Burg l Wieder so ein Tag, der das Nervenkostüm vieler Anwohner an der Grabower Landstraße strapaziert. Rückstau bis Theeßen, weil es auf der Autobahn 2 gekracht hat und die Ost-West-Achse gesperrt ist. Und dann noch die Bauarbeiten auf der Elbbrücke bei Rothensee. Dirk und Claudia Theele fragen Mitarbeiter einer Baufirma aus der Börde, die sich zentimeterweise ihrem Eigenheim an der Straße nähern, wie lange sie schon im Verkehr feststecken. Von Theeßen bis Burg knapp zwei Stunden, sagt der Fahrer und schaltet den Motor aus. Er ist sichtlich frustriert: „Wann wir heute zu Hause sind, weiß ich auch nicht. Die A 2 ist eine Katastrophe.“

Dahinter reiht sich eine endlos scheinende Kolonne von Lkw. Wenig später ruft eine Frau aus einem Pkw mit Harzer Kennzeichen den Anwohnern zu, dass sie verstehen könne, wie sich die Menschen hier fühlen ...

Mehrmals die Woche ist Burg dicht

Burg ist in diesem Teil der Stadt wieder mal dicht. „So geht das jetzt mehrmals die Woche, wir kommen nur noch mit Mühe von den Grundstücken auf die Straße. Wenn man einen Termin hat, muss man Stunden vorher los und weiß trotzdem nicht, ob es am Ende passt“, sagt Claudia Theele. „Für uns Anwohner ist das eine Zumutung. Es muss etwas geschehen“, ärgert sich die Burgerin, dies seit 1969 an der Grabower Landstraße zu Hause ist. Sie hatte sich mit dem Problem auch an den Kreistag gewandt. Die schriftliche Antwort sei ernüchternd gewesen. Ein Einfluss auf die Verkehrsdichte und den Umleitungsverkehr sei nicht möglich. Das Schreiben hat auch Nachbar Heinz Steinke enttäuscht. „Wir brauchen endlich eine Lösung.“ Die liegt nach Ansicht der Anwohner darin, Planung und Bau der Ortsumgehung B 1n zu forcieren und den Druck auf Berlin zu erhöhen. Fakt ist: Die Umgehung ist Bestandteil des Bundesverkehrswegeplans 2030. „Bis dahin aber ist die Grabower Landstraße kaputt gefahren und manche Einwohner sind weggezogen“, vermutet Dirk Theele und zeigt auf Risse in der Landstraße, „die gar nicht für den Autobahnverkehr ausgelegt ist“.

Die Sorgen der Anwohner kann Manfred Behrens „sehr gut nachvollziehen“. Der CDU-Bundestagsabgeordnete sitzt im Verkehrsausschuss des Parlaments. „Ich habe mich seinerzeit dafür eingesetzt, dass die B1n in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen wird.“ Seinen Informationen zufolge befinde sich die Stadt dazu bereits im Austausch mit der zuständigen Behörde, denn die Umgehung werde garantiert gebaut. „Die Straßenbauverwaltung des Landes hat mit ersten Planungsschritten für die Ortsumgehung bereits in diesem Jahr begonnen. Dies betrifft die Planungsraumanalyse. Außerdem ist noch 2020 beabsichtigt, die Vergabeverfahren für die Objektplanung von Verkehrsanlagen und die verkehrstechnische Untersuchung auf den Weg zu bringen. Die Stadt wird in den Prozess eingebunden“, teilt der Politiker auf Anfrage der Volksstimme mit. „Ich weiß, dass die Bürger auf den Bau drängen und stelle mich auch gern der Diskussion vor Ort.“

Umgehung ist einzige Lösung?

Auch Bürgermeister Jörg Rehbaum (SPD) sieht in der Umgehung die einzige Lösung, den Umleitungsverkehr von Burg fernzuhalten. „Es ist ganz klar: Wir wollen die Ortsumgehung B1 n und das so schnell wie nur irgend möglich.“ Die Stadt werde den Prozess nach Kräften unterstützen. „Denn inzwischen müssen die Burger und auch die Einwohner entlang der Landstraße 52 beziehungsweise der Bundesstraße 246a mehrmals die Woche damit rechnen, dass auf der Autobahn wieder eine größere Havarie zu beklagen ist und sich der überörtliche Verkehr in endlosen Kolonnen durch unsere Wohngebiete quält. Das verschlechtert im hohen Maße die Verkehrssicherheit und die Lebensqualität in unserer Stadt, die Gesundheit der Einwohner und darüber hinaus auch den Zustand der örtlichen Straßen.“

Die geplante Ortsumgehung ist nach Angaben des Bundesministeriums für Verkehr 9,7 Kilometer lang und soll 31 Millionen Euro kosten. Für die Planung sind fünf Jahre einkalkuliert, für den Bau zwei Jahre. Der Stadtrat hatte allerdings vor Jahren nach kontroverser Diskussion gegen den Bau votiert. Unter anderem deshalb, um die Existenz von Gewerbetreibenden und anderen Firmen an der jetzigen Umleitung (Ring) nicht zu gefährden. Der Bund hatte den Beschluss jedoch ignoriert und die Umleitung trotzdem in den Verkehrswegeplan aufgenommen. Inzwischen befürworte auch der Stadtrat mehrheitlich eine Ortsumgehung, bestätigt Rehbaum.