Möser/Magdeburg l Der Schweiß tropft Graf Öderland von der Stirn. Soll er es wirklich machen? Soll er als Rächer Menschen mit einer Axt töten? Sebastian Goll aus Möser spielt die Hauptrolle in einer eigentlich als unspielbar geltenden Max Frisch-Inszenierung in Magdeburg. Der 35-jährige Schauspieldebütant und seine Schauspielkollegen feierten am vorigen Wochenende Premiere. Heute und morgen gibt es zwei weitere Vorstellungen in Magdeburg – die vorerst letzten für die berufstätigen Laienschauspieler.

Original ist von Max Frisch

Das Stück „wasted land“ basiert auf Max Frischs „Graf Öderland“. Darin geht es um einen erfolgreichen Staatsanwalt, der plötzlich mit seinem Leben bricht, in den Wald rennt und sich eine Axt greift, um sich freizukämpfen aus „einer Welt voller Gitter und Stäbe, wo nichts gedeiht, außer die Früchte der Arbeit“, wie es im Original von Max Frisch heißt. Inspiriert von einem Mörder, der grundlos einen armen Hauswart erschlug, wird aus dem Staatsanwalt die mythische Figur des Grafen Öderland, gespielt von Sebastian Goll. Dieser zieht nun mit einem Gefolge aus Arbeitslosen und Verlassenen durch die Wälder und später durch die Kanalisation, um die Regierung zu stürzen.

Es ist eine Geschichte über die Verführbarkeit von Macht, von Utopien und einfachen Antworten. „Die Axt ist so eine einfache Antwort, wenn auch eine brutale. Denn als der Aufstand der Axt-Rebellen längst am Boden liegt, sind viele tot und der Graf selbst soll nun die Regierungsgeschäfte übernehmen. Wie die Geschichte ausgeht, bleibt eine Überraschung und wird jeden Abend neu verhandelt“, verrät Sebastian Goll eine Besonderheit. Denn das Publikum muss am Ende aktiv werden.

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Lostauer ist auch dabei

„Theater zu spielen war schon immer so eine Idee von mir, zumindest wollte ich es mal ausprobieren. Anfang 2015 entdeckte ich den Aushang einer jungen freien Theatergruppe, die jeden der Lust hat, zum Mitspielen einlud - da bin ich dann hingegangen“, berichtet Sebastian Goll, der eigentlich als Sicherheitsingenieur beim TÜV Rheinland arbeitet, über die Anfänge. „Nach einiger Zeit des sich Ausprobierens musste ein Ziel her, auf das man hinarbeiten konnte, und so entschieden wir uns ein Stück zur Aufführung zu bringen. Da wir zum großen Teil unerfahrene Laien sind, legten wir unser ganzes Vertrauen in die Hände von Angela Mund, sie leitet die Theatergruppen bühnenfrei und drama for all, eine interkulturelle Theatergruppe, und hat als Regisseurin schon einige Stücke auf die Bühne gebracht“, so Goll weiter.

Auch ein Lostauer Laienschauspieler wagt den Schritt auf die Bühne. Peter Kube, Pfarrter in Lostau, spielt die Rollen des Bankdirektors Dr. Hahn, eines Vaters und eines Köhlers im Wald. Und so geschieht auf der Bühne ungeheuerliches: Ein Möseraner greift einen Lostauer an – mit einer Axt. Neugierig geworden? Heute und morgen gibt es das Stück noch zu sehen.