Burg l Jeden Freitag ruft Alman Almohager zum gemeinsamen Gebet auf - seit er vor fünf Jahren von seinen muslimischen Mitbürgern zum Imam gewählt wurde. Was mit etwa zehn Gebetswilligen begonnen hat, nimmt heute weitaus größere Dimensionen an: rund 150 Muslime folgen regelmäßig seinem Ruf zum religiösen Treffen.

Während anfangs die Gebetsstunden im Flüchtlingsheim stattfinden konnten, zeitweise aus Platzmangel auf dem Rasen, bauen sie seit vier Jahren vor jedem Treffen ein Zelt an der Martin-Luther-Straße auf. Nur so gebe es genügend Platz, auch wenn immer noch jeder eng bei seinem Nachbarn stehen müsse.

Bei Kälte und Nässe beten

Doch die Temperaturen sinken, regnerische Tage bahnen sich an. „Bisher haben wir auch bei Kälte und Nässe im Zelt gebetet“, sagt Almohager. Doch das sei unwürdig, so könne es nicht weitergehen. Lieber sage er die Gebete ab.

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Eine Moschee zu bauen, stehe nicht auf dem Plan. „Wir möchten nur einen Raum oder eine Halle, die groß genug ist und in der wir auch Feste veranstalten können“, sagt Zainab, Inhaberin des arabischen Spezialitätengeschäfts Alexandria. Bei der Größenordnung schwierig, immerhin erscheinen derzeit nur Männer zum Gebet. Denn im Islam müssen beide Geschlechter getrennt voneinander beten, um sich nicht abzulenken. In dem Zelt ist das unmöglich. „Ich wünsche mir einen großen Saal, damit auch Frauen teilnehmen können“, gesteht sie.

Muslime in Magdeburg machen es vor

Diese Situation ist dem Verein der Islamischen Gemeinde in Magdeburg nur allzu vertraut. Dort sorgten am Ende fast 4000 Gläubige dafür, dass die ursprünglich als Gebetsraum dienende Baracke aus allen Nähten platzte. Seit 2016 hat sich das geändert, der Verein fand ein passendes Gebäude.

Moawia Al-Hamid, erster Vorsitzender des Vereins, kann die Unzufriedenheit verstehen, regelmäßig würden sogar Muslime aus Burg an den Gebeten in Magdeburg teilnehmen. „Kürzlich baten mich einige, für sie einen Raum zu mieten“, erzählt er. Doch das sei nicht möglich, denn Al-Hamid könne nicht kontrollieren, wer in Burg ein- und ausginge. „Wir hatten schon um Magdeburg herum mit Salafisten zu kämpfen“, sagt er. Extremisten zu entlarven, das sei für den Verein sehr wichtig. Deshalb müsse jemand vor Ort diese Kontrolle übernehmen. „Gründet einen Verein, in dessen Namen ein Gebäude gemietet werden kann und deren Mitglieder sich um eure Interessen kümmern“, rät er seinen Burger Glaubensbrüdern.

Vereinsgründung schon einmal gescheitert

Daran arbeiten Zainab und Almohager auch wieder. Vor zwei Jahren hatten sie bereits versucht, einen Verein zu gründen. Doch sie scheiterten an den Voraussetzungen, wie Zainab gesteht. Mindestens sieben Mitglieder bedarf es für eine Vereinseintragung – doch nicht jeder Gebetsbesucher möchte auch Mitglied sein, weiß Al-Hamid. Zudem vermutet Zainab, dass auch der Aufenthaltstitel eine Rolle spielen könnte. Al-Hamid bezweifelt das, er wisse, dass die Vereinsgründung in Genthin trotz befristetem Status der Mitglieder geklappt hätte.

Ein Grund mehr für den zweiten Anlauf, gemeinsam mit der Awo-Nachbarschaftshilfe, wie Zainab sagt. Dort wusste zwar bislang noch keiner von dem erneuten Vorhaben, doch seien sie bereit, zu helfen.

Hilfe bei Sammlung von Spenden

Dem schließt sich auch Al-Hamid an. „Sollten sich genügend Muslime in Burg zusammenschließen, unterstützen wir sie als Dachverband gerne bei den Formalitäten und bei der Sammlung von Spenden“, sagt er.

Denn etwas Vergleichbares wie die Kirchensteuer gebe es für die Vereine der Islamischen Gemeinde nicht. Anschaffungs- und Unterhaltungskosten der Mieträume müssen daher durch freiwillige Beiträge der Besucher gedeckt werden. Das sei nicht immer einfach, könne aber gemeinsam geschafft werden.

Ein Schritt nach dem anderen

Durch das Angebot schöpfen Almohager und Zainab neue Hoffnung. „Wir müssen Schritt für Schritt gehen, dann schaffen wir es“, sagt Zainab. Erst die Vereinsgründung, dann der Gebetsraum. Dass dies nicht von heute auf morgen geht, wissen beide. „Doch ich glaube, dass wir in zwei Jahren soweit sind“, ist sich der Imam sicher.