Tauben

Was einen Züchter mit Luzern verbindet

Internationales Züchtertreffen in Hobeck bei Möckern. Thema der Fachleute aus Deutschland und der Schweiz waren die Luzerner Tauben.

Von Falk Heidel 08.09.2016, 01:01

Hobeck l Taubenzucht ist die große Leidenschaft von Bernd Sanftenberg aus Hobeck. Auf dem gepflegten Grundstück tummeln sich 180 Exemplare in verschiedenen Volieren. Streng nach Arten getrennt, versteht sich: „Seit meiner Kindheit beschäftige ich mich mit diesen faszinierenden Tieren“, sagt der Züchter, ein gelernter Fleischer.

Fachleute unterteilen die Luzerner Taube in sieben Zeichnungsvarianten: Luzerner Goldkragen, Luzerner Einfarbige, Luzerner Elber, Luzerner Kupferkragen, Luzerner Rieselkopf, Luzerner Schild und Luzerner Weißschwanz. Die Züchter solcher Rassen sind bundesweit in einem Sonderverein vernetzt. Zu den 167 Mitgliedern gehört Bernd Sanftenberg. Parallel dazu gibt es den Schweizer Taubenklub mit 195 Mitgliedern. Zwei davon waren jetzt im Jerichower Land zu Gast: Bruno Schelbert (74) und Rolf Bächler (70). Letzterer wohnt in einer Region zwischen Luzern und Bern, das die Luzerner liebevoll „Entlebuch“ nennen. Für die Menschen in Bern ist es das Emmental, das einen aromatischen Käse seinen Namen gegeben hat.

Doch zurück zur Taubenzucht. Sanftenberg betreibt das Hobby seit 1972: „Wer einmal mit diesem Virus befallen ist, kommt von dieser Leidenschaft nicht mehr los.“ Seinem Vater und Großvater erging es nicht anders. Mit Vater Rudi kümmerte sich Sanftenberg seinerzeit um Deutsche Schautauben und Kingtauben: „Doch das waren Rassen, die fast jeder hatte. Also haben wir uns nach neuen Herausforderungen umgesehen.“ 1986 folgte dann die Umstellung auf Luzerner Tauben. Merkmale dieser Rasse sind eine Spitzkappe auf dem gezogenen Kopf, quasi ohne Stirn. Zudem haben die Tiere einen sehr kurzen Schnabel. Diese Vögel sind in der Schweiz vor knapp 200 Jahren erstmals gezüchtet worden. Außer den Luzerner Tauben stammen aus dieser Zeit auch die Berner und Thurgauer Rassen: „Sie sind nach den Regionen benannt, die große Fruchtanbaugebiete hatten. Damit war dort ein ausreichendes Futterangebot vorhanden – im Gegensatz zu den Schweizer Gebirgsregionen. Hier gab es wenig Futter, also keine Taubenzucht“, erklärt Fachmann Rolf Bächler.

„Ich liebe mein Hobby, auch ohne Pokale.“

Bernd Sanftenberg

Bernd Sanftenberg hat eine ganz spezielle Taubenkategorie für sich entdeckt: Den Luzerner Weißschwanz. „Es gibt weltweit nur drei anerkannte Züchter, die sich um diese Taubenart kümmern. Einer von ihnen ist Bernd Sanftenberg, die anderen beiden leben in der Schweiz“, erzählt Bruno Schelbert. Diese ganz spezielle Zeichnungsvariante der Luzerner Taube mit schwarzem Federkleid und weißem Schwanz galt jahrzehntelang als verschollen. Erzüchtet wurde sie im 19. Jahrhundert aus Schweizertauben und Mövchen. Schelbert: „Erst vor einigen Jahren kehrte der Luzerner Weißschwanz in die Züchterkataloge zurück.

Sanftenberg ist dabei, diese Art wieder herauszuzüchten: „Seit acht Jahren bin ich damit beschäftigt“. Vereinfacht gesagt, kreuzt er den Züricher Weißschwanz mit Luzerner Schwarz. Von 50 Jungtieren sind maximal ein, zwei Ausstellungstiere dabei.

Doch die ersten Erfolge haben sich eingestellt. Bei der Europaausstellung 2010 im bayerischen Pfarrkirchen gewann Sanftenberg für ein Tier den Titel Europachampion.

Überhaupt gehört er zu den erfolgreichsten Züchtern unseres Landes. Seine Sammlung umfasst zwei Europameistertitel, acht Europachampions und 15 Deutsche Meisterschaften. Dennoch meint er: „Diese Titel sind nicht alles. Ich liebe mein Hobby, auch ohne Pokale.“ Dennoch kam im April dieses Jahres eine weitere Auszeichnung hinzu: Meister der Sachsen-Anhaltinischen Rassegeflügelzucht! So steht es auf einer Ehrenurkunde, die ihn der Landesverband „in Würdigung seiner außergewöhnlich großen Verdienste um die Rassegeflügelzucht in Sachsen-Anhalt“ in Güsten verliehen hatte.

Die im Frühjahr geschlüpften Küken haben sich bis zum Herbst so weit entwickelt, dass sie von ihren Züchtern auf den großen Ausstellungen präsentiert werden. Die Saison beginnt im Oktober. Zu sehen gibt es die besten Tiere bei der Ausstellung des Verbandes Deutscher Tauben (VDT) in Erfurt oder der Mirama-Landesschau in Magdeburg. Höhepunkt ist die Europaschau Ende Dezember in Schleusingen bei Suhl. „Mal sehen, was dabei herauskommt“, meint Sanftenberg, „Ziel ist ein Europachampion.“

Seinen Schweizer Gästen hat er unser Jerichower Land gezeigt und andere erfolgreiche Züchter vorgestellt: „Wir waren bei Reinhard Klinger in Rottenau, der Norwichkröpfer-Tauben züchtet. Und bei Hühnerzüchter Dieter Fahl in Hobeck.“ Anschließend haben sich die Schweizer Gäste auf den Weg in den Harz gemacht, wo sie mit weiteren Züchtern verabredet sind. Sanftenberg bekam zum Abschied eine Einladung nach Luzern: „Als Züchter von Luzerner Tauben kenne ich die Schweiz sehr gut, allerdings waren meine Frau Petra und ich noch nie in Luzern.“

Im Gepäck haben wird er vermutlich auch einige geschlachtete Tauben. Für ihn gehört auch das zu einer seriösen Zucht: „Ich bin Fleischer, also verarbeite ich auch Tauben. Nicht nur zu einer Suppe, sondern auch zu Sülze oder Bierschinken.“ Und welchen Eindruck vom Jerichower Land nehmen die Schweizer mit nach Hause? „Bemerkenswert ist dieses flache Land, man kann Kilometer weit schauen. Das gibt es bei uns ebenso wenig wie diese riesigen Ackerflächen“, sagt Rolf Bächler und blättert weiter in seinem Züchter- katalog.