind teilweise die gleichen Personen aus Schönebeck, die schon auf dem Magdalenenplatz randalierten.

Am 15. Februar zeigt eine Gruppe den Beamten gegenüber den Hitlergruß. Wieder werden die Personalien aufgenommen, wieder sind darunter Schönebecker. Vorläufiger Höhepunkt der Gewalt-Serie: Das Wochenende vom 23. Februar. In der Nacht zu Sonnabend muss die Polizei dreimal ausrücken. Eine Gruppe skandiert rechte Parolen in der Bahnhofstraße. Wenige Stunden später wird eine Schlägerei in der Nethestraße gemeldet. Um 4 Uhr dann noch ein Übergriff vor der Disko Big Ben in der Bahnhofstraße, die in versuchtem Landfriedensbruch vor dem Polizeigebäude endet. Und das Wochenende nach diesen drei Vorfällen: Wieder der Hitlergruß aus einer größeren Gruppe in Richtung einer Polizeistreife.

„Wir gehen nicht davon aus, dass die Vorfälle in der Bahnhofsstraße und vor der Disko mit den anderen Vorfällen der letzten Wochen in direkter Verbindung stehen“, so Falko Grabowski. Aber: Die mutmaßliche Schlägerei in der Nethestraße schon. Als die Beamten eintrafen, war nur eine Gruppe anwesend. Darunter wieder Personen aus Schönebeck.

Schönebecker unter den Tätern

Ob und inwiefern diese mit hiesiger rechter Szene in Verbindung stehen? „Derzeit dauern die Ermittlungen an“, so Grabowski. Dennoch beobachtet auch die Polizei, dass die lokale rechte Szene in Burg wieder erstarkt. Dabei war es in letzter Zeit ruhiger geworden in der Stadt – zumindest oberflächlich. „Mit Blick auf die letzten Jahre sieht man schon, dass es immer wieder Wellenbewegungen gibt“, so Grabowski. Laut Polizeistatistik wurden 2015 im Jerichower Land 43 Propagandadelikte und vier Gewaltdelikte aus dem rechten Spektrum erfasst. Dies stieg in 2016 auf 78 Propagandadelikte, die Zahl der Gewaltdelikte verdreifachte sich auf 12. In 2017 sanken die Zahlen wieder.

Für das Jahr 2018 liegen vorläufige Zahlen von der Mobilen Opferberatung, Anlaufstelle Nord, vor. Fünf Angriffe hat die Beratungsstelle im Landkreis erfasst, drei in Burg und zwei in Genthin, vier davon rassistisch motiviert. Diese könnten sich durch Nachmeldungen jedoch erhöhen, so die Beratungsstelle. Im Jahr 2017 wurden neun Angriffe im Jerichower Land dokumentiert, davon fünf rassistisch motiviert – vier richteten sich gegen politische Gegner. Aus dem linken Spektrum wurden laut Polizeistatistik in 2016 und in 2017 keine Propagandadelikte erfasst. Die Zahl der Gewaltdelikte sank von sieben auf fünf.

Polizeibeamte in Burg aufgestockt

Auf die angespannte Situation in der Stadt reagiert die Polizei mit verstärkter Präsenz, besonders an den Wochenenden. „Wir wollen nicht, dass sich hier eine Spirale der Gewalt mit immer neuen Delikten entwickelt“, so Grabowski.