Burg l Ach ja, die Trude hat’s nicht leicht. Gatte Albrecht machte sich wieder mal aus dem Staub, statt mit Manneshänden anzupacken. Gesehen hat ihn natürlich keiner. Und so schläft er tief und fest seinen Rausch auf der Banke aus. Während das Marktweib den Ehemann sucht und sucht, hängt ihr das Publikum förmlich an den Lippen. Denn nur Ausschau halten, „wo der Olle wohl ist“, reicht nicht aus.

Erdbeeren und Applaus

Trude (Jutta Flögel) versteht es am Markt, die Burger zu unterhalten und bietet so manchen historischen Exkurs – angefangen von der ältesten Apotheke bis zur Preisfrage, aus wieviel Steinen denn das Postamt in Burg errichtet wurde. Es sind 707.000. Ein junges Mädchen war ganz nah dran und erhält dafür frische Erdbeeren und viel Applaus. Inzwischen ist Albrecht gefunden, etwas nüchterner geworden und will mit Trude liebkosen. Die Umarmung ist so echt, dass die Gäste mitfühlend werden. Bis Siegfried kommt und Albrecht wieder mal entschwinden lässt.

Ach ja, die Trude hat’s nicht leicht ... Sie verzagt trotzdem nicht und liefert an der Ecke Schartauer Straße/Franzosenstraße wieder Fakten, die selbst für alteingesessene Burger neu waren. Etwa, dass der Kinobau an dieser Stelle völlig abbrannte oder Bürgermeister Johann Mühlpfort dafür sorgte, dass die Stadt aus dem Kurfürstentum Sachsen herausgegliedert werden konnte.

Bilder

Neue Existenz geschaffen

Und was wäre Burg ohne die Hugenotten, die französischen Einwanderer. Die Nachfahren, wie die Familien Delorme oder Patté, sind in der Stadt bekannt. 1698 kamen die Vorfahren in Burg an und schafften sich hier eine neue Existenz. Während Trude wieder mal auf Spurensuche nach Albrecht geht, schlüpft der (Jeff Lammel) schnell in eine neue Rolle und gibt mit seiner Hugenottenfrau (Ute Paepcke) Einblicke in das Leben der protestantischen Glaubensflüchtlinge. Aufgearbeitet und dargestellt im Hugenottenkabinett in der Bruchstraße.

Nicht weit entfernt lernen die Besucher noch das älteste Haus von Burg in der Hainstraße beim Sitz des Heimatvereins kennen, während ein Brotdieb (Klaus-Dieter Peters) angsterfüllt um Schutz sucht. Der Wärter vom Gefängnis an der Johannesstraße ist ihm auf den Fersen und gibt nicht auf. Denn auch im Mittelater galt es, Diebe rechtzeitig und mit der vollen Härte des Gesetzes zu bestrafen. Allzu schnell wurde seinerzeit schon mal die Todesstrafe verhängt. Der Gefängniswärter jedenfalls gibt nicht auf und stellt den Übeltäter nach einem Kampf.

Oben auf dem Weinberg am Wasserturm dürfen die Gäste, nachdem sie noch mit der freundlichen Winzerin Bekanntschaft geschlossen haben, ein Urteil über den Dieb fällen, der immer wieder um Gnade bittet. Die soll er auch bekommen; aber dafür zehn Tage fleißig der Trude auf dem Acker helfen, weil der Albrecht ja immer auf Abwegen ist. Ach ja, die Trude hat’s nicht leicht.

Lobende Worte

Und so endet die szenische Führung mit vielen Daten über Burg. Die Gäste sind begeistert über diese neue Form, die Stadt kennenzulernen. „Richtig toll und packend gemacht“, urteilt beispielsweise Eckhard Ostheeren aus Ihleburg.

Solche Sätze hört Jeff Lammel, der Initiator dieser Tour an diesem lauen Sommerabend, noch oft. „Die Proben seit Januar haben sich gelohnt. Wir wollen dem I-Tüpfelchen immer noch eins draufsetzen. Das gelingt bei dem Potential, was Burg zu bieten hat, offensichtlich“, sagt der Schönebecker Schauspieler. Klar, dass Albrecht seiner Trude dann doch noch hilft. Etwas ...