Burg l Nach etwas mehr als vier Jahren endet in dieser Woche die Zeit von Janin Niele als Pächterin der Burger Stadthalle. Zum Abschied hat sie am Sonntag einen großen Ausverkauf veranstaltet. Ob Geschirr, Dekorationsartikel, Werbeaufsteller – alles musste raus und wurde auch gut gekauft. Es gab einen Faschenkühlschrank für 150 Euro, ein Crêpes-Gerät mit zwei Platten für 250 Euro, aber auch Kleinigkeiten wie Filtertüten und Anstecknadeln. „Vorrangig sind hier Gastronomen, das war ja auch zu erwarten“, sagt sie im Gespräch mit der Volksstimme. Gläser wurden gleich kartonweise aus der Stadthalle getragen.

Sternekoch war zu Gast

Aber auch andere Schau- und Kauflustige waren gekommen, um sich vielleicht das Glas einer Brauerei, das es nicht im Verkauf gibt, mitzunehmen oder ein anderes Andenken aus der Stadthalle. Eine Loungebank mit dazu passendem Tisch gab es für 35 Euro, ein Pferd auf Rollen für 200. „Möchte jemand noch eine Flasche Rosin-Wein“, preist die scheidende Pächterin den edlen Tropfen des Sternekochs an. Der hatte sich der Stadthalle in einer Folge seiner Serie „Rosins Restaurants“ angenommen. Und die „Gaststätte auf einen guten Weg gebracht“, wie Niele im vergangenen April sagte, nachdem im Stadtrat die Entscheidung gefallen war, den Pachtvertrag mit ihr auslaufen zu lassen. Sie selbst wird sich kein Andenken an die Burger Stadthalle mitnehmen, „nicht einmal das Schild von Rosin“.

Auf die Frage nach ihrer persönlichen Bilanz zögert sie einen Moment und sagt dann: „Es war eine sehr herausfordernde Zeit“. Sie habe Erfahrungen gemacht, die sie nie vorher gemacht habe. Niele möchte aber nicht vom Blick zurück im Zorn sprechen. In positiver Erinnerung werde sie die Bevölkerung behalten. Viele hätten sich bei ihr bedankt, die Händler des letzten Flohmarktes hätten sogar Geld gesammelt und ihr zum Abschluss eine Urkunde überreicht, mit der sie sich „für die schönen Jahre“ bedankten.

Bilder

Den Abschied von der Stadthalle hätte sie sich emotionaler vorgestellt. „Ich dachte, dass ich traurig sein würde, aber das bin ich nicht“, sagt sie. Nach dem großen Ausverkauf soll das Großreinemachen folgen, die Halle in der kommenden Woche übergeben werden. Sie hätte noch bis Ende des Monats Zeit, aber durch das Corona-virus lohne sich das Geschäft derzeit ohnehin nicht.

Was sie dann macht, kann sie noch nicht genau sagen, eben auch wegen des Virus, weiß die gelernte Veranstaltungskauffrau, ist es derzeit schwierig in ihrer Branche. Selbstständig möchte sie nicht mehr sein. Und sie will vor allem eines: „Abstand von Burg gewinnen“.

Mit viel Optimismus gestartet

Und das, obwohl sie aus der Region kommt. Sie ist in Möser aufgewachsen, „und hier bin ich zur Schule gegangen“. Als sie das sagt, muss Janin Niele doch schlucken, so ganz ohne Emotionen verläuft der Abschied denn doch nicht.

Mit dem Vertrag, den die Stadt im Dezember 2015 mit Niele abschloss, hatte man sich eine deutliche Belebung der Stadthalle erhofft. Für Niele hatte gesprochen, dass sie die gesamte Einrichtung und nicht nur die Gastronomie übernahm. Und sie war mit großen Ideen und allerlei Veranstaltungserfahrung, beispielsweise Rock im Park in Magdeburg, in die Stadt gekommen. Neue und vielfältige Veranstaltungen für Jung und Alt sollten die Stadthalle zu einem Ort machen, an den man gerne geht. Doch der Optimismus wich Skepsis, und es begann ein schwieriger Weg, der nun zu Ende gegangen ist.

Die Stadthalle wird wieder in die Hände der Stadtverwaltung übergehen und der Betrieb dort wird weitergehen, auch ohne Janin Niele und mit Coronakrise.

Am Eingang zum Saal, in dem an diesem Sonntag eine nur spärlich besuchte Spinnenschau stattfindet, ist schon das Plakat für eine Veranstaltung im Oktober angebracht. „Lieder aus den Bergen“ sollen am 7. gesungen werden. Als Stargast wird Oswald Sattler angekündigt – aus Südtirol.