Altengrabow/Reesen l Ein lautes Brummen, ein kurzes Rucken und schon setzt sich der tonnenschwere Bergepanzer in Gang – Millimeter für Millimeter. Was wie ein Kinderspiel aussieht, ist Schwerstarbeit für Fahrer sowie Einweiser und verlangt höchste Konzentrationen. Nach einer halben Minute hat das Gerät den Eisenbahnwaggon verlassen und die mobile Kopframpe erreicht, bevor die Verlegung auf einen Schwerlasttransporter auf den Plan steht. Einige Meter entfernt beobachtet Hauptmann Stephan Wagner jeden Arbeitsschritt und gibt per Hand die eine oder andere Anweisung. Der 30-Jährige ist seit April 2018 in Burg stationiert und führt den ersten Umschlagzug der 7. Kompanie des Logistikbataillons „Sachsen-Anhalt“ in Burg.

Jeder Handgriff muss sitzen

Er weiß, dass auf ihn und seine 37 Kameraden Verlass sein muss, wenn Panzer oder Container verladen werden müssen – egal, ob auf Schiffen, Anhänger oder Eisenbahnwagen. „Da muss jeder Handgriff in einer vorgegebenen Zeit sitzen. Fehler können unabsehbare Folgen nach sich ziehen“, erklärt der Offizier. Ein wenig Stolz schwingt in seinen Worten mit: „Die Jungs haben schon richtig viel Erfahrung.“ Und die komme den Soldaten wieder zugute, wenn sie demnächst bei weiteren Auslands-einsätzen diverse Güter umschlagen müssen.

In der Tat klappt auf dem Bahnhof am Rande des Truppenübungsplatzes Altengrabow alles wie am Schnürchen. Binnen kurzer Zeit stehen der Berge- und die nachfolgenden drei Schützenpanzer schon wieder für den nächsten Transport bereit.

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Labschs letzte Übung

Dieser Teil der Feldeinsatzübung hat im festgelegten Zeitrahmen funktioniert. „Jeder weiß, was zu tun ist. Das ist entscheidend“, sagt Michael Labsch. Der Kommandeur des Logistikbataillons hat mit seinem Nachfolger Michael Hinz jede Bewegung im Blick. Dazu zählt nicht nur der Umschlag von militärischem Gerät, sondern auch, wie der Gefechtsraum abgesichert ist und die Einheiten zusammen wirken. Diese Übung im Jerichower Land ist für Labsch schon etwas Besonderes. Nicht nur, weil es seine letzte im Kreis ist, weil er Anfang Juni seine nächste Station in Großbritannien antreten wird, vielmehr deshalb, weil diesmal mehrere Ortschaften mit eingebunden sind. In der Summe umfasst der Übungsraum eine Fläche von etwa 600 Quadratkilometern.

Und während in Altengrabow die Panzer schon wieder abgefahren werden, steht 30 Kilometer weiter – in Reesen – Major Sebastian Rühmer an der großen Einsatzkarte. Auf dem Gelände des sanierten Pfarrhofes befindet sich nämlich ein Kompaniegefechtsstand. Hier werden die entsprechenden Szenarien und taktischen Befehle gegeben, um die logistischen Einheiten zu steuern. Daneben, in der großen Veranstaltungsscheune, befindet sich der Verpflegungsstützpunkt. Alles läuft geordnet ab. „Hier bestimmt jetzt mal nicht der Ortsbürgermeister die Geschicke“, scherzt Dorfchef Otto Voigt.

Enge Verbindung

Dass Soldaten jetzt die Gemarkung sichern, in der Ortsmitte eine Art Kommandozentrale aufgebaut haben und eine landwirtschaftliche Halle für Instandsetzungsarbeiten genutzt wird, findet Voigt schon deshalb „klasse“, weil sich seit nunmehr zehn Jahren eine enge Verbindung zwischen der Gemeinde und der Patenkompanie in der Clausewitz-Kaserne entwickelt hat. „Das ist mittlerweile eine richtige Freundschaft. Wir helfen uns gegenseitig. Und feiern natürlich auch zusammen.“

Deshalb hätten auch die Reesener keinerlei Probleme, wenn Soldaten dieser Tage mit Maschinengewehren durch den Ort laufen. Möglicherweise werden sie in Zukunft öfters auch in anderen Dörfern zu sehen sein. Denn ganz spezielle Übungen im Rahmen der Landes- und Bündnisverteidigung würden an Bedeutung gewinnen, begründet Presseoffizierin Franziska Dietrich.