Burg l Der 10. August vergangenen Jahres war ein heißer Tag. Die zahlreichen Besucher des ersten Burger Weinfestes am Weinberg freuten sich über jede kleine Erfrischung. Zur ersten Weinkönigin wurde Scarlett-Beatrix Obenhaupt gewählt. „Das ist wie ein Traum“, waren ihre ersten Worte, nachdem Moderator Marc Burgemeister sie zur Siegerin gekürt hatte.

Als sich die Regentin auf den Tag genau ein Jahr später mit der Volksstimme am Weinberg trifft, ist es wieder ein brütend heißer Tag. Doch von Zuschauern ist keine Spur, nur zwei Kinder amüsieren sich auf dem Spielplatz. Es gibt kein Weinfest 2020, am heutigen 15. August hätte es stattfinden sollen. Die Bedrohung durch das Coronavirus ist zu groß, als dass Massenveranstaltungen dieser Art gefahrlos stattfinden könnten. Gewählt worden war sie ohnehin für zwei Jahre, so profitiert sie nicht von der Absage, sondern kann eine Halbzeitbilanz ziehen.

Titel musste umbenannt werden

Im vergangenen Jahr war sie noch auf zahlreichen Veranstaltungen präsent, Genthiner Kartoffelfest, Elbauenfest Parey, Jurkenmarkt in Gommern. Außerdem war sie auch auf der Campingmesse Caravaning in Leipzig präsent. „Ich habe gemeinsam mit der Sangerhauser Rosenköniging Informationsmaterial verteilt“, erzählt sie. Und das ist auch ihre Hauptaufgabe, die Stadt Burg bekannt zu machen. Die Besucher wollten wissen, wie es dazu kommt, dass Burg eine Weinkönigin hat, und sie erzählte dann, dass im Mittelalter Wein in der Stadt produziert, zur Landesgartenschau an diese Tradition erinnert wurde.

Mittlerweile hat Burg allerdings keine Weinkönigin mehr. „Ich musste mich umbenennen“, verrät sie. Aus der Region Saale-Unstrut hatte es Protest gegeben, schließlich gebe es in der Burger Region überhaupt keinen Wein, den sie bewerben könnte. So firmiert sie nun unter Weinbergkönigin, dem Spaß hat das allerdings keinen Abbruch getan. An die Krönung erinnert sie sich immer noch mit Genuss, aber auch danach habe es viele erinnernswerte Momente gegeben. Dazu gehören für sie vor allem die zahlreichen Begegnungen mit Menschen und dass sie sich auch mal die Zeit genommen hatte, etwa die Brennerei in Loburg oder auch die Wasserburg in Gommern genauer anzuschauen.

Viele Besuche geplant

Für dieses Jahr hatte sie so viele Besuche geplant. „Es gibt eine WhatsApp-Gruppe mit 500 Königinnen und Prinzen, in der man sich gegenseitig einlädt“, erklärt sie. Genthin und Parey standen natürlich wieder auf dem Programm, Werder bei Potsdam, auch in die Saale-Unstrut-Region hatte man sie eingeladen, wenn auch nicht im Königinnenkleid. Doch die Corona-Pandemie machte all diese Pläne zunichte, Veranstaltungen wurden abgesagt, und auch die Weinbergkönigin musste zu Hause bleiben.

„Ich bin Pädagogische Mitarbeiterin in der Grundschule Burg-Süd und die war ja auch geschlossen“, sagt sie. So hatte sie Zeit, sich um ihre beiden Kinder (10 und 3) zu kümmern, musste natürlich auch Unterricht erteilen, erinnert sich aber sehr gern an die Zeit. Auch wenn es zudem für das Fernstudium im Fach Soziale Arbeit zu büffeln galt. Das sei aber ohnehin online ausgerichtet, lediglich der monatliche Präsenztag in Potsdam fiel aus.

Hygienekonzepte werden entwickelt

Im kommenden Jahr wird sie abgekrönt, eine Verlängerung ihrer Regentschaft hat sie abgelehnt. Nun soll eine andere Weinbergkönigin werden. „Authentisch sein, sich in der Burger Stadt Geschichte auskennen und darauf vorbereitet sein, in der Öffentlichkeit aufzutreten und auch etwas sagen zu müssen, das sind gute Voraussetzungen“, zählt sie auf. Viel Wein trinken, nein, das müsse man nicht. „Traut euch“, ruft sie schon jetzt zur Bewerbung auf.

Wenn auch Großveranstaltungen wie eben das Weinbergfest abgesagt werden mussten, die Planungen laufen dennoch weiter auf Hochtouren. „Im Moment ist aber nur sicher, dass nichts sicher ist“, formulierte es Maximilian Steib, Leiter des Fachbereiches Kultur und Tourismus betont überspitzt am Freitag gegenüber der Volksstimme. Es werde allerdings schon am Weihnachtsmarkt gearbeitet. Verträge seien geschlossen worden, weitere würden folgen. „Wir denken auch über einen Plan B nach, falls die Ihlegärten zu klein sein sollten, um den notwendigen Abstand zu halten“, sagte Steib. Letztlich hänge alles von der nächsten Eindämmungsverordnung, die das Land im kommenden Monat herausgeben will, und dem weiteren Infektionsgeschehen ab.

Museumsnacht und Spuk im Park sollen stattfin

Derzeit werden Hygienekonzepte für die nächsten beiden Veranstaltung entwickelt, um sie beim Landkreis einzureichen: die Museumsnacht am 12. Oktober und der Spuk im Park, der am 24. Oktober im Goethepark stattfinden soll.