Burg/Genthin l Schnee und Wind haben der Region erwartungsgemäß heftig zugesetzt. Sonntagmorgen setzte vielerorts ein anhaltender Flockenwirbel ein. Das vorhergesehene große Chaos blieb zumindest in der Region aus. Wer sich auf die Landstraße begeben musste, war gut beraten, nur behutsam aufs Gaspedal zu treten. Das beherzigten offensichtlich auch die meisten Autofahrer. So konstatierte die Polizei in Burg bis zum späteren Nachmittag keine witterungsbedingten Unfälle. Nur am Sonnabendnachmittag waren im Biederitzer Weidenring zwei Fahrzeuge zusammengestoßen. „Wer nicht unbedingt fahren muss, hat vermutlich darauf verzichtet und lässt den Wagen stehen“, so eine Sprecherin des Reviers. Und in der Tat: Ein Großteil der Autofahrer fuhr nicht schneller als 40 bis 50 Kilometer pro Stunde. „Viele Abschnitte sind total vereist, bei mehr Tempo ist man ja lebensmüde“, sagte eine Mitarbeiterin eines mobilen Pflegedienstes in Burg. „Unsere Patienten müssen eben heute ein wenig länger warten, obwohl wir schon zeitiger angefangen haben.“

Geduld auf den Straßen

Mehr Geduld mussten alle Einwohner zwischen Jerichow und Gommern aufbringen, bis der Winterdienst auch Nebenstraßen erreicht hatte. Die zehnköpfige Frühschicht des städtischen Bauhofes in Burg war seit 6 Uhr mit sieben Fahrzeugen im Dauereinsatz, so der zuständige Mitarbeiter Rembert Schreiber. Wie im Dienstplan festgelegt, wurden zuerst die Hauptstraßen in der Kreisstadt geräumt, dann Nebenstraßen, Anlagen und Plätze. Auch die Gemeindearbeiter mühten sich in den jeweiligen Dörfern. Mancherorts bemerkten Anwohner gar nicht, dass die Schneefräse schon ganze Arbeit geleistet hatte, weil der Wind die Bereiche danach wieder mit der weißen Pracht bedeckte. „Einige Stellen könnten alle paar Stunden wieder beräumt werden“, sagte Martin Syska vom Bauhof. Dass zahlreiche Fußwege völlig vereist und nicht benutzbar waren, konnte nahezu überall in Burg und Genthin festgestellt werden. Der Pressesprecher der Burger Stadtverwaltung, Bernhard Ruth, appelliert deshalb an alle Grundstücksbesitzer, ihrer Räum- und Streupflicht „so gut es geht“ nachzukommen. „Jeder Eigentümer kann einen kleinen Beitrag zur Sicherheit leisten.“ Auch deshalb, weil kein schneller Wetterumschwung zu erwarten sei.

Auf solche Situationen und den vorausgesagten weiteren Schneefällen hatte sich die Nahverkehrsgesellschaft Jerichower Land (NJL) rechtzeitig eingestellt und am Vormittag den Busverkehr komplett eingestellt – voraussichtlich bis heute Mittag. „Dies geschieht im Interesse der Sicherheit unserer Fahrgäste und Fahrpersonale“, teilte die Leiterin Verkehr, Daniela Kramper, mit.

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Winterdienst ausgebucht

Die Genthiner waren gestern in der Mehrzahl offensichtlich vernünftig und hörten auf den Rat, das Auto stehen zu lassen und daheim zu bleiben. Auf der B1 und der B 107 sowie auf den Straßen in der Kanalstadt selbst waren nur vereinzelt Autos unterwegs. Nur ein einzelner Radfahrer kämpfte sich über die Kanalbrücke am Wassersturm mühevoll durch den frisch gefallenen Pulverschnee und bremste immer wieder mit den Beinen auf dem Boden die Wegrutschbewegungen von Vorder- und Hinterrad ab. So sehr sich der Winterdienst der zuständigen Straßenmeisterei auf den beiden Bundesstraßen auch bemühte – der Wind wehte doch ganz schnell die gerade geräumte Fläche wieder zu. Zudem sorgte der andauernde Schneefall dafür, dass das Schneeräumen zur Sisyphus-Arbeit mutierte.

In Genthin selbst zeigten sich nun die Auswirkungen des Stadtratsbeschlusses vom November 2019: Mit dem ist der Winterdienst nämlich stark zurückgefahren worden (Volksstimme berichtete). Statt bis dato 104 Kilometer Fahrbahn sind es jetzt nur noch 34 Kilometer Straße, die in Genthin und den Ortsteilen winterdienstlich bearbeitet werden - um elf Kilometer kümmert sich der Bauhof, um 23 Kilometer ein Dienstleister. Das ist das erforderliche Mindestmaß. Statt elf kommen nur noch acht Fahrzeuge zum Einsatz, statt 20 werden nur noch 15 Arbeitskräfte eingesetzt. Nur bei den Gehwegen und Haltestellen werden keine Abstriche gemacht. Da kümmern sich der Bauhof und ein Dienstleister nach wie vor um 15 Kilometer Bürgersteig und den Bereich um 75 Haltestellen herum.

„Mit Mann und Maus“ war Hausmeisterdienst Heinrich aus Genthin morgens um drei zum ersten Mal zum Winterdienst ausgerückt. Das unter dem Firmendach der QSG agierende Unternehmen wirft alles, was geht, in die Winterdienstschlacht: 15 Fahrzeuge, drei Traktoren mit Schiebeteil und Streuvorrichtung und mehr als 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. „Auch die Mitarbeiterinnen aus dem Büro, meine eigene Frau und QSG-Chef Lars Bonitz sind mit draußen unterwegs“, sagt Martin Heinrich. Seine Truppen halten unter anderem für die Deutsche Bahn auf der Strecke von Burg bis Genthin die Gleisanlagen, Weichen und Bahnübergänge vom Schnee frei. Das bedeute schaufeln, kratzen, schaufeln und nochmal kratzen, so Heinrich. Auch im Genthiner Chemiepark sind sie im Einsatz. Aber auch in Güsen, Parchen und Bergzow. „In den vergangenen Wochen“, berichtet Heinrich, „haben wir noch viele Anfragen bekommen, ob wir nicht noch schnell einen Winterdienstauftrag annehmen können“. Heinrich musste absagen.