Berlin/Bergzow l Seit 1994 halten die Züge nicht mehr am Bahnhof Bergzow-Parchen. Jetzt, 25 Jahre später, wurde in Berlin das frühere Empfangsgebäude zusammen mit fast einem Hektar Land für 20.000 Euro versteigert. Das Areal entlang der Bahnstrecke hat ein Bietender erworben, der per Telefon zugeschaltet worden war. Nach Auskunft des Auktionshauses hat eine Immobiliengesellschaft den Zuschlag erhalten. Weitere Informationen sind bislang nicht bekannt.

Damit bleibt zunächst offen, was mit dem Gebäude an der Bahnstrecke von Magdeburg nach Berlin passieren könnte, das immer wieder von Graffiti-Sprayern heimgesucht worden ist. Eine Wohnung dort genehmigt zu bekommen, scheint schwierig: Das Haus liegt im Außenbereich, die etwa 9600 Quadratmeter Grundstück sind als Landwirtschaftsfläche verzeichnet. Dennoch fanden sich gleich mehrere Interessenten, die das Areal erwerben wollten.

Mindestgebot bei 9000 Euro

Das Mindestgebot hatte bei 9000 Euro gelegen, aber dann wurde das Objekt schnell teurer. Mehrere Telefonbieter und einige Kaufwillige im Auditorium der Hertie School of Governance an der Berliner Friedrichstraße trieben den Preis in 500-Euro-Schritten immer weiter nach oben. Mehr als 20.000 Euro wollte aber niemand ausgeben. Etwas mehr muss der Käufer im Ergebnis aber doch auf den Tisch legen. Das Auktionshaus Karhausen kassiert 11,9 Prozent Courtage, das Land freut sich über fünf Prozent Grunderwerbssteuer, und auch der Notar will vom Käufer noch etwas Geld.

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Auch sonst rufen die vorhandenen Gebäude – Güterschuppen, Wärterhaus und ein ehemaliges Toilettenhäuschen befinden sich ebenfalls auf dem Grundstück – nach Investitionen zur Schadensbegrenzung. „Stark sanierungsbedürftig, starke Feuchtigkeitsschäden“ – solche Einschätzungen tauchen immer wieder im Exposé auf.

 Ungewöhnlich ist das nicht – die Deutsche Bahn, die das Areal verkaufen ließ, trennt sich immer wieder von nicht mehr benötigten oder kaum noch nutzbaren Immobilien zu vermeintlichen Schnäppchenpreisen. Genau hingeschaut wurde in Bergzow trotzdem: So wurde darauf hingewiesen, dass sich ein Haltestellenschild der regionalen Busgesellschaft sowie eine Löschwasserentnahmestelle „ohne vertragliche Grundlage“ auf dem Grundstück befinden. Bemerkenswert am Exposé war auch dessen Umfang.

Auf 115 Seiten wurde den potenziellen Käufern alles mitgeteilt, damit diese nicht später unangenehm überrascht werden. Große Teile bestanden beim Bahnhof Bergzow dabei aus der „Historischen Erkundung Jerichower Land“, die das Institut Fresenius 1998 im Auftrag der Deutschen Bahn vorgenommen hatte. Darin aufgeführt ist der Zustand des Untergrundes und der Gewässer, ebenso die Altlasten durch den Zweiten Weltkrieg und durch Industriebetriebe entlang der Bahn. Auf vielen Seiten war das Gutachten allerdings unlesbar gemacht. Sogar im Inhaltsverzeichnis waren einzelne Abschnitte abgedeckt, so dass nur die Ergebnisse der Strecke zwischen Kade und Biederitz ersichtlich waren.