Möser l Was ist passiert am Montag, direkt vor der Sekundarschule Möser? Nach bisherigem Kenntnisstand der Polizei wollte eine elfjährige Schülerin hinter einem haltenden Schulbus die Straße überqueren und wurde dabei von einem heranfahrenden Fahrzeug erfasst und auf die Straße geschleudert.

Wie die Schulleiterin der Sekundarschule Möser, Simone Kießling, mitteilt, hatte sofort eine der drei als Hofaufsicht agierenden Lehrkräfte reagiert, eine Decke geholt und Erste Hilfe geleistet. Die Schülerin selbst hatte schulfrei, wollte zum Fahrzeug ihrer Mutter auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Dort warteten auch ihre beiden großen Schwestern.

„Wir haben sofort Maßnahmen ergriffen, damit die Schüler den Vorfall nicht fotografieren oder filmen“, versicherte Kießling einen Tag nach dem Unfall. Sie kündigte an, dass es für alle Schulklassen an der Schule noch einmal eine Belehrung zur Hausordnung geben wird. Die besagt: Die Schüler haben nach Unterrichtsschluss auf dem Schulgelände zu verbleiben und dieses nur dann zu verlassen, wenn ihr Schulbus hält oder sie von jemandem abgeholt werden. Dies war bei der elfjährigen Schülerin der Fall. Ein Verstoß gegen die Hausordnung der Schule ist also nicht erkennbar. Warum sie an diesem Tag hinter einem Schulbus die Straße überqueren wollte und das heranfahrende Fahrzeug nicht mehr bremsen konnte, muss nun die Polizei ermitteln.

Zu viele Fahrzeuge zu schnell unterwegs?

Die Mutter der Schülerin erhebt nun den Vorwurf: „In der Straße und auf Höhe der Schule fahren viele Fahrzeuge viel zu schnell.“ Sie ist der Meinung, dass bauliche Hindernisse, die die Fahrer zum Abbremsen vor der Schule zwingen würden, den Unfall verhindert hätten.

„Ich habe mein Kind fliegen sehen. Das ist kein schöner Anblick. Das lässt mich nicht mehr los. Es ist einfach Horror im Kopf“, erzählt sie. Ihre drei Töchtern scheint der Unfall schwer zu belasten. „Meine Kleine ist sonst ein sehr lebhaftes Kind. Im Krankenhaus ist sie aber sehr ruhig und in sich gekehrt. Sie steht unter Schock. Auch ihre beiden großen Schwestern haben noch immer Angst, kommen nicht zur Ruhe“, erzählt die Mutter.

Mit schweren Prellungen war die Elfjährige am Montag in das städtische Klinikum Magdeburg gebracht worden. Hier sollte sie eine 48-stündigen Dauerüberwachung erhalten. „Noch haben wir keine Diagnosen von den Ärzten erfahren“, erzählte die Mutter am Dienstag.

Schulwegunfälle im Landkreis eher selten

Schulwegunfälle wie dieser sind im Landkreis Jerichower Land derweil eher selten. Dies bestätigte der Pressesprecher des Polizeireviers Jerichower Land, Falko Grabowski, auf Nachfrage. Im Jahr 2017 habe es zwei solcher Unfälle gegeben, im vergangenen Jahr sechs.

„Die Zahlen sind über die Jahre recht konstant“, schildert Grabowski, der auch zu den Unfällen mit Kindern im Allgemeinen Auskunft geben kann. Hier gab es in 2018 21 Verkehrsunfälle mit Kindern, wobei ein Kind an den Folgen des entsprechenden Unfalls verstarb.

Grabowski und die vor Ort agierenden Regionalbereichsbeamten (RBB) in der Gemeinde Möser wollen nun den Fall vom Montag zum Anlass nehmen und die verkehrsrechtlichen Bedingungen vor Ort prüfen. Parkende Fahrzeuge könnten unter anderem die Sicht für die Schüler und andere Verkehrsteilnehmer behindern. Zudem besteht der Verdacht, dass das Verhalten der verunfallten Schülerin zum Unfall selbst beigetragen haben könnte, was für Grabowski im Umkehrschluss bedeutet, dass auch die Verkehrsprävention an den Grundschulen, im Hinblick auf das Verhalten an Bushaltestellen intensiviert werden könnte.

Beschilderung vor Ort prüfen

„Nur an den Grundschulen ist Verkehrserziehung Teil des Lehrplans. An den weiterführenden Schulen existierte eine solche im Lehrplan nicht“, weiß Grabowski. Er ist sich aber auch sicher: „Die RBB vor Ort würden sich einem Verkehrserziehungsprojekt in der Sekundarschule sicher nicht verschließen.“ Schließlich, so Grabowski weiter, müsse „das Bewusstsein geschaffen werden, dass Kinder und Schüler als Fußgänger und Radfahrer die schwächsten Glieder im Straßenverkehr sind.“

Bei der Schuldhaftigkeit des Unfalls in Möser will er sich nicht festlegen. „Es kann sein, dass bei der Schülerin die übliche Sorgfalt für kurze Zeit außer Acht gelassen wurde. Der Unfall führt aber auf jeden Fall dazu, dass wir uns die Beschilderung vor Ort noch einmal ansehen. Bisher gibt es keine Erkenntnisse darüber, dass der am Unfall beteiligte Fahrzeugführer zu schnell war. Die Ermittlungen sind jedoch noch nicht abgeschlossen“, erklärt er weiter.

Hält ein Bus mit Warnblinkern an einer Bushaltestelle, so wie es an der Sekundarschule in Möser notwendig ist, dürfen andere Verkehrsteilnehmer nur mit Schrittgeschwindigkeit an ihm vorbei fahren, so sieht es die Regelung in der Straßenverkehrsordnung im Paragrafen 20 Absatz 4 vor.

Für Schulleiterin Kießling ist wichtig, dass alle nach dem Unfall richtig reagiert haben und das ihre Kollegen das, bei den jährlichen Schulungen zur Erste Hilfe Erlernte, umsetzten.

Klassenkameraden stehen unter Schock

Dass es speziell in der Klasse der verunfallten Schülerin noch eine Auswertung mit den Schülern geben wird, bestätigte Kießling ebenfalls. Dies ist auch deshalb notwendig, weil viele der Klassenkameraden nach dem Unfall weinten und auch am Tag nach dem Unfall in Teilen noch geschockt wirkten. Indes bekam die elfjährige Schülerin von ihren Klassenkameraden bereits Besuch. Sie wurden gestern bereits wieder aus dem Krankenhaus entlassen. Für Kießling blieb festzuhalten: „Der Schulweg vor und nach dem Unterricht ist Elternsache.“