Michael Scholl ganz persönlich

Biederitz ist für mich ein sehr schön gelegener Ort, mit einem großen und zum Teil noch schlummernden Potential.

Hätte ich einen Wunsch frei, würde ich mir eine Zauberformel wünschen, mit der ich Kultursinn in die Herzen der Menschen aus unserer Region bringen kann.

Riesig gefreut habe ich mich über die Entwicklung meiner Familie, über die Chormitglieder, die Förderkreismitglieder, bewegende Aufführungen und vieles mehr.

Ich lese gerade das Buch „Vor Mitternacht“ von Ida Simons

Als Schüler träumte ich in den ersten Klassen davon, ein Skispringer, Fußballer und Leichtathlet und später Bauingenieur zu werden sowie eine Rockoper für den Umweltschutz zu komponieren.

Mich ärgert die Tatsache, dass Leute sich durch vereinfachte und Angst schürende Plattheiten verengen lassen.

Unserer Bundeskanzlerin Angela Merkel rate ich, ihre inneren Überzeugungen nicht dem Populismus zu opfern.

Wenn ich ein ganzes Jahr frei hätte, würde ich völlig unbeschwert Musik, die Familie und die Natur genießen sowie ganz viel Fahrrad fahren und viel lesen.

Biederitz l In den 1980er Jahren war Wolfgang Amadeus Mozart durch den Film „Amadeus“ und den Nummer-1-Hit „Rock Me Amadeus“ vom Star der klassischen Musik zu einem Popstar unserer Tage avanciert. Wenn die Person Mozart junge Leute begeistert, dann vielleicht auch seine Musik? In Beantwortung dieser Frage wählte Kantor Michael Scholl 1990 Mozarts „Requiem“ als erste große Herausforderung für die Sängerinnen und Sänger, die sich ganz frisch in der Biederitzer Kantorei zusammen-geschlossen hatten. Das waren vornehmlich junge Leute, wie auch ihr Dirigent, der gerade mit seinem Kirchenmusik-Studium fertig und ins heimatliche Biederitz zurückgekehrt war, um in der Aufbruchstimmung der Jahre 1989/90 einen bis heute im Jerichower Land und darüber hinaus einmaligen Chor aufzubauen und gleichzeitig die 1812 begonnene Biederitzer Kirchenchor-Tradition wiederzubeleben.

Ensemble wächst anfangs schnell

Den ersten Auftritt absolvierte die Biederitzer Kantorei am 1. Advent 1989, und schon im nächsten Sommer hatte das Ensemble über 50 Köpfe. Bis Magdeburg hatte es sich schnell herumgesprochen, dass in Biederitz ein neuer, junger Chor aufgebaut wird. „Der eine brachte den anderen zur Probe mit“, erinnert sich Michael Scholl daran, wie sich die Reihen des Ensembles anfangs schnell geschlossen haben. Und Scholl bemühte sich erfolgreich, den Zusammenhalt zu festigen. „Das Chorleben war und ist nicht nur auf gemeinsame Proben und Auftritte beschränkt. Wir wuchsen bei Chorfahrten zusammen und suchten Kontakt zu Chören in der Schweiz, Italien, Spanien und Rumänien“, so Michael Scholl.

Neben der „großen“ Kantorei gibt es seit 1991 den Kammerchor der Biederitzer Kantorei (20 Mitglieder) und auch eine Jugend- und eine Kinderkantorei. Außerdem wird der Chor von einem Förderverein (100 Mitglieder), der sich um Fördermittel, Werbung, Organisation usw. kümmert, unterstützt, „sonst würde es so nicht funktionieren“, wie Michael Scholl sagt.

Mit Volldampf ins Telemann-Jahr 2017

Die erste Aufführung von Mozarts Requiem fand 1991 statt. Dutzende weitere chor-sinfonische Werke forderten und fordern die Sängerinnen und Sänger der Biederitzer Kantorei bis heute heraus. Die Kantorei musiziert dann immer mit namhaften Solisten und Orchestern. Nach Mozart und anderen bedeutenden Komponisten wurden durch die Biederitzer Kantorei dann vor allem Georg Philipp Telemann und die mitteldeutsche Barockmusik „entdeckt“. Unter anderen wird der „Biederitzer Musiksommer“, der 1990 von Michael Scholl ins Leben gerufen wurde, alljährlich mit einer Telemannpassion eröffnet. Es gab neuzeitliche Telemann-Erstaufführungen mit der Biederitzer Kantorei, und CDs mit Telemann-Ersteinspielungen wurden veröffentlicht.

Im Telemann-Jahr 2017 (250. Todestag) steht unter anderem die Motette „Deus judicium tuum regi da“ auf dem Programm der Kantorei. Weiterhin werden in diesem Jahr unter anderem aus dem beeindruckenden Spätwerk Telemanns von der Biederitzer Kantorei „Die Auferstehung“, die „Donnerode“ sowie das Weihnachtsoratorium „Die Hirten an der Krippe zu Bethlehem“ aufgeführt.

Intensiver Kontakt

Aber nicht nur die Musik vergangener Jahrhunderte wird von Michael Scholl und seinen Chorsängern gepflegt. Mit dem zeitgenössischen englischen Komponisten Sir Colin Mawby besteht seit zehn Jahren ein intensiver, freundschaftlicher Kontakt. Einige seiner Werke wurden durch die Biederitzer Kantorei uraufgeführt.

Michael Scholl bekennt, sein Hobby zum Beruf gemacht zu haben. Der Spross einer Pfarrersfamilie begann mit Klavierunterricht, bekam ab der 9. Klasse Orgelunterricht. Ganz gerade verlief der Berufsweg aber nicht: Bevor Scholl Kirchenmusik studierte, lernte er Baufacharbeiter, hat dieses Handwerk aber inzwischen verlernt, wie er sagt.

Als Kirchenmusiker in Biederitz und im Kirchenkreis Elbe-Fläming, im Kirchspiel Magdeburg-Nord und als Magdeburger Kreiskantor liegt Scholl das Musizieren in den Dorfkirchen der Umgebung am Herzen. Der Biederitzer Musiksommer ist so in Magdeburg, im Magdeburger Umland und auch im Jerichower Land verortet. Die Kantorei bereichert ebenso das Biederitzer Ehlefest, gibt Benefiz- und Adventskonzerte.

Würdigung der Arbeit

Neben der Biederitzer Kantorei leitet Scholl, der verheiratet ist und drei Kinder (15, 13 und 6 Jahre alt) hat, in Magdeburg Gemeinde- und Kinderchöre. Nicht zu vergessen: der reguläre Orgeldienst eines Kirchenmusikers und die Arbeit mit Schülern sowie mit Flüchtlingen, die Zusammenarbeit mit Jazz-Musikern oder dem Schriftsteller Ludwig Schumann.

2016 wurde Michael Scholl der Titel „Kirchenmusikdirektor“ in Würdigung langjähriger und herausragender Leistungen auf dem Gebiet der Kirchenmusik verliehen. Die Auszeichnung nahm er natürlich im Namen aller Aktiven der Biederitzer Kantorei entgegen, wie Michael Scholl auch bei unserer Leserwahl „Du bist spitze!“ stellvertretend für eine „spitzenmäßige“ Biederitzer Kantorei steht.

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