Möckern/Loburg l Das Telefon der Vogelschutzwarte Loburg stand am Freitag nicht still. Zum wiederholten Male hatten sich Bürger aus Möckern gemeldet, denen ein Schwarzstorch bei Lühe aufgefallen war. Schwarzstörche? Sind das nicht diese unglaublich scheuen Adebare, die lieber fernab der Menschen leben? Richtig. Dieser Schwarzstorch jedoch stand auf einem Bein neben einem Trafo an der Kreuzung der ländlichen Wege nach Tryppehna und Ziepel. Autos, Radfahrer und auch Hunde störten den Storch rein gar nicht.

Michael Kaatz, Geschäftsführer des Storchenhofs Loburg, hat schnell eine Erklärung parat, als er hört, dass der Storch einen Metallring am linken Bein hat: „Das ist ‚Houdhini‘, den wir in diesem Jahr gemeinsam mit seinem Artgenossen ‚Schorsch‘ ausgewildert haben. Die beiden wurden in den vergangenen Tagen schon öfter in Möckern beobachtet, nachdem sie zunächst in der Region um Deetz unterwegs waren.“

Seelenruhe

Das erklärt also die Seelenruhe des Adebares: er ist den Menschen gewohnt. Storchenhofmitarbeiterin Antje Neumann, die sich den Adebar am Freitag vor Ort ansah, nennt sein Verhalten „tiefenentspannt“, aber nicht beunruhigend. „Er bewegt sich normal und kann auch fliegen“, stellt sie bei einem Versuch der Annäherung fest.

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Keine zwei Stunden später klingelte erneut das Storchenhof-Telefon: „Houdhini“ war soeben in Wallwitz gesehen worden. Fazit: Dem Tier geht es gut, die Möckeraner brauchen sich also keine Sorgen machen.

Von einer kleinen Nebelkrähe, die gestern auf dem Spielgelände der Möckeraner Kita „Birkenhain“ umherhumpelte, kann man das leider nicht behaupten. Der junge Rabenvogel kann seine linke Kralle nicht bewegen. „Nachdem wir das Tier bereits am Mittwoch auf dem Platz bemerkten und er heute immer noch da saß, haben wir beim Storchenhof angerufen“, erklärte Kita-Leiterin Birgit Arndt gestern.

Tatsächlich kümmert sich der Storchenhof Loburg auch um solche verletzte Tiere, bestätigt Antje Neumann. Allerdings nimmt die Einrichtung keine Kleinvögel auf. Verletzte Amseln etwa sollte man zur Aufnahmeeinrichtung des Magdeburger Zoos bringen.

Nicht alle Vögel hilflos

Ohnehin ist in dieser Zeit Vorsicht geboten. Denn nicht alle Vögelchen, die dieser Tage scheinbar hilflos auf der Erde umherhüpfen, brauchen Hilfe: Es handelt sich um sogenannte Ästlinge, noch nicht ganz flügge gewordene Jungvögel, die aber schon das Nest verlassen.

Dazu heißt es auch beim Naturschutzbund Deutschland Nabu: „Jungvögel sind grundsätzlich dort zu lassen, wo sie gefunden wurden. Die Jungen werden auch außerhalb des Nestes von ihren Eltern beschützt und mit Futter versorgt. Hilfe ist erst angeraten, wenn sich die Jungvögel in der Nähe oder sogar auf der Fahrbahn einer Straße befinden oder anderen Gefahrenquellen ausgesetzt sind. In diesem Fall hilft der beherzte Transport in das nächste Gebüsch oder in einen niedrigen Baum in unmittelbarer Umgebung des Fundortes.“