Burg l In der kommenden Woche beginnen die Herbstferien. Auch für viele Familien aus dem Jerichower Land bedeuten sie die Gelegenheit für einen kleinen Urlaub. Doch Augen auf bei der Reisezielwahl! Rückkehrer aus Risikogebieten müssen einiges beachten.

„Wer aus einem Risikogebiet im Ausland zurückkehrt, muss sich aktiv beim zuständigen Gesundheitsamt melden und selbstständig für 14 Tage in Quarantäne gehen“, informierte Kreissprecherin Claudia Hopf-Koßmann auf Anfrage der Volksstimme. Mit Nachweis eines negativen Testergebnisses könne die Quarantäne aufgehoben werden. Ausnahmen für die Quarantäne gibt es bei Berufspendlern.

Wer sich in den 14 Tagen vor der Einreise ins Jerichower Land in einem Risikogebiet aufgehalten hat, muss einen Corona-Test durchführen.

Drei Möglichkeiten für Tests

• Reisende können sich vor der Rückkehr nach Deutschland testen lassen, allerdings darf das Ergebnis nicht älter als 48 Stunden sein.

• Wer mit dem Flugzeug unterwegs war, kann sich am Ankunftsflughafen testen lassen.

• Schließlich gibt es noch die Möglichkeit, den Test bei einem niedergelassenen Arzt vornehmen zu lassen.

15 Ärzte, die Tests machen

Im Jerichower Land gibt es 15 Ärzte, die Tests vornehmen. Sie sind auf der Internetseite der Kassenärztlichen Vereinigung unter www.kvsa.de aufgelistet. Ein Anruf beim behandelnden Arzt oder unter der Patientenservicenummer der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, 116 117, kann ebenfalls weiterhelfen.

Wer aus einem Risikogebiet im Ausland zurückkehrt, muss den Test innerhalb von zehn Tagen nach der Einreise nicht bezahlen. Mit einem Ansturm auf die Tests wird trotz der Herbstferien beim Gesundheitsamt eher nicht gerechnet. „Die Hauptreisezeit scheint vorbei zu sein“, so Kreissprecherin Hopf-Koßmann.

Auf der anderen Seite machen die Risikogebiete nicht nur den Reisenden aus dem, sondern auch den Gastgebern im Jerichower Land zu schaffen. Das Beherbergungsverbot lässt es nämlich nicht zu, Gäste aus den gefährlichen Gebieten übernachten zu lassen.

Kritik an Beherbergungsverbot

• „Ich finde das Quatsch“, sagte Philipp Voß, Manager des Burger Regiohotels Wittekind. Tagestouristen seien erlaubt, dürften alles machen, sich an vielen Orten aufhalten und auf Menschen treffen, nur übernachten dürften sie nicht. Das sei eine inkonsequente Regelung. Er hätte sich ohnehin gemäßigtere Einschränkungen wie in Schweden gewünscht.

Nicht konsequent findet er auch, dass Menschen aus Risikogebieten übernachten dürfen, wenn sie im Jerichower Land arbeiten, nicht aber wenn sie als Touristen unterwegs sind. Risikogebiet bleibe doch Risikogebiet. Überhaupt werde ein ungeheurer Personalaufwand betrieben. Eine Person sei in der Regiohotelkette, zu der neun Häuser unter anderem in Wolmirstedt und Quedlinburg gehören, für die Bearbeitung abgestellt. Zum einen müssten täglich die Risikogebiete aktualisiert, zum anderen alle Buchungen überprüft und die potenziellen Gäste über die Lage informiert werden.

Regeln für Gäste schwer nachvollziehbar

• Wenig Zuspruch bekommen die aktuellen Regeln für Reisen und Beherbergung von Carina Hansen, die das Gästehaus am Storchennest in Hohenwarthe betreibt. „Alle Buchungen wurden storniert, unser Haus ist deshalb leer“, fasst sie zusammen. Die aktuellen Regeln seien für sie und Gäste verwirrend und schwer nachvollziehbar. „Wir halten uns seit März an die Hygiene-Regeln. Ich darf Bauleiter oder Bauarbeiter beherbergen, aber touristische Gäste aus anderen Bundesländern nicht. Diese können sich doch genauso an die bestehenden Regeln halten“, wundert sie sich. „Mit so etwas stoppen wir Corona nicht, sondern wenn wir alle vorsichtig sind.“ Sie hat Verständnis, wenn Gäste wegen den Regeln und Auflagen verunsichert sind und stornieren. „Das geht dann natürlich kostenlos“, erklärt sie.

Bei Carina Hansen ist allerdings nicht nur die Übernachtung betroffen, sondern auch der Saal des Gästehauses am Storchennest, der sonst für Feiern vermietet wird. „Die Einnahmen, die wir sonst haben durch Übernachtungsgäste und Saalvermietung, sind enorm eingebrochen. Zum Glück hat mein Mann eine zusätzliche Arbeit gefunden, sodass wir wenigstens so Einnahmen haben“, berichtet sie.

Ungewissheit am schwierigsten

• „Unser Haus lebt vor allem von Geschäftsleuten und umherreisenden Handwerkern. Deshalb treffen uns die wegfallenden Übernachtungen der privat Reisenden (noch) nicht existenziell“, sagt Jana Kruse, Inhaberin des Hotels Müller in Genthin. Für das kommende Wochenende aber hätten Berliner gebucht, die haben jetzt abgesagt haben.

„Unsere Gäste sind sehr vernünftig: Sie rufen an und fragen, was gerade möglich ist und was nicht. Für mich ist diese Ungewissheit am schwierigsten: Darf man sich ein Attest zeigen lassen oder nicht? Oder muss ich das vielleicht irgendwann sogar?“, sagt Jana Kruse.

Was tun bei steigenden Infektionszahlen?

Ginge es nach ihr, würden auch die in Sachsen-Anhalt gerade nicht mehr geforderten Anwesenheitslisten weitergeführt. Das Gesundheitsamt brauche doch Anhaltspunkte, wenn es eine Infektionskette nachverfolgen und unterbrechen wolle.

„Sorge macht mir die Zukunft: Was passiert mit den Hotels, wenn die Infektionszahlen weiter steigen? Wie streng werden dann die Beherbergungsverbote ausgelegt?“, fragt sich Jana Kruse. Sie richtet an alle den Appell: „Haltet Euch an die Hygieneregeln, setzt die Masken auf und achtet auf Abstand!“