Burg l An der Umstrukturierung der Sparkasse Jerichower Land war schon längere Zeit gearbeitet worden. Ende 2017 hatte die Bundesbank dem Kreditunternehmen Hausaufgaben für eine bessere Struktur aufgegeben. Die versucht die Sparkasse nun mit einem Partner zu lösen. Der Verwaltungsrat hat am Dienstagabend beschlossen, mit der Kreissparkasse Stendal Fusionsgespräche aufzunehmen.

Für den Vorsitzenden des Gremiums, Landrat Steffen Burchhardt (SPD), ist das aber alles andere als eine Kapitulationserklärung, wenn auch die Situation der Sparkassen derzeit nicht gerade einfach sei. „Es haben Sondierungsgespräche mit den Sparkassen in Stendal, in der Börde und im Salzlandkreis stattgefunden“, sagte er im Gespräch mit der Volksstimme. Mit der Kreissparkasse Stendal sei man sich am nächsten gekommen, allerdings sei die Tür zu den beiden anderen auch nicht zugeschlagen.

Aufwand und Null-Zins-Politik als Faktoren

Die Null-Zins-Politik der vergangenen Jahre, die zu einer Halbierung der Zinserträge geführt habe, der Wegfall klassischer Einnahmefelder und der immer größer werdende Aufwand durch Regelungen, die der Sicherheit des Kreditunternehmens dienen – das sind für Burchhardt die entscheidenden Faktoren, die dazu geführt haben, über eine Fusion nachzudenken. Immer mehr Menschen seien im Apparat Sparkasse notwendig, die zumeist nicht mit den Kunden arbeiten. Der Schlüssel zwischen Kundenmitarbeitern und Mitarbeitern im sogenannten Backoffice-Bereich ohne Kundenkontakt liege mittlerweile bei 50:50.

So gehe es nun darum, die Effekte der Zusammenarbeit zu nutzen, bevor die Sparkasse Jerichower Land dazu gezwungen ist, Personal abzubauen, Filialen zu schließen und die Preise zu erhöhen. Denn eines betont Burchhardt mehrmals in dem rund einstündigen Gespräch: „Die Fusion soll nicht dazu führen, dass Mitarbeiter entlassen werden oder das Filialnetz dünner wird“. Die Sparkasse Jerichower Land beschäftigt rund 180 Mitarbeiter, betreibt im Landkreis 16 Filialen.

Begegnung auf Augenhöhe

Die Philosophie sei, dass die Sparkasse ein stabiler Arbeitgeber bleibt und für die Kunden ein verlässlicher Finanzdienstleister in der Fläche. Es kommt bei den Fusionsgesprächen darauf an, ob die Stendaler diese Philosophie teilen. „Deshalb haben wir auch keine Sondierungsgespräche mit der Sparkasse in der Landeshauptstadt geführt“, sagte Burchhardt. Dort herrsche ein anderes Denken vor.

Dass die Synergieeffekte einer Fusion zwangsläufig zu Kündigungen führen, bestreitet der Landrat. „Es scheiden sehr viel Ältere aus, es ist außerdem gar nicht so leicht, gute Finanzberater zu bekommen“, nannte er Gegenargumente. Natürlich könnten die beiden Kreditinstitute in Bereichen wie Controlling oder Revision voneinander profitieren, das heiße aber nicht, dass es Kündigungen geben werde. Ein größeres Unternehmen habe auch andere Vorteile. So könnte mit einer größeren Bilanzsumme das Risiko besser gestreut werden, auch seien Geschäfte größeren Umfanges möglich. Größe sei kein alleiniger Erfolgsgarant, aber nutze.

Ausverkauf der Sparkasse kommt nicht in Frage

Ein Ausverkauf oder gar Schließung der Sparkasse im Jerichower Land stehe überhaupt nicht zur Debatte. Man begegne sich auf Augenhöhe, wenn auch die Bilanzsumme der Kreissparkasse Stendal mit 1,3 Milliarden höher liegt als die der Sparkasse Jerichower Land mit knapp eine Milliarde.

Die Stendaler seien zudem ein naheliegender Gesprächspartner, da es enge Verbindungen in den dortigen Wirtschaftsraum gebe. Die lange gemeinsame Kreisgrenze werde nur durch die Elbe getrennt. Außerdem gebe es auch viele persönliche Beziehungen zwischen Menschen in den beiden Landkreisen.

Ausführliche Gespräche sind zu führen

„Die Kreissparkasse Stendal und der Landkreis Stendal als Träger sind für Fusionsgespräche offen“, ließ der Stendaler Landrat Carsten Wulfänger (CDU), Vorsitzender des Verwaltungsrates der Sparkasse im Nachbarlandkreis, auf Anfrage der Volksstimme wissen. Allerdings dürfe eine mögliche Fusion keine Nachteile für die Kreissparkasse Stendal und auch nicht für die Sparkasse Jerichower Land mit sich bringen. Hierzu seien erst einmal ausführliche Gespräche zu führen.

Danach wären bei einer möglichen Fusion die entsprechenden Beschlüsse im Verwaltungsrat der Kreissparkasse und im Kreistag des Landkreises Stendal zu fassen. Über Zeitpläne, Vorteile und Inhalte von Vereinbarungen könnten derzeit keine Aussagen getroffen werden. Es gebe sie bisher nicht.

Belange der Mitarbeiter anhören

Das ist auch Burchhardt bewusst, der damit rechnet, dass es die erste Gesprächsrunde Anfang Dezember geben wird. Im Vorfeld würden die Eckpfeiler festgelegt und neben ihm und einem weiteren Mitglied des Verwaltungsrates werde auch ein Mitarbeiter der Sparkasse am Verhandlungstisch sitzen. Für ihn ein wichtiges Signal. Er werde sich viel Zeit nehmen und sich die Belange der Mitarbeiter anhören. „Es ist wichtig, sie auf diesem Weg mitzunehmen“, meinte er, was im Fall der Verhandlungsgruppe sogar wörtlich zu verstehen ist.

Auch im Jerichower Land werde der Kreistag das letzte Wort haben und somit die endgültige Entscheidung. Wenn auch Anfang und Ende der Fusion feststehen, kann Burchhardt keine Einzelheiten über das Dazwischen vorhersagen. Aber er setzt auf einen Fundus von Erfahrungen in Sachen Verschmelzung. Eine Sparkassenfusion sei nämlich in der Region ganz und gar kein Neuland: „Die Sparkasse Jerichower Land ist aus den Sparkassen Burg und Genthin hervorgegangen“.