Gommern/Magdeburg l Über einen Mitschüler, dessen Mutter eines der Heimkinder unterrichtet, hatte die Klasse 8a erfahren, dass die „Crazy Kidz“ für ihre geplante Fahrt in den Harz warme Kleidung benötigen. Ob da wohl ein paar dicke Sachen abgegeben werden könnten? Für die Achtklässler der Europaschule Gymnasium Gommern (EGG) war das keine Frage. Schnell kamen vier Säcke mit Wintersachen zusammen.

Aber das reichte den Schülern nicht aus. Sie wollten mehr tun. Mit einem Spendenlauf sollten die Magdeburger Heimkinder zusätzlich unterstützt werden. Die Jugendlichen suchten Sponsoren und fanden tatkräftige Hilfe in ihren Eltern und Klassenlehrerin Katja Frentzel. Sie motivierte ihre Schüler obendrein, in dem sie für jede absolvierte Runde zehn Cent versprach.

Im Herbst, als es die Corona-Pandemie noch möglich machte, fand der Spendenlauf auf dem Biederitzer Deich statt. An den Start gingen nicht nur die Achtklässler, sondern auch die Heimkinder. Sie hatten extra geübt und dafür jedes schlechte Wetter ignoriert.

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In 60 Minuten liefen die Kinder und Jugendlichen so viele 400-Meter-Runden, wie es ihnen möglich war. Die Vierjährige auch mal auf den Schultern ihres Betreuers Andy. Die beiden wurden von Katja Frentzel doppelt gezählt.

Während des Laufs bildeten beide Gruppen immer mehr eine Einheit und feuerten sich gegenseitig an. Im Anschluss gab es nicht nur Getränke, sondern auch selbstgebackenen Kuchen.

Die Achtklässler, die an dem Wochenende nicht mitlaufen konnten, beteiligten sich ebenfalls an der Spendensumme.

Dass die Europaschüler letztlich eine Spende in Höhe von 1615 Euro erliefen, trieb Sabrina Lindenau, Leiterin der Einrichtung „Crazy Kids“, die zur Heimverbund Mittendrin GmbH gehört, die Tränen in die Augen. Mit so einer hohen Zuwendung hatte sie nicht gerechnet. Auch Klassenlehrerin Katja Frentzel machte das Engagement sehr, sehr stolz auf ihre Klasse. Denn, erklärte sie, man müsse bedenken, dass die Jungen und Mädchen gerade mitten in der Pubertät stecken und eigentlich viel mit sich selbst beschäftigt seien. Kein einziger Schüler hatte jedoch vorgeschlagen, das Geld für die eigene Klasse zu verwenden.

Bei den Crazy Kidz werden derzeit acht Kinder zwischen vier und 13 Jahren betreut. Mit dem Geld aus dem Spendenlauf soll der Gemeinschaftsraum, in dem derzeit ein altes Sofa und ein Tisch stehen, neu gestaltet werden. In dem Raum können die Kinder beispielsweise Zeit mit ihren Eltern verbringen.

„Wir wollen, dass der Spendenlauf keine einmalige Aktion bleibt“, sagte Katja Frentzel. Sobald es die Corona-Pandemie zulasse, wollten sich ihre Schüler und die Heimkinder wieder treffen.

Die Jungen seien zum Fußball verabredet, die Mädchen überlegten, gemeinsam einen Tanz einzustudieren.