Burg l Auch wenn es sich absurd anhört und etwas lächerlich anmutet, der Ursprungsgedanke ist ernst. Denn laut Vereinten Nationen lebt mehr als ein Drittel der Weltbevölkerung ohne ausreichende Waschmöglichkeiten und Toiletten. Das sind in etwa 2,5 Milliarden Menschen. Der Welt-Toiletten-Tag wurde ins Leben gerufen, um auf dieses sensible Thema aufmerksam zu machen.

2 für 25.000

Diesen Tag hat die Volksstimme zum Anlass genommen, um sich in Burg umzusehen. Hier stehen den rund 25.000 Einwohnern ganze zwei öffentliche Toiletten zur Verfügung.

Eine davon befindet sich in der Schartauer Straße. Das kleine, unscheinbare Backsteinhäuschen zwischen den Stadtwerken und einem Juwelier steht der Öffentlichkeit zur Verfügung. Voraussetzung ist allerdings, dass man 50 Pfennig dabei hat - so steht es an der Geldeinwurfstelle. Doch niemand muss nach alten Mark- und Pfennigbeständen im Portemonnaie suchen, 50 Cent funktionieren zum Glück auch.

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Vor verschlossener Tür

Drei Türen an dem Gebäude weisen die jeweiligen sanitären Räumlichkeiten für Männer, Frauen und Behinderte aus. Im Test ließ sich allerdings nur eine der Türen öffnen, das heißt, dass alle dasselbe WC benutzen müssen und Rollstuhlfahrer die Toilette gar nicht nutzen können.

Hinter der Tür verbirgt sich ein etwas düsterer, gefliester Raum. Lampen oder Lichtschalter sind nicht vorhanden. Der Geruch ist leicht chemisch, allerdings nicht so penetrant, dass man die Nase rümpfen müsste. Es ist auch nicht besonders dreckig, lediglich ein Fetzen Toilettenpapier liegt auf dem Boden. Die Toilette und das Waschbecken sind aus Edelstahl. Die Klospülung wird über einen Sensor aktiviert, das ist hygienisch und modern. Jedoch hat der Test gezeigt, dass die Spülung ihren Dienst partout verweigert.

Übrigens ist dieses WC für Toilettengänger, die Wert auf Privatssphäre legen, nicht zu empfehlen, da sich die Kabinentür nicht abschließen lässt.

Am Bahnhof

Da sieht die zweite öffentliche Toilette der Stadt schon etwas besser aus. Diese befindet sich am Bahnhof und wurde erst kürzlich von Graffiti-Schmierereien befreit. Ähnlich wie bei Toilette Nummer Eins sollen hier 50 Cent bezahlt werden, um die sanitären Anlagen benutzen zu dürfen. Das war im Test der Volksstimme aber gar nicht nötig, da sich die Tür auch so öffnen ließ. Eine weitere Gemeinsamkeit zum WC in der Schartauer Straße ist die, dass sich nur eine Tür öffnen lässt. Lediglich die behindertengerechte Damen-Toilette kann benutzt werden.

Immerhin kann aber hier die Tür abgesperrt werden, sodass man nicht mit unerwarteten Besuch rechnen muss. Außerdem ist der Raum deutlich heller und die sensorgesteuerte Klospülung funktioniert einwandfrei.

Händewaschen nicht möglich

Aber auch hier gibt es einen Wermutstropfen: Händewaschen fällt leider aus, da der Wasserhahn nicht funktioniert. Dieser ist übrigens sensorgesteuert.

Die Sauberkeit ist in Ordnung und mit der Toilette in der Schartauer Straße vergleichbar. Für die Reinigung der öffentlichen Toiletten ist die Firma Zehm Vertrieb und Service GmbH zuständig. Die Mitarbeiter würden die Toiletten einmal am Tag säubern, sagte Annett Wolter von der Stadtverwaltung Burg. Die Firma Zehm äußerte sich am Telefon auf Nachffrage nicht dazu.

Um die durchaus nötigen Reparaturarbeiten kümmert sich die Gebäudeverwaltung Burg. Zwischen Dezember und Anfang des nächsten Jahres will die Stadt die Toiletten auf Vordermann gebracht haben. Die Entfernung des Graffitis sei da nur der erste Schritt gewesen.

Container zur Laga

Spätestens im nächsten Jahr, wenn die Landesgartenschau (Laga) Tausende von Touristen nach Burg zieht, werden aber mehr Toiletten benötigt. Die von den Veranstaltern angepeilten 450 000 Besucher müssen schließlich auch alle mal austreten. Deswegen hat sich die Laga-Geschäftsführung bereits einen Plan zurechtgelegt. Dieser sieht insgesamt 15 Sanitär-Container vor, die auf dem Festgelände verteilt werden. Laga-Geschäftsführer Erhard Skupch gegenüber der Volksstimme: „Auf jeden Fall werden wir einen Container nahe am Parkplatz einrichten. Die Erfahrung zeigt, dass die Leute nach längeren Autofahrten erst einmal auf Toilette müssen.“

In der Nähe von den Hauptattraktionen und Kernflächen wie Goethepark oder Weinberg wollen die Veranstalter auch genügend Toiletten zur Verfügung stellen. Insgesamt sind 82 Toiletten, 38 Urinale, 36 Waschbecken, 8 barrierefreie Toiletten und acht Wickelräume vorgesehen. Die Benutzung der sanitären Räumlichkeiten soll für Besucher kostenlos sein.