Burg (dpa) l Die Weihnachtszeit ist für viele Gefangene eine bedrückende Zeit. "Man merkt, dass in den Gesprächen die Familie ein größeres Thema ist", sagte die Seelsorgerin der Justizvollzugsanstalt Burg, Jana Büttner, der Deutschen Presse-Agentur. Die Inhaftierten würden an den Tagen vor Weihnachten auch häufiger über Beziehungsprobleme, Scheitern und Schuld reden. "Die Gefangenen sind sensibler", sagte die Pfarrerin. Selbst Inhaftierte, die sonst keine seelsorgerischen Angebote in Anspruch nehmen würden, suchten in der Weihnachtszeit ganz bewusst das Gespräch mit den Seelsorgern.

"Für die meisten Gefangenen ist es immer ein schwieriges Fest", so die Gefängnisseelsorgerin. Die Stimmung sei angespannter. Manche würden hoffen, dass Weihnachten schnell vorbeigehe. "Man merkt die Sehnsucht der Leute nach Familie", sagte die Seelsorgerin. Andere hätten Sehnsucht nach einem besseren, funktionierenden Leben. Vor allem Gefangene, die schon viele Jahre in Haft sind, seien einsam. Rund acht Gespräche führe die Seelsorgerin am Tag. Drei weitere Kollegen seien ebenfalls für die Inhaftierten da, sagte Büttner.

Neben den Seelsorgegesprächen, die alle Gefangenen das ganze Jahr über in Anspruch nehmen könnten, gebe es an Weihnachten besondere Gottesdienste, erklärte die Pfarrerin. Auch Nicht-Gläubige oder Anders-Gläubige kämen gerne zu diesen. Zum Jahreswechsel gebe es erneut einen Gottesdienst.

Die JVA Burg ist nach Angaben des Justizministeriums in Sachsen-Anhalt eines der sichersten Gefängnisse Europas. Auf mehr als 220.000 Quadratmetern Fläche stehen vier Hafthäuser, drei Werkstätten, ein Verwaltungsgebäude und zahlreiche weiterer Gebäude. Mit knapp 700 Haftplätzen ist es das größte Gefängnis in Sachsen-Anhalt und die einzige Hochsicherheitsanstalt des Landes. Die Seelsorge ist ein wichtiger Bestandteil der Arbeit in der JVA.

Die Weihnachtszeit im Gefängnis erlebe die Seelsorgerin anders als draußen. "Dieses Bunte, Schrille und überall Weihnachtsmusik – das ist im Gefängnis nicht da", sagte Büttner. Hinter Gittern gehe es eher um die Botschaft von Weihnachten. Das spüre sie bereits, wenn sie eine karge Gefängniszelle sehe und mit dem Stall in Bethlehem vergleiche. "Weihnachten wird oft von vielen Äußerlichkeiten überlagert", so Büttner. Im Gefängnis spüre sie mehr Rückbesinnung.

In Sachsen-Anhalt gibt es nach Ministeriumsangaben Haftplätze für Hunderte Gefangene. Die Pfarrerin hilft nach eigenen Angaben seit zehn Jahren als Seelsorgerin den Gefangenen in der JVA Burg. Akten über die Biografien der Inhaftierten lese sie in der Regel vor den Gesprächen nicht, um unvoreingenommen zu sein. Die meisten Inhaftierten würden mehrere Jahre in der JVA sitzen.