Polizei ermittelt

Wasserspeicher im Burger Goethepark wird Zielscheibe von Vandalismus

Von Von Mario Kraus
Der alte Wasserspeicher im Goethepark wurde Opfer von Vandalismus. Die Eingangstür wurde zerstört und im Innenraum Graffiti gesprüht.

Burg. Mitarbeiter der Stadt und Besucher des Goetheparkes trauten vor wenigen Tagen ihren Augen nicht: Auch der alte Wasserspeicher an der Eisenbahnlinie wurde Opfer blinder Zerstörungswut. Mutmaßliche Jugendliche zerstörten unter anderem die mit viel Aufwand hergestellte Eingangstür und besprühten die Innenwände des Industriedenkmals. Der Gesamtschaden beläuft sich auf mehrere tausend Euro. „Das wird ein stattlicher vierstelliger Betrag“, sagt Stadt-Pressesprecher Bernhard Ruth. „Es ist nicht nachvollziehbar, dass wir immer wieder Vandalismus in den Parkanlagen zu beklagen haben und viel Geld für Instandhaltung und Reparaturen ausgeben müssen.“ Möglicherweise wäre der Schaden am Wasserspeicher noch höher ausgefallen. Denn Anwohner sind auf Jugendliche im Park aufmerksam geworden und haben die Polizei informiert, die bereits wenig später auf die Gruppe stieß. „Die Ermittlungen dazu sind noch nicht angeschlossen, die Jugendlichen werden in den kommenden Tagen angehört“, so Polizei-Pressesprecher Christian Sewina. Auch mit der Stadt müssten noch Gespräche geführt werden.

Um weitere Einbrüche zu vermeiden, prüft die Verwaltung jetzt mit der vertraglich gebundenen Sicherheitsfirma aus Magdeburg, ob auch dieser Bereich des Parks künftig videoüberwacht wird. „Dazu müssen wir uns noch verständigen“, so Ruth. Denn dass sei unter Umständen auch mit Kosten verbunden.

Industriedenkmal für 90.000 Euro saniert

Der historische Speicher ist für Burg ein bedeutendes Denkmal und war erst im Rahmen der Landesgartenschau (Laga) mit Hilfe von Fördermitteln für rund 90.000 Euro saniert worden. Die Stadt steuerte aus Eigenmitteln 45.000 Euro bei.

Ursprüngliche Pläne sahen sogar vor, dort eine Art Info-Punkt für die Parkanlagen zu etablieren und den Turm möglicherweise auch für Ausstellungen und andere Kulturveranstaltungen zu nutzen. Doch der Aufwand vor allem für die Innenarbeiten hätte das Laga-Budget weit überschritten, so dass davon letztlich abgesehen wurde. Ziel blieb seinerzeit der Erhalt des Denkmals – mit der Option einer späteren Nutzung. „Zumindest können Besucher der Grünanlagen in Nachbarschaft des Bahnhofes ein Stück Eisenbahnromatik erleben und Vergleiche zu anderen Speichern ziehen“, sagt Ruth.

Bauwerk im Park zwischen 1905 und 1906 errichtet

Das Bauwerk, in den Jahren 1905 und 1906 errichtet, war zum Glück noch so gut in Schuss, dass keine Änderungen an der Konstruktion notwendig waren. So hatten sich die Fachfirmen über mehrere Monate hinweg an die Arbeit gemacht, um die Klinkerfassade zu reinigen, zerstörte Ziegel zu ersetzen und Abplatzungen durch einen Sanierungsputz zu erneuern. In Teilbereichen mussten Fugen im Klinker- und im Bruchsteinmauerwerk ausgekratzt und erneuert werden.

Nicht mehr brauchbar waren indessen die Metallsprossenfenster, weil die Rahmenkonstruktion völlig durchgerostet war, erläutert Karola Ziegler vom Fachbereich Stadtentwicklung/Bauen der Stadtverwaltung. Jetzt zieren wieder 32 neue Fenster nach historischem Vorbild den Turm. Und nachdem lose Putzflächen ausgebessert wurden, sorgt ein mineralischer Anstrich für einen besonderen Schutz. Im Inneren wurden Decken und Wände abgestrahlt und Graffiti beseitigt. „Hier muss nun noch einmal aufwendig Hand angelegt werden, denn die Farben haften oftmals sehr intensiv“, so Bernhard Ruth.

Volumen von 110 Kubikmetern

Der Turm mit seinem Durchmesser von sieben Metern gehört der von Prof. Georg Barkhausen (1849 bis 1923) an der Technischen Hochschule (TH) Hannover entwickelten Kugelbodenbehälter-Bauart an, die ausschließlich in Lizenz von der Firma August Klönne (Dortmund) gefertigt wurde. Das Behältervolumen beträgt 110 Kubikmeter. Ähnliche Speicher finden sich auch an anderen Bahnhöfen. Vor allem Eisenbahnfreunde haben daran ihre Freude.