Burg l Die Burger Schwanenfamilie ist wieder putzmunter. Dem Behördenstreit zum Trotz haben Unbekannte vermutlich Montagabend Hand angelegt, um den Schwan von der feinen Angelsehne zu befreien, die sich zwischen Halsansatz und Schnabel verheddert hatte. Anwohner Klaus Schüßler, der sich seit Tagen für eine schnelle Hilfe stark gemacht hatte, entdeckte die Schwanenfamilie am Donnerstagmorgen auf dem benachbarten Kolk. „Alle sind wohlauf, und der junge Schwan ist endlich seine Sehne los. Er frisst auch ganz normal“, freute sich der Burger. Auch der zuständige Stadt-Mitarbeiter Wieland Günther bemusterte die Tiere auf dem Gewässer. „Offenbar hat der junge Schwan alles gut überstanden.“

Zuvor hatte Mittwochnachmittag der städtische Bauhof versucht, das Jungtier aus dem Wasser zu bekommen. Ein schwieriges Unterfangen. Laut Vize-Bürgermeister Jens Vogler seien die Altschwäne die Mitarbeiter sofort angegangen. „Das war schon gefährlich.“ Nach mehreren Versuchen musste die Aktion jedoch abgebrochen werden, bestätigte Bauhof-Leiter Horst Pötter.

Behördenhickhack

Eine unkomplizierte Hilfe war in den Tagen zuvor gescheitert, weil die Zuständigkeit nicht geklärt werden konnte. Die Stadt ist zwar Eigentümerin von Flickschuteich und Kolk, Schwäne sind aber wildlebende Tiere, die entweder dem Jagd- oder Naturschutzrecht unterliegen. Dafür verantwortlich ist jedoch der Landkreis. Noch schwieriger wird es, weil die Gewässer inmitten der Stadt nicht bejagt werden dürfen und auch kein Jagdpächter eingeschaltet werden kann. Der Landkreis sah sich auch aus diesen Gründen nicht in der Pflicht. Der Fischereiverein, der das Gewässer zum Angeln gepachtet hat, bot seine Hilfe bei der Rettung des Schwans an, verwies jedoch auf die parallele Unterstützung beispielsweise eines Tierarztes.

Vor allem die Tatsache, dass sich Stadt und Kreis die Bälle gegenseitig zuschoben, sorgte Donnerstag für ein breites Echo. „Das ist Bürokratie pur. Verwaltungen legen die Paragrafen unterschiedlich aus und ein Tier muss leiden“, ärgerte sich Thorsten Schell. Für Bernd Wiedemann ist klar, dass mit einem „Nicht-Handeln“ die Tierquälerei noch gefördert werde. Wenn ein Tier leidet, müsse sofort gehandelt und nicht erst noch Mails oder Briefe versendet werden. „Zumal der Fall schon einige Tage bekannt war.“ Ruth Stolb fragt sich, warum nicht die Feuerwehr eingeschaltet. „Die verfügt doch über ein Schlauchboot. Und die Mitglieder haben doch sicher auch Schutzanzüge, die vor einem Schwanenbiss schützen.“ Auch Peter Sommer ist fassungslos, dass die Hilfe „so lange dauert. Es ist schlimm, dass bürokratische Abläufe wichtiger sind“.

Ähnlich äußerten sich noch mehrere Leser, die ihren Namen nicht nennen wollten. Viele appellierten wie Vize-Bürgermeister Vogler in den Gesprächen mit der Volksstimme an Angler und Besucher, Plastik oder Angelzubehör nicht achtlos an den Gewässern liegenzulassen. Diese Teile bildeten eine große Gefahr für Tiere.