Vogelschutz

Rotmilan mit Funkkontakt

In Loburg aufgepäppelter Rotmilan arbeitet von Hohenziatz aus an einer europaweiten Studie mit. Diese erforscht die Todesursachen der Vögel.

Von Stephen Zechendorf

Loburg/Hohenziatz l Der Zufall in Gestalt eines Unwetters hat dafür gesorgt, dass die Vogelschutzwarte Loburg jetzt auch die Rotmilan-Forschung mitgestaltet. Ein Sturm am Abend des 1. Juli war einem jungen Milan zum Verhängnis geworden. „Der verletzte Vogel wurde am 2. Juli gefunden und zu uns gebracht“, berichtet Michael Kaatz, Geschäftsführer der Vogelschutzwarte Storchenhof Loburg. Gut anderthalb Wochen verbrachte das Tier in menschlicher Obhut, bevor es wieder freigelassen werden konnte. Die Auswilderung erfolgte im Umfeld des Fundortes.

Allerdings ist der Rotmilan mit zusätzlichem Gepäck in Freiheit gestartet. Neben einem Nummernring am Fuß trägt der Jungvogel jetzt auch einen Sender auf dem Rücken. Die Daten des Senders fließen ein in das EU-LIFE-Projekt „Eurokite“, erklärt Martin Kolbe, Leiter des Rotmilanzentrums am Museum Heineanum in Halberstadt. Er war bei der Auswilderung dabei.

Wenn man es ganz genau nimmt, ist der Sender vor allem dazu da, damit die Menschheit erfährt, woran dieser Rotmilan eines Tages gestorben sein wird. Denn Rotmilane sind vom Aussterben bedroht.

Die EU-Kommission hat das LIFE-Projekt im Dezember 2019 bewilligt. Ziel des Projektes ist es, die Todesursachen von Rotmilanen in ganz Europa aufzuklären und gegen die häufigsten von Menschen verursachten Gefahren Maßnahmen zu ergreifen. Mit dem Projekt „Eurokite“ wird es erstmals möglich sein, ein detailliertes Bild der wahren Todesursachen beim Rotmilan zu ermitteln und damit eine große Wissenslücke bei der Erforschung des Rotmilans zu schließen.

Sterben besenderte Rotmilane in Sachsen-Anhalt, werden diese vom Rotmilanzentrum dokumentiert und die genaue Todesursache bestimmt.

„Wenn die häufigsten menschengemachten Todesursachen ermittelt wurden, werden konkrete Handlungsempfehlungen erfolgen, um diese zu minimieren“, heißt es in einer Pressemitteilung des Landesministeriums für Umwelt, Landwirtschaft und Energie (MULE). Weiterhin wird das Rotmilanzentrum auch an der Ausarbeitung von Standards mitwirken, welche im Projekt Anwendung finden.

2000 Rotmilane wurden bei einer Zählung im Jahr 2012/13 in ganz Sachsen-Anhalt erfasst. In Teilen von Sachsen-Anhalt haben die Experten eine große Häufung dieser Greifvögel festgestellt. Diese Hotspots zeichnen sich dadurch aus, dass hier mehr Milane leben, als im Durchschnitt. Martin Kolbe nennt Hotspots im nördlichen Harzvorland, in der Elbaue bei Wittenberg, in der Saaleaue bei Bernburg und rund um Loburg. „Durchschnittlich leben auf 100 Quadratkilometern etwa zehn Rotmilane, in den Hotspots ist es das Anderthalbfache.

„Aber wir wissen bisher viel zu wenig darüber, was junge Rotmilane zwischen dem ersten Ausflug und dem Brutbeginn machen, welche Flugziele sie haben“, sagt Martin Kolbe, Leiter des Rotmilanzentrums in Halberstadt: „Junge Rotmilane brüten nicht gleich in ihrem ersten Lebensjahr, sondern erst nach zwei oder drei Jahren. Daher ist es wichtig zu wissen, wo sich die Vögel dann ansiedeln, um geeignete Schutzmaßnahmen treffen zu können.

Rotmilane sind Zugvögel, die den Winter normalerweise in Spanien und Frankreich verbringen. Nur ein Bruchteil bleibt in Deutschland. Wenn die Vögel Anfang März nach Sachsen-Anhalt zurückkehren, ist es wichtig zu erfahren, ob sie an den Ort ihrer eigenen Geburt zurückkehren, so Martin Kolbe: „Wenn sie sich da ansiedeln, wo sie geboren wurden, hat das ganz andere Konsequenzen für den Schutz der Vögel, als wenn sie woanders brüten. Dann nämlich muss man ganz konsequent überall die gleichen Schutzmaßnahmen anwenden. Wenn aber der Hohenziatzer Jungvogel wieder nach Hohenziatz kommt, und dort der Bestand zurückgeht, dann muss man nur dort lokal Schutzmaßnahmen ergreifen.

111 Milane wurden in den vergangenen drei Jahren in Sachsen-Anhalt besendert. Über die Hälfte davon in diesem Jahr. Einer davon kreist derzeit über Hohenziatz.