Burg/Genthin l Den Start in seine Arbeit hatte sich Burgs neuer Kinoleiter anders vorgestellt. „Meine erste Amtshandlung am 15. März war, das Kinoprogramm abzusagen“, erzählte Jochen Frankl im Gespräch mit der Volksstimme. Der 40-Jährige ist gelernter Filmtheatermanager, hat mehrere Kinos in ganz Deutschland geleitet, am längsten in Würzburg. Die negativen Auswirkungen der Coronakrise sieht er für alle Kinos gleichermaßen. „Uns hilft man am besten, wenn man Kinogutscheine kauft“, sagte er. So könnten Mittel fließen, die anders nicht erwirtschaftet werden könnten. Angebote wie Kino-on-demand, also die Bestellung von Kinofilmen im Internet, hält er nur kurzfristig für sinnvoll. Längerfristig würden die Filmfreunde daran gewöhnt, dass man einen Streifen auch außerhalb des Kinos sehen kann und das sei nicht Sinn der Sache.

Ideen für Filmveranstaltungen

Der gebürtige Aschaffenburger lebt Kino, das für ihn ein soziales und kulturelles Ereignis gleichermaßen, ein Gesamt-erlebnis, bedeutet. Und dafür sieht er in Burg viel Potenzial. Wenn er dieser Tage auch zunächst damit beschäftigt war, die Rückabwicklung des Spielplans mit dem Verleih umzusetzen und Tickets zu erstatten, so wird in der Magdeburger Straße doch auch schon an die Zukunft gedacht. Beispielsweise laufen weitere Bauarbeiten, um nach der Rampe auch beim Zugang zum Saal Barrierefreiheit zu erreichen. Aber auch inhaltlich hat Frankl Ideen. So soll es im Herbst eine Stummfilmveranstaltung mit Livemusik geben, Horrorspätvorstellungen oder ein Anime-Tag sind weitere Gedanken. „Ich lasse mich auch gerne inspirieren, Besucher können auch Vorschläge unterbreiten“, zeigte er sich ganz offen.

Online-Vorstellungen eher ungeeignet

„Das kulturelle Leben in der Region ist gelähmt“, sagte Dominik Patté gegenüber der Volksstimme. Patté ist nicht nur Chef des musikalisch-satirischen Kabaretts „Cat-Stairs“, sondern koordiniert auch den Burger Kulturstammtisch und hat daher einen ganz guten Einblick in die Situation anderer Kulturschaffender. Alternativen, etwa Online-Vorstellungen wie bei den Magdeburger Hengstmännern, sieht er in der Region nicht. Und hat dafür mehrere Gründe. Das Kulturleben werde vorrangig von Ehrenamtlichen gestaltet und die hätten jetzt erst einmal andere sorgen, müssten sich neben der Gesundheit vielleicht auch Gedanken um ihre wirtschaftliche Situation machen. Zudem seien auch viele kulturell Engagierte älteren Jahrgangs, für die Kulturprogramm via Internet nicht unbedingt ganz obenan stehe.

Der jüngste Kulturstammtisch hätte am 23. März stattfinden sollen, musste abgesagt werden. In seinem Anschreiben rief Patté dazu auf, eine Online-Petition für Hilfen für Freiberufler und Künstler während des „Corona-Shutdowns“ zu unterstützen.

Veranstaltungen stehen auf Kippe

Beim Genthiner Veranstaltungsservice (GVS) sind die Sorgen groß. „Für uns steht in den kommenden Wochen und Monaten vieles infrage“, sagt Yvonne Wilcke vom GVS. Das reiche von Jugendweihen über Zwei-Tages-Veranstaltungen bis hin zu geplanten Großkonzerten in verschiedenen Teilen Deutschlands. Die Genthiner Firma bringt dabei oft nicht nur Licht- und Tontechnik bei solchen Buchungen mit, sondern auch den Bühnenaufbau, und Zelte. Im Jerichower Land hat sich die Firma einen Namen etwa durch die Rocknächte in Parchen oder das Lichterfest in Burg gemacht.

„Die Maßnahmen zur Eindämmung sind sicherlich richtig und wichtig, aber für unsere Branche eine Katastrophe“, meint Ralf Ballerstein von der GVS. Die Soforthilfegelder seien zwar eine Maßnahme, damit gerade Künstler eine Perspektive erhalten. „Aber es wird lange dauern bis das Geschäft wieder anläuft.“

Existenzgrundlage gefährdet

Einer, der mit dem GVS seit geraumer Zeit zusammenarbeitet, ist der Genthiner Tourmanager Dirk Ballarin. Er hat noch eine andere Sorge: „Viele Künstler haben Auftrittstermine im Spätsommer, Herbst oder im kommenden Jahr in Aussicht, aber durch die derzeitigen Absagen fehlen ihnen die Einnahmen als Lebensgrundlage für die kommenden Monate. Der 42-Jährige hofft, dass sich die Menschen an die Hinweise halten, damit sich die Ausbreitung verlangsamt und wenn möglich, dass sich schwere Fälle verhindern ließen. Denn nur so könne man hoffen, dass auch der gesamte Kulturbetrieb bald wieder aufgenommen werden könne.

Der in Genthin aufgewachsene Sänger und Musiker Robby Schulze ist von der Krise in der Endproduktion für sein Debütalbum getroffen worden. „Es ist nun nach jahrelanger Arbeit endlich alles fertig, aber die momentane Krisensituation lässt die Vorbereitungen diesbezüglich schwer zu, sodass mir nur die Chance bleibt abzuwarten, bis die Lage sich beruhigt hat und um dann in Ruhe alles weiter zu planen.“

Sorge um die schwangere Ehefrau

Schulze, der in Genthin mit Kindern einst einen „Genthin-Song“ produziert hat, ist in mehrfacher Hinsicht besorgt: „Keiner weiß wie lange diese Situation anhält. Das ist eine Ungewissheit, die einen förmlich zerfrisst. Man hat Rücklagen geschaffen, die aber nicht unbegrenzt zur Verfügung stehen.“ Dazu kommt die Sorge um seine hochschwangere Ehefrau. „Für meine Frau und mich ist es leider nicht nur mehr die Verantwortung, ein Kind zu beschützen, sondern auch ihre Großeltern und dafür zu sorgen, dass die kleinen Kinderaugen auch noch was von ihnen haben, wenn diese Krise überstanden ist.“