Burg l Es war ein ungewöhnlicher Einsatzruf, den die Freiwillige Feuerwehr Burg am Sonnabendnachmittag bekam. Sie sollte bei der Suche nach einem entkommenen Tier in der Johannes-Brahms-Straße helfen. Vor Ort erfuhren die Einsatzkräfte, dass es sich um eine etwa zwei Meter lange Boa handelt.

Anwohner machen sich Sorgen

Auch die Polizei war im Wohnpark „Ihletal“, der Einsatz erschien jedoch nicht im regulären Pressebericht. Wie die Volksstimme am Donnerstag auf Nachfrage erfuhr, wurden das Dach und der Dachboden mit Hilfe der Drehleiter drei Stunden lang abgesucht, allerdings ohne Erfolg. „Es ist ein schwieriges Unterfangen, letztlich könnte die Schlange jetzt überall sein“, sagte im Gespräch mit der Volksstimme ein am Einsatz Beteiligter, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte.

Für die Anwohner war es ein aufregendes und gleichzeitig auch angsteinflößendes Spektakel. „Ich habe mitbekommen, wie die Polizei und die Feuerwehr da waren und mit einer Infrarotlampe nach der Schlange suchten. Jedoch konnten sie nichts finden. Das machte mich schon ein wenig nervös, dass sie noch unterwegs ist. Den Nachbarn wurde geraten, lieber die Fenster geschlossen zu halten, zur Sicherheit. Am meisten mache ich mir nun Sorgen um meine Katze. Die lasse ich jetzt erst mal nicht mehr aus den Augen“, sagte eine Mieterin, die ebenfalls anonym bleiben möchte.

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Keine Gefahr für Menschen

Aktiv wird nach der Schlange derzeit nicht gesucht. Für die Gefahrenabwehr ist das Ordnungsamt der Stadt zuständig. „Die Frage ist aber, ob von der Schlange eine Gefahr ausgeht“, gab Stadtsprecher Bernhard Ruth im Gespräch mit der Volksstimme zu bedenken. Nach der Einschätzung von Amtstierärztin Dr. Anja Spillner ist eine akute Gefährdung für Erwachsene und Kinder nicht gegeben. Eine Boa ernähre sich von kleinen Säugetieren wie Mäusen, Ratten oder Meerschweinchen. Vorsichtshalber allerdings sollten Kinder und Haustiere im „Ihletal“ nicht unbeaufsichtigt nach draußen gelassen werden.

„Wenn es sich um eine Giftschlange handeln würde, würde dies in der Tat eine Gefahr bedeuten und dann auch eine intensive Suche nach dem Tier unternommen“, versicherte der Stadtsprecher. Ob der Eigentümer den Feuerwehreinsatz bezahlen muss, hängt von den näheren Umstände des Verschwindens der Schlange ab. Es komme beispielsweise darauf an, ob Fahrlässigkeit im Spiel war. „Uns liegen da noch keine schriftlichen Ermittlungsergebnisse vor“, sagte Ruth.

Schlangenvorfall 2019

Im August vergangenen Jahres war eine ebenfalls rund zwei Meter lange Boa in der Elbe auf dem Seil der Fähre Breitenhagen gefunden worden. Sie wurde zunächst ins Tierheim gebracht. Nach- dem kein Besitzer ermittelt werden konnte, fand sie im Ascherslebener Zoo ein neues Zuhause.