Burg/Genthin l Spaziergänger am Elbe-Havel-Kanal bei Genthin trauen am Wochenende ihren Augen nicht. Auf einer Anhöhe neben einem Wirtschaftsweg liegen die Reste von Wildschweinen und sogar Rotwild, ein Skelett fällt sofort ins Auge. Der Kopf von einem weiblichen Stück Rotwild ist ebenso deutlich zu erkennen wie der eines Wildschweines. Sofort kursierten die Bilder in den sozialen Netzwerken. „Ein schauriger Anblick“, heißt es beispielsweise bei Facebook.

Dieser konkrete Fund ist mittlerweile der Höhepunkt von mehreren Fällen im Jerichower Land. Erst vor wenigen Tagen war ein Pilzsammler aus Burg leicht geschockt, als er durch den Hohenseedener Wald streifte. Auch dort stieß er auf Schwarten von Schwarzkitteln und einem Tier, das zuvor erlegt worden war. Er informierte die Volksstimme ebenso wie ein weiterer Pilzfreund, der eine Schwarte eines Wildschweines zwischen Burg und Reesen neben einem Weg gesehen hatte.

So handelt kein Jäger

Auch bei Kade wurden Felle (Decken) von Damwild und Schwarzkitteln entdeckt, bestätigt der Vorsitzende der Jägerschaft Genthin, Matthias Holzberger. „Das ist eine große Sauerei und hat nichts mit weidmännischem Handeln und der Ehre vor dem Wild zu tun. So handelt kein Jäger“, sagt er. Auch die Pächter der jeweiligen Jagdbezirke oder angrenzender Gebiete hätten sich von solchem Handeln klar distanziert.

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Nach Einschätzung von Holzberger, der am Montagabend bei der Polizei in Burg Anzeige erstattet hat, könnte es sich um professionelle Wilddieberei handeln. „Die jeweiligen Decken wurden fachmännisch abgeschärft, was gut zu erkennen ist.“ Bei den jüngsten Funden in Genthin hätten die Täter eventuell schnell an dem Wirtschaftsweg geparkt, um die Überreste der Tiere in den Sträuchern abzulegen. Jäger vergraben normalerweise Schwarten oder Decken von Rehen oder Wildschweinen.

Kein Kavaliersdelikt

Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen, teilte Sprecher Falko Grabowski mit. Wilddieberei ist kein Kavaliersdelikt. Sie wird mit Freiheitsstrafen von bis zu drei Jahren geahndet, in schweren Fällen sogar fünf Jahre. Grabowski bittet die Bevölkerung, Auffälligkeiten in Wald und Flur zu melden, aber kein persönliches Risiko einzugehen.

Fälle von Wilderei sind bislang selten. 2017 und 2018 wurden jeweils vier Fälle polizeilich bearbeitet, in diesem Jahr bislang fünf.

Im Jerichower Land gibt es reichlich Schwarzwild, die Bestände sind in den vergangenen Jahren angestiegen, ebenso die Wildschäden. Die Ursachen sind vielfältig: So sorgten die milden Winter dafür, dass die Frischlinge über die gewöhnlich frostigen Monate kamen, hinzu kommen ausreichend Nahrung durch Monokulturen wie Mais. Und manche Bachen bringen mittlerweile mehrmals im Jahr Junge zur Welt. Möglicherweise sei dies auch ein Anreiz für Wilderer, schnell Beute zu machen, sagt Holzberger.