Möckern l Kaum ein Thema beherrschte die öffentliche Diskussion 2019 so sehr, wie der Klimawandel. In Deutschland gibt es inzwischen mehrere Städte, die für sich den „Klimanotstand“ ausgerufen haben. Was einerseits symbolischen Charakter hat, wird jedoch mit handfesten Taten untermauert: Die Gemeinden beschließen etwa, kommunalen Gebäude nur mit Ökostrom zu betreiben, nur noch Elektro- oder Hybridfahrzeuge als Dienstwagen zu nutzen oder sie fördern den Ausbau von Radwegenetzen und öffentlichem Personennahverkehr. Andere Gemeinden haben festgelegt, bei allen auf der Tagesordnung stehenden Entscheidungen immer auch deren Auswirkungen auf das Klima und die Eindämmung des Klimawandels zu beachten.

In Sachsen-Anhalt gibt es nur wenige Kommunen, die sich den Klimaschutz öffentlich verpflichtend auf die Fahne geschrieben haben: Kalbe/Milde rief als erstes im Lande den Klimanotstand auf. Magdeburg hatte sich bereits Anfang 2018 mit einem „Masterplan 100 Prozent Klimaschutz“ verpflichtet, bis 2050 eine fast klimaneutrale Stadt zu sein, also den Ausstoß von Treibhausgasen um 95 Prozent zu senken und den Energieverbrauch zu halbieren. Seit vergangenem Jahr gilt eine neue Zeitmarke: ein klimaneutrales Magdeburg bis 2035.

Kommune kann Weltklima nicht retten

Andere Kommunen haben sich bewusst gegen einen solchen Klimanotstand entschieden, sprechen von „Symbolpolitik“. Man könne schließlich das Weltklima nicht auf kommunaler Ebene retten.

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Wie sieht also die Klimabilanz der Einheitsgemeinde Möckern aus? Dazu sagt Frank von Holly: „In unserer Stadt wird etwa 1,7 mal soviel Elektroenergie produziert, wie wir verbrauchen. Wir exportieren sozusagen Strom.“ Er verweist auf die Regenerativen Energien: „Auf mehr als 30 Dächern unserer kommunalen Gebäude sind PV-Anlagen installiert, die ebenfalls zu dieser Energiebilanz beitragen.“ Die Stadt tritt hier jedoch nicht als Energieerzeuger auf, sondern stellt die kommunalen Dachflächen Investoren gegen Pacht zur Verfügung.

LED-Umrüstung reduziert Energieverbrauch

Von Holly nennt weiterhin 41 Windkraftanlagen im Gebiet der Einheitsgemeinde. Hinzu kommen Kraftwärmekopplungen, also Heizanlagen, die in den Sporthallen Loburg und Möckern Strom und Wärme liefern. „Im Rahmen der Sanierung von Gebäuden wurden mehr als 50 Prozent aller kommunalen Objekte wärmegedämmt. Mit der LED-Umrüstung der Straßenbeleuchtung, die dieses Jahr abgeschlossen wird, reduzieren wir den Energieverbrauch erheblich.“

Daraus leitet der Möckeraner Stadtbürgermeister ab: „Umweltschutz ist für uns schon immer wichtig. Wir waren und sind aktiv, um die Klimabilanz für unsere Stadt wirklich zu verbessern. Wir haben es nur noch nicht aufgeschrieben, ausgerechnet und zu wenig kommuniziert.“

Schutz von Amazonas

In diesem Zusammenhang verweist Frank von Holly auf das Unternehmen Wiesenhof, welches vor kurzem die Zertifizierung für klimaneutrale Produktion erhalten habe: „Der Ausgleich erfolgt insbesondere durch Aufforstungen in Niedersachsen und den Schutz von 3000 Quadratkilometern Urwald im Amazonasgebiet.“

In seiner Rede beim Neujahrsempfang sprach Stadtchef von Holly aber auch die offensichtliche Differenz von Worten und Taten bei diesem Thema an: „Die Zahl der Brauchtumsfeuer wächst jedes Jahr. Klimaanlagen werden immer selbstverständlicher. Ein Tempolimit auf Autobahnen darf man nicht ansprechen und wenn im Winter die Türen im Kaufhaus offenstehen, wird auf Wohnzimmerniveau geheizt. Der neueste Trend sind Hybrid-SUV, die steuerlich gefördert werden, aber mehr Kraftstoff verbrauchen, weil kaum einer dieser Dienstwagen Strom tankt. Es kostet den Fahrer ja nichts“, so Frank von Holly. „Früher gab es in Deutschland viele elektrische Oberleitungen für Busse, im Baltikum surren sie noch heute lautlos durch die Städte, aber in Deutschland sind sie kein Thema.“