Heyrothsberge l Anika Kinzurschwili ist ausgebildete Sozialassistentin. Seit 2019 arbeitet sie als Pflegekraft im Humanas Wohnpark Biederitz am Wasserturm in Heyrothsberge. Es sei ungewohnt ruhig zur Zeit im Wohnpark, berichtet sie. Kein Würfel tanze auf dem Tisch, wo sonst die Bewohner zusammen „Mensch ärgere dich nicht“ spielen. In diesen vom Coronavirus geprägten Tagen finden auch keine Treffen zur Bastelrunde statt.

Ganz ohne Kontakt geht nicht in der Pflege

„Unser normales Programm können wir nicht anbieten“, erklärt Anika Kinzurschwili. In der Spätschicht kümmert sie sich sonst um ein buntes Angebot für die hier lebenden Senioren. „Jetzt halten wir natürlich auch einen gewissen Abstand. Einmal wir als Mitarbeiter zu den Bewohnern, aber auch die Bewohner untereinander“, sagt die junge Frau. Das sei aus verschiedenen Gründen nicht immer einfach. Zum einen versteht nicht jeder Bewohner die Situation. Demenzerkrankte beispielsweise. Hinzu komme die Sehnsucht vieler Bewohner nach Nähe und Kontakt, die zur Zeit nicht wie sonst gestillt werden kann. „Ganz ohne Kontakt geht es in der Pflege aber natürlich nicht“, sagt Anika Kinzurschwili.

Doch statt um eine ganze Gruppe von Bewohnern kümmert sich Anika Kinzurschwili nun einzeln um die Senioren. Mit einer älteren Dame schreibt sie einen Brief, und mit einer anderen Seniorin nimmt sie zusammen die trockene Wäsche ab. Auswirkungen auf die Personalstärke der Einrichtung hat das nicht. Denn zum einen ist der Wohnpark noch nicht voll belegt. Zum anderen teilen sich die Pflegekräfte ihre Arbeit jetzt zur Corona-Zeit einfach anders ein.

Bilder

Lieber in Wohnung essen

„Normalerweise sitzen die Bewohner beim Essen auch immer in ihren Bereichen zusammen. Jetzt sind es maximal vier statt alle sieben eines Bereiches“, berichtet Anika Kinzurschwili. Einige würden zurzeit ohnehin lieber in ihren Wohnungen essen. Die Stühle sind so angeordnet, dass die Bewohner nicht zu nah beieinander sitzen.

Die Pflegekräfte sind dem guten Wetter dankbar, erzählt die Pflegekraft. So können man zusammen mit den Bewohnern an die frische Luft. „Wir haben vor wenigen Tagen auf dem Außengelände zusammen Blumen gepflanzt“, sagt Kinzurschwili. „Mit Abstand ist Gartenarbeit eine gelungene Abwechslung und es macht unseren Wohnpark gleich noch schöner.“ Einige Bewohner sitzen in diesem Tagen in der Sonne und häkeln – was sie sonst in einer Gruppe machen würden.

Keine Schutzkleidung notwendig

Für die Pflegekräfte habe sich – abgesehen von den Kontaktreduzierungen – nicht viel geändert. „Schutzkleidung wie auf Intensivstationen oder das ständige Tragen von Handschuhen sind auch jetzt nicht notwendig, sofern es keinen Verdachtsfall oder eine bestätigte Erkrankung gibt“, erklärt Fabian Biastoch, Sprecher der Humanas-Gruppe, die ihren Sitz in Colbitz im Bördekreis hat. Anders als zu normalen Zeiten seien aber Mund-Nasen-Schutze im Einsatz.

„Bei der Grundpflege, also beispielsweise beim Waschen, haben wir selbstverständlich auch vorher bereits Handschuhe getragen“, sagt Anika Kinzurschwili. „Natürlich sind wir alle wachsamer und aufmerksamer. Wir wollen ja niemanden anstecken“, betont sie. Eine regelmäßige Desinfektion der Handläufe und Türklinken sei an der Tagesordnung. „Da packen auch unsere Bewohner gern mit an“, weiß die Pflegekraft zu berichten.

Hygienemaßnahmen immer auf hohem Niveau

Insgesamt habe sich an den Hygienemaßnahmen im Wohnpark nicht viel geändert. Sie seien immer auf einem sehr hohen Niveau. Im März wurden ein Handlungsleitfaden und ein Pandemieplan zum Umgang mit dem Coronavirus herausgegeben.

Die Mitarbeiter seien angehalten, ihren eigenen Gesundheitszustand zu beobachten und bei Symptomen vorsorglich Zuhause zu bleiben, erklärt Biastoch. „Treten einschlägige Symptome auf, arbeiten wir eng mit den Ärzten und Behörden zusammen“, sagt der Sprecher.

Kein Schließungsverbot

Ein Besuch im Wohnpark ist zurzeit nicht ohne Weiteres möglich. „Wir sind zwar keine Einrichtung der stationären Altenpflege und unterliegen damit auch keinem Schließungsverbot“, erklärt Fabian Biastoch, „jedoch sollen die Angehörigen ihre Besuche auf ein Mindestmaß reduzieren.“ Dazu gebe es in den Humanas-Einrichtungen seit Mitte März gesonderte Zugangsregeln, wie beispielsweise Listen, in die sich die Besucher eintragen müssen. „Das funktioniert sehr gut“, sagt Biastoch.

Zumindest sehen können Angehörige ihre Eltern und Großeltern aber dennoch regelmäßig. „Die Terrassen sind von der Zufahrtsstraße und dem Außengelände einsehbar“, so Fabian Biastoch. Mit ausreichend Abstand kann auch auf diese Weise der Kontakt zueinander aufrecht erhalten bleiben.

Einzüge in Wohnpark weiterhin möglich

Rund um die Osterfeiertage sei die Einschränkung der Besuche von Angehörigen „umso belastender“ gewesen, sagt der Humanas-Sprecher. Grundsätzlich aber sei das Verständnis der Angehörigen für die Beschränkung groß.

Einzüge in den Humanas-Wohnpark am Wasserturm in Heyrothsberge sind auch trotz der Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus möglich. „Wir begrüßen in den kommenden Wochen eine neue Bewohnerin“, freut sich Anika Kinzurschwili schon jetzt auf die neue Seniorin.