Burg l Frank Heisinger, Dr. Bernd Hennig und Gerald Hüttner wohnen am Rande der Stadt – mit Sichtnähe zum Industrie- und Gewerbepark (IGP), der seit Anfang der 90er Jahre mit größeren und kleineren Firmen angewachsen ist.

Die Papierfabrik der Unternehmensgruppe Progroup sticht dabei hervor und ist ein wirtschaftlicher Riese in dem Areal. Dort, wo Papier verarbeitet wird, entstehen letztlich auch Gerüche, die ausgestoßen werden. Mal mehr, mal weniger. Mal drücken diese Geruchswolken in Richtung Stadt, mal sorgt der Wind für ganz andere Himmelsrichtungen. Die Bürgerinitiative (BI) hat seit dem Produktionsstart angemahnt, den Ausstoß zu optimieren und die staatlichen Kontrollbehörden zu Stellungnahmen aufgefordert, inwieweit die bestehenden Emissionen unbedenklich sind.

Belästigung gering halten

„Ja, es riecht“, bestätigt Standortleiter Stefan Jürgen. Alle Grenzwerte würden unterschritten. „Und wir sind zu jedem Zeitpunkt daran interessiert, die Produktionsabläufe so zu optimieren, damit die Belästigungen so gering wie möglich gehalten werden.“ Innerhalb eines geschlossenen Wasserkreislaufes werde sich dies jedoch nicht vollends vermeiden lassen.

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Das sehen auch die Mitglieder der Bürgerinitiative ein, die den intensiven Austausch zu diesem Thema mit der Firma hervorheben. „Pro Papier hat viel getan, damit Geruchsbelästigungen verringert werden können“, bescheinigt Frank Heisinger.

In der Tat seien allein dafür rund 200 000 Euro in die Hand genommen worden, um den Produktionsablauf mit seinen mikrobiologischen Prozessen, bei denen auch Säuren zum Einsatz kommen, zu optimieren. Mehrere Fachinstitute seien eingebunden und unter anderem Rasterbegehungen mit Probanden durchgeführt worden. Jürgen: „Wir haben in den vergangenen Jahren ein umfangreiches technisches Prozedere in Gang gesetzt, damit die Gerüche minimiert werden.“ Hinzu komme das eingerichtete Bürgertelefon, „worauf dann umgehend reagiert wird“, sagt Jürgen. Auch der städtische Bau- und Umweltausschuss hat sich darüber informiert.

Es hat sich viel getan

Ist die Bürgerinitiative damit zufrieden? „Verfahrenstechnisch hat sich viel getan. Es läuft besser“, bestätigt auch Dr. Henning. Hinsichtlich der Intensität gebe es Schwankungen, „die normal sind“. Heisinger ergänzt: „Im Interesse der Anwohner wollen wir nun die Bestätigung, dass die aktuell vorhandenen Emissionen nicht gesundheitsschädigend sind.“ Diese Aussagen müssten jedoch die zuständigen Aufsichtsbehörden tätigen.

Allerdings: Dabei schieben sich Landesverwaltungsamt und Landkreis nach mehreren Volksstimme-Anfragen den Ball gegenseitig zu. Kreis-Pressesprecherin Claudia Hopf-Koßmann verweist auf das Landesverwaltungsamt, diese Behörde wiederum auf den Landkreis. Denise Vopel, Pressesprecherin des Landesverwaltungsamtes, teilt nach wiederholter Anfrage dazu mit, dass die Vermeidung von Gesundheitsgefahren durch Emissionen „Genehmigungsvoraussetzung für Anlagen“ seien. Im Rahmen des Genehmigungsverfahrens seien dafür von den Behörden „die entsprechenden Stellungnahmen und Beurteilungen abgefordert und von diesen Gesundheitsgefahren durch den Betrieb der Anlage ausgeschlossen worden“.

Das allerdings sei für die BI „insgesamt zu dünn“. Heisinger: Unabhängige Aufsichtsbehörden müssen in der Lage sein, den aktuellen Ausstoß zu bemessen und zu beurteilen.