Baustelle L 52

Roter Staub belastet Anwohner an Lungenklinik Lostau

Roter Staub, den die provisorische Umfahrung der Baustelle auf der Landesstraße 52 in Lostau produziert, belastet die Anwohner im Umfeld stark. Nach Volksstimme-Informationen könnte die Umfahrung deshalb jetzt geschlossen werden.

Von Anke Reppin 09.07.2021, 14:46
Auto an Auto drängt über die provisorische Umfahrung der L 52 am Garten von Wunderlings vorbei und produziert dicken roten Staub.
Auto an Auto drängt über die provisorische Umfahrung der L 52 am Garten von Wunderlings vorbei und produziert dicken roten Staub. Foto: Anke Reppin

Lostau - Auto an Auto drängt sich auf der provisorischen Umfahrung der Baustelle am Ortseingang von Lostau am Garten von Familie Wunderling vorbei. Keinen Meter vom Gartenzaun entfernt, fährt auf der Schotterstraße offensichtlich nicht - wie eigentlich geplant - nur der örtliche Verkehr zwischen Hohenwarthe und Lostau. Viele Kennzeichen sind aus dem Jerichower Land, aber auch Magdeburger, Schönebecker und Firmenfahrzeuge aus dem ganzen Land sind dabei. Der Verkehr reißt nicht ab - den ganzen Tag geht das so, Hunderte Fahrzeuge fahren die provisorische Umfahrung der Baustelle. Die 10 km/h, die hier vorgesehen sind, fährt so gut wie kein Autofahrer. Wer es doch tut, der wird hupend von den hinter ihm Fahrenden bedrängt, schneller zu fahren.

Krach und Verkehr stören nicht

Aber der Verkehr an sich und auch der Krach von der Baustelle stören Hella und Manfred Wunderling nicht. Zwar glaubten sie ursprünglich, dass es nur eine Straße für die Baufahrzeuge sein würde, die hier so dicht an ihrem Gartenzaun provisorisch eingerichtet wurde. Dass hier nun für die Zeit der Bauarbeiten so viele Autos jeden Tag vorbeifahren, finden sie aber gar nicht so schlimm. Denn viel Verkehr haben sie auch ohne Baustelle auf der Landesstraße 52, die ebenfalls recht nah an ihrem Garten vorbeiführt. Und den Radweg, der später anstelle der provisorischen Umfahrung an ihrem Garten vorbeiführen wird, begrüßen die Wunderlings. „Wir sind selbst leidenschaftliche Radfahrer“, sagt Manfred Wunderling.

Schlimm aber sei der rote Staub, den die provisorische Umfahrung der Baustelle verursacht. Vor allem auch deshalb, weil sich die Autofahrer eben nicht an die vorgegebenen 10 km/h halten. Der Staub bedeckt jedes Blatt, das Dach des Pools, das Gartenhaus, Stühle und Tisch und vieles mehr im Garten der Wunderlings. Manfred Wunderling kommt gar nicht hinterher, alles wieder sauber zu machen. In dicken Wolken weht der rote Staub von der provisorischen Straße auf das Grundstück. „Ich bin eigentlich keine Meckertante“, sagt Hella Wunderling, „aber das mit dem Dreck, das haut nicht hin.“

„Ich sehe nicht ein, dass wir jetzt den ganzen Sommer das Grundstück verlassen“, sagt Hella Wunderling. Aber draußen sitzen geht zurzeit gar nicht, Kinder und Enkelkinder kommen schon gar nicht mehr. Es müsse doch eine Lösung geben, sagen die Wunderlings. Ihr Anliegen haben sie an den Ortsbürgermeister herangetragen. Doch bisher sei nichts geschehen. Vielleicht könnte wenigstens regelmäßig Wasser auf die Straße gesprengt werden, damit der Staub nicht so aufwirbelt, fragen sich Wunderlings. Es sei schade, dass hier nichts passiere.

Die beiden Gartenbesitzer wundern sich auch, dass „Lostau es sich gefallen lassen hat“, dass hier statt einer Vollsperrung „durchgedrückt“ wurde, dass „örtlicher Verkehr“ weiter fahren darf. Zu keinem Zeitpunkt seien sie von irgendjemanden über die Baumaßnahmen oder das Einrichten der provisorischen Umfahrung der Baustelle informiert worden. Lediglich aus der Zeitung erfuhren sie von den Planungen.

Und nicht nur der Garten, in dem Familie Wunderling normalerweise den ganzen Sommer auch mit Kindern und Enkelkindern verbringt, ist von der starken Staubentwicklung betroffen. Bewohner von Häusern und Wohnungen an der Lungenklinik beklagen ebenfalls, dass sie die Fenster nicht öffnen und Wäsche zurzeit nicht nach draußen hängen können. Denn der rote Staub saut alles ein.

Man müsste da dann schon alle zehn Minuten mit dem Wasserwagen durch, erklärte Polizeihauptmeister Karl-Heinz Fröhlich bei der Sitzung des Gemeinderates Möser am Dienstagabend. Das sei aber nicht möglich.

Es sei „nicht in Ordnung“, dass der rote Staub bis in die Wohnbereiche der Anwohner ziehe, sagte der Lostauer Gemeinderat Christian Luckau (FDP/Wienke-Fraktion). Und Mösers Bauamtsleiter Uwe Gent erklärte, die problematische Staubentwicklung sei bei jeder Bauberatung mit der Landesstraßenbaubehörde vor Ort Thema. Die Verkehrsbehörde (der Landkreis Jerichower Land, Anmerkung der Redaktion) behalte sich deshalb neue verkehrsrechtliche Anordnungen vor, betonte der Bauamtsleiter auch. Er fahre selbst die Strecke und könne aus eigener Erfahrung sagen, dass sich hier kaum jemand an die 10 km/h halte, so Gent. Wer es tue, der werde „fast schon genötigt“, schneller zu fahren. Dabei halte sich die Staubentwicklung bei 10 km/ h „in Grenzen“.

Staub könnte Grund für Schließung sein

Am Rande einer aktuellen Bauberatung vor Ort war nun zu erfahren, dass die Belastung der Anwohner durch den roten Staub durchaus ein Grund sein könnte, die provisorische Umfahrung zu schließen. Zudem hat die Baufirma Eurovia signalisiert, dass sie im August unter Vollsperrung arbeiten will, damit möglichst ab Mitte September die Landesstraße 52 zumindest halbseitig freigegeben werden kann. Hintergrund ist, dass eine Vollsperrung für die Baufirma ein schnelleres Bauen und mehr Sicherheit für die Bauarbeiter bedeutet.

Hella und Manfred Wunderling in ihrem Garten nahe der Baustelle.
Hella und Manfred Wunderling in ihrem Garten nahe der Baustelle.
Foto: Anke Reppin
Die Poolabdeckung nahe der Baustelle ist mit dickem roten Staub überzogen.
Die Poolabdeckung nahe der Baustelle ist mit dickem roten Staub überzogen.
Foto: Manfred Wunderling