Jerichow l Die Stiftung Kloster Jerichow ging mit guten Voraussetzungen und konkreten Zielen in das Jahr 2020 – sowohl wirtschaftlich als konzeptionell. Alle Veranstaltungen waren ausgeplant, die Zusagen der Künstler lagen vor und organisatorisch waren die Mitarbeiter auf die Herausforderungen vorbereitet. „Wir sind zu dem letzten Jahr in Klausur gegangen und haben aus den Erfahrungen insbesondere in der Durchführung des Jazzfestivals gelernt“, sagt Bernd Witt, seit 2017 Verwaltungsleiter des Klosters. Ziel sei es gewesen, auch in der aktuellen Saison die Zahl von 30.000 Gästen zu halten und eventuell sogar noch mehr Gäste nach Jerichow zu locken. Die Bilanz aus dem Vorjahr gab dazu Hoffnung. Bereits im Juli 2019 war die Vorjahreszahl von 29.700 Besuchern um zehn Prozent überschritten, sagt Bernd Witt.

Dann machte ein Mikrometer großes Virus den Klosterherren einen Strich durch die Rechnung. Mit den Einschränkungen, ausgelöst durch die Corona-Pandemie, musste die Stiftung erst die Klosteranlage mit Museum und Klostergarten schließen und zu guter Letzt auch noch das Wirtshaus „Klostermahl“. Folgt man dem Vorstand, wäre das eine Zeit lang finanziell zu verkraften gewesen, doch mit dem Wegfall der Großveranstaltungen wie dem Klostergartenfest und dem Jazzfestival geht es der Stiftung an die wirtschaftliche Substanz.

Kein Konzert oder Fest wird wie geplant statt

„Es steht fest, dass ab März eine Saison richtig startet und Kultureinrichtungen im Sommerhalbjahr die meisten Veranstaltungen und damit auch Einnahmen zu verzeichnen haben“, sagt der Vorsitzende des Stiftungskuratoriums, Landrat Steffen Burchhardt (SPD), auf Anfrage der Volksstimme zur aktuellen Finanzsituation der Stiftung. Derzeit seien die Einnahmen gleich Null, so Burchhardt weiter, „außer den Erlösen aus der Verpachtung von Acker- und Wiesenflächen“.

Obwohl der Vorstand von sich aus keine Veranstaltung absagt, wird auf Grund der Vorgaben der Landesregierung kein Konzert oder Fest wie geplant stattfinden. Und damit fehlen der Klosterstiftung Einnahmen von beträchtlicher Höhe. „Unsere Kartenverkäufe für die Konzerte sind ein wichtiger Baustein in unserer Kalkulation“, sagt Klosterchef Bernd Witt. Aus Kartenverkäufen und den Erlösen an der Museumskasse erzielt die Stiftung 190.000, aus Gastronomie 260.000 Euro. Geld das für die Gehälter der achtzehn Mitarbeiter verwendet wird. Das Gesamtbudget des Klosters umfasst rund eine Millionen Euro, davon zur Hälfte Personalkosten und Kosten zum Betrieb der Anlage wie Strom, IT, Reparaturen.

Land hilft bei Instandhaltung

Feste Zuschüsse der Kuratoren – das sind das Land Sachsen-Anhalt, die Evangelische Kirche der Kirchenprovinz Sachsen, der Landkreis Jerichower Land, die Stadt Jerichow, die Evangelische Kirchengemeinde der Stadt Jerichow und der Förder- und Heimatvereins Stadt und Kloster Jerichow – gibt es nicht. Das Land Sachsen-Anhalt unterstützt, laut Burchhardt, die Instandhaltung der Anlage seit Jahren mit großzügigen Zuwendungen.

Viele Mitarbeiter in Kurzarbeit

Die Stadt Jerichow hilft mit vielen kleinen Dingen vor Ort, unterstützte rückwirkend mit einem Zuschuss von 10 000 Euro. Die Evangelische Kirche der Kirchenprovinz Sachsen fördere projektbezogen, genauso wie der Landkreis, informiert Steffen Burchhardt.

Aktuell habe der Vorstand alle eigenen Möglichkeiten zur Stabilisierung der Stiftung ausgeschöpft. Die meisten Mitarbeiter sind laut Burchhardt in Kurzarbeit, alle Verbindlichkeiten zu gefährdeten Veranstaltungen wurden weitestgehend reduziert und Soforthilfe bei der Investitionsbank Sachsen-Anhalt beantragt. Außerdem will der Kirchenkreis Stendal, angesichts der besonderen Situation, ihre auf drei Jahre gesplitteten Zuschüsse von jeweils 10 000 Euro in diesem Jahr zusammenfassen und geschlossen dem Kloster zur Verfügung stellen, bestätigt Friedemann Kahl, Pressesprecher der Landeskirche auf Anfrage der Volksstimme.

Mehr Zuwendung vom Kreistag?

„Aufgrund fehlender Pachteinnahmen sind diese finanziellen Unterstützungen in den letzten Jahren höher ausgefallen“, erklärt der Kuratoriumsvorsitzende Burchhardt die finanzielle Situation. „Sollte die Stiftung trotz staatlicher Unterstützung in finanzielle Schwierigkeiten geraten, so werde ich den Kreistag um eine weitere angemessene Erhöhung der Zuwendung bitten.“

15.000 Euro seien bereits durch einen Kreistagsbeschluss aus dem vergangenen Jahr freigegeben, sagt Burchhardt. Er stehe im engen Austausch mit dem Vorstand und der Geschäftsführung der Klosterstiftung, und diese informiere das Kuratorium regelmäßig über die finanzielle Entwicklung. So hätten die Kuratoren zugesagt, zu prüfen, ob weitere finanzielle Unterstützung gewährt werden kann.

Kloster ist touristischer Leuchtturm

„Der Kreistag weiß ob der hohen Bedeutung der Stiftung und hat diese schon seit einigen Jahren finanziell unterstützt“ betont Burchhardt. Auch der Stadt Jerichow sei es wichtig, das Kloster als kulturellen und damit touristischen Leuchtturm überregional zu etablieren, sagt Jerichows Bürgermeister Harald Bothe. Er will das Thema Stiftung in der nächsten Sitzung des Stadtrates ansprechen.

Vorstandsmitglied der Stiftung Wolfhard Grefrath geht es um die Veranstaltungsreihen, die jede für sich gesondert zu betrachten sind, wie er sagt. Einerseits wären da die „Sommermusiken“, die ein vielfältiges Publikum anspreche und die „mit praktikablen Vorgaben noch zu retten wären“. Andererseits gebe es für das Klostergartenfest und das Jazzfestival zeitliche Mindestvorgaben, die jetzt schon schwer einzuhalten seien.

2020 lief gut an

Dabei war das aktuelle Veranstaltungsjahr besonders gut angelaufen. Startrompeter Till Brönner und Ausnahmebassist Peter Ilg hatten bereits zugesagt, genauso wie die Bigband der Musik- und Kunstschule Stendal. Doch muss das Jazzfestival beworben werden, „gerade in den Nachbarbundesländern“. Dafür werde jetzt die Zeit zu knapp, sagt Klosterchef Witt. Mit dem ersten Jazzfestival hatten die Organisatoren 2019 auch überregional einen großen Achtungserfolg errungen. Zugpferde waren dabei ebenfalls Till Brönner und Peter Ilg.