Schweinitz l Hundebesitzer aus der Region, die ihren Vierbeiner für die Jagd einsetzen wollen, kommen um einen Besuch im Schwarzwildgatter nicht drumherum. In dem eingezäunten Areal warten die Keiler nur darauf, den Hunden zu zeigen, wer hier der Herr im Wald ist.

Unter Aufsicht der Mitglieder des „Arbeitskreises Schwarzwildgatter“ lernen die angehenden Jagdhunde den richtigen Umgang mit den Keilern. Das Gute dabei: die Wildschweine kennen das längst und reagieren nicht so rabiat, wie es ihre freilebenden Artgenossen vermutlich tun würden. „Die Hunde und Hundehalter sind aufgeregter als die Schweine“, ist Gattermeister Bernhard Runge überzeugt. Viele der Hunde sehen hier zum ersten Mal Schwarzwild.

Trotz Corona 33 Prüfungen und Tests

Trotz Corona konnten im Jahr 2020 insgesamt 217 Übungseinheiten im Schweinitzer Schwarzwildgatter durchgeführt werden. 109 Hunde besuchten das Gatter mit ihren Frauchen oder Herrchen. Dabei legten 23 Hunde ihre Brauchbarkeitsprüfung ab, zehn Hunde absolvierten ihren Wesenstest. Der Rest absolvierte einfache Übungen und kommt erst 2021 zur Prüfung.

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„Ein angehender Jagdhund sollte dreimal hier gewesen sein und Übungen absolviert haben. Wenn er es dann nicht begriffen hat, ist er nicht geeignet“, sagt Wilhelm Tappert, im Gatter zuständig für Ausbildung, Schulung und Prüfung der Hunde: „Die meisten Hunde schaffen das.“ Ein brauchbarer Jagdhund soll ein Wildschwein beharrlich in Bewegung halten, es aber nicht blindlings attackieren.

Das nicht öffentlich zugängliche Gatter hinter dem Schweinitzer Schießplatz gibt es seit dem Jahr 2009. Es wird in Trägerschaft des Landesjagdverbandes von Sachsen-Anhalt unterhalten und finanziert. 19 solcher Wildschweingatter gibt es in der Bundesrepublik Deutschland, im neuen Jahr kommt ein 20. hinzu.

Dennoch begrüßen die Betreuer in Schweinitz Besucher aus ganz Deutschland. „ Manche kommen seit Jahren aus Nordrheinwestfalen zu uns, obwohl sie ein eigenes Gatter vor der Haustür haben“, ist Gattermeister Bernhard Runge zufrieden. Derzeit herrscht auf dem Areal allerdings Winterpause. Bis März erfolgt keine Ausbildung. Da bleibt viel Zeit für Reparaturen und Erweiterungen.

Deutlich mehr Zäune

Deutlich mehr Zäune als noch vor wenigen Monaten umschließen inzwischen das Areal. Das hat zwei Gründe, sagt Gattermeister Runge. „Zum einen haben wir ein zweites Ruhegatter angelegt, zum anderen soll ein zweiter Zaun verhindern, dass sich unsere Tiere bei wildlebenden Wildschweinen mit ASP anstecken können.“

Der Vormarsch von ASP – also der Afrikanischen Schweinepest – macht auch den aktuell acht Mitarbeitern des Schweinitzer Wildschweingatters Sorgen. Zusätzlich mit dem doppelten Zaun erfolgte auch eine Verbretterung, damit Schwarzwild von Außen nicht in das Gatter hineindrücken kann. Die Kosten für die zusätzlichen Leit- und Schutzzäune übernahm der Landesjagdverband.

Ab Herbst doppelt so viele Hunde

Das zweite Ruhegatter soll künftig eine zweite Rotte aufnehmen. Die neue Rotte besteht aus dann aus drei Tieren, die im Frühjahr 2021 geworfen werden und im Herbst ins Schweinitzer Gatter kommen sollen.

Die zweite Rotte soll eingestellt werden, damit man mehr Service anbieten kann, also mehr Hunde ausbilden kann, sagt Bernhard Runge. „Mit einer Rotte können höchstens sechs Hunde am Tag kommen. Mit einer zweiten Rotte geht dann das Doppelte.“

Hunde lernen Schweine kennen

Derzeit sind zwei Tiere im Gatter. Es waren ja schon mal vier Keiler, bis in der Nacht zum 5. November 2013 Unbekannte in das Gatter stiegen und die vier Sauen töteten. Zwei wurden im Gatter belassen, zwei wurden mitgenommen.

Danach wurden drei neue Tiere angeschafft. Eines davon lebt nicht mehr. „Das lag aber keinesfalls an einem Hundeangriff“, so Runge. Ein eingewachsener Zahn führte zu Komplikationen.

Überhaupt geht es beim Aufeinandertreffen von Sau und Hund im Gatter eher harmlos zu: In all den Jahren sei es noch zu keinem getöteten Hund durch Sauen gekommen, so Runge und Tappert: „Wir haben ganz wenig Verletzungen.“

Die Hunde lernen in dem Gehege schnell, dass mit Schwarzwild nicht zu spaßen ist. Auch im so genannten Prägungskorridor für die Einarbeitung von Junghunden sollen die Hunde die Stärke der Sauen kennenlernen. Auch so können später Verletzungen minimiert werden. In den beiden großen Ruhegattern bleiben die Sauen von den Hunden unbehelligt.

Die Wildschweine können etwa sechs bis sieben Jahre für die Ausbildung von Hunden genutzt werden, sagt Bernhard Runge: „Danach werden sie träger. Unsere sind das aber noch nicht. Die zeigen den Hunden noch, wer Herr im Gatter ist.“