Parchen l Johannes (Name von der Redaktion geändert) kann sich den Alltag in der Förderschule mit Ausgleichsklassen nicht ohne Justine Matthies vorstellen. Und das will er auch gar nicht. Der Schüler wurde in der Vergangenheit oft gemobbt. „Die anderen haben mir damals meine Sachen weggenommen und kaputt gemacht, ich wurde auch oft geschubst“, erzählt der freundliche Junge. Die Pausen waren nicht immer erholsam. Jetzt sei es schon viel besser – dank Pädagogin Justine Matthies.

Denn auch darum geht es bei der Schulsozialarbeit: Die Probleme der 80 Schulkinder in Parchen aufgreifen und eine Lösung erarbeiten – nur so bleibt der kleine Kopf wirklich frei für das Lernen. „Wer nach der Pause ein schlechtes Gefühl hat, kann direkt zu Frau Matthies gehen“, erzählt Johannes – auch direkt vor dem Unterricht, dafür hat die Schulsozialarbeiterin sich eingesetzt.

Enge Zusammenarbeit

Und nicht nur dafür: Dass Johannes so offen und vor allem so ruhig über seine Mobbing-Erlebnisse sprechen kann – auch das ein Ergebnis der Einzelfallhilfe mit Justine Matthies. „Am Anfang war er oft aggressiv, verschlossen“, erinnert sich die Schulsozialarbeiterin. Zusammen mit den Lehrern und den Eltern hatte Justine Matthies einen Plan entwickelt, um den Schulalltag für Johannes besser, entspannter, kinderfreundlicher zu machen. Neben Ausflügen mit der Klasse, um die Gemeinschaft der Kinder zu stärken, vermittelte die Schulsozialarbeiterin auch eine außerschulische Be treuung für den Jungen.

„So funktioniert die Einzelfallhilfe bei der Schulsozialarbeit“, erklärt Elke Schmidt von der Netzwerkstelle Akku, die Schulsozialarbeiter im Jerichower Land betreut. „Wir beziehen das ganze System von Eltern bis zu Lehrern und Jugendamt mit ein und schaffen so einen Kreislauf.“ Diese Sicherheit spüren auch die Schüler an der Albrecht-Dürer-Schule. „Wenn mir irgendwas hier in der Schule passiert oder ich irgendwas habe, kann ich das alles erzählen“, sagt Johannes. Er weiß, dass „seine“ Schulsozialarbeiterin alle Geschichten und Streitereien vertraulich behandelt. „Das ist eine der Grundlagen meiner Arbeit. Ich bin keine Lehrerin“, betont Justine Matthies.

Fester Bestandteil

Ein fester Bestandteil der Schule ist sie trotzdem. „Ich kann meinen Tag nicht genau planen. Natürlich habe ich ein paar feste Termine, aber das meiste ergibt sich im Laufe des Schultages“, so die 26-Jährige. Ihre Tür stehe immer offen. „Wenn es dann knallt, gehe ich direkt raus und spiele ‚Feuerwehr‘, scherzt die Genthinerin.

Aber es sind nicht nur die großen Themen wie Mobbing oder Gewalt im Elternhaus, die bei der Einzefallhilfe zur Sprache kommen. „Manchmal sind es auch kleinere Streitereien unter den Schülern oder auch zu Hause mit den Eltern“, sagt Justine Matthies.

Dann setzt sie sich mit den Schülern auf die Couch mit dem leuchtend bunten Einhornkissen. Wer mag, krabbelt in das gemusterte Tipi-Zelt und erzählt von seinen Sorgen. Was immer gleich ist: Justine Matthies hört zu.