Letzlingen l „Das Wolfsmonitoring in Sachsen-Anhalt beruht auf Daten und Fakten“ stellt Horst Schulze, Revierleiter in den Forstrevieren Hirschberge und Tangerhütte im Bundesforstbetrieb Nördliches Sachsen-Anhalt, klar. Damit stellt sich Schulze der Auffassung des Klötzer Wolfsbeauftragten Eckhard Wegwarth entgegen, der bei der jüngsten Versammlung der Klötzer Jägerschaft mutmaßte, dass die Zahl der Wölfe im Rahmen des Monitorings „kleingehalten“ werde (wir berichteten).

Als „ziemlich gewagt, um es noch gemäßigt auszudrücken“ empfindet es Horst Schulze, zugleich Wolfsbeauftragter der Bundesforst, dass seitens eines Wolfsbeauftragten die Zahlenangaben infrage gestellt und sogar Vorsatz für geschönte, niedrige Zahlen unterstellt werden. „Die Motivation dazu kann ich nur ahnen“, kommentiert Schulze in einem Schreiben an die Volksstimme. Die Zahlen in Sachsen-Anhalt werden von verschiedenen Fachleuten mehrfach interpretiert und ausgewertet. Das alles geschieht absolut transparent unter der Beteiligung aller, die zur Erhebung dieser Daten einen Beitrag leisten“, verdeutlicht Schulze. Eckhard Wegwarth gehöre als Wolfsbeauftragter der Klötzer Jägerschaft zu eben diesem Personenkreis.

Schulze sieht Fehler bei der Interpretierung

Einen Fehler sieht Schulze in der Interpretierung der Zahlen durch den Wolfsbeauftragten, der den Klötzer Jägern allein 54 Wolfsfotos von Wildkameras vorgelegt und ausgeführt hatte, dass für das ganze Bundesland Sachsen-Anhalt 64 Wölfe durch das Monitoring erfasst worden seien. „Es ist wichtig zu wissen, dass das Jagdjahr und das Wolfsmonitoringjahr zwei verschiedene Zeiträume sind. Das sind zwei Paar Schuhe. Und aus der zunehmenden Zahl der Fotofallenaufnahmen und Sichtungen auch Rückschlüsse auf eine höhere Individuenzahl zu ziehen, ist nicht ausreichend“, macht Schulze deutlich. „beim Wolfsmonitoring gilt, wie auch sonst im Leben: Wer etwas anderes für richtig hält, muss es beweisen.“

Überhaupt hält er die Individualisierung eines Einzeltieres über Bilder aus Fotofallen für unrealistisch. Bei Sichtungen hält er das Erkennen eines bestimmten Wolfes sogar für unmöglich. „Wie will man da Aussagen zur absoluten Zahl von Wölfen ableiten? Wölfe gehen bekanntermaßen weite Wege, haben ein sehr großes Streifgebiet und nutzen zudem gern regelmäßig den gleichen Weg, um eine einmal bekannte lange Distanz zurückzulegen“, so Schulze. Wolfsbeauftragte, die die Zusammenhänge für das Monitoring „dilettantisch interpretieren und die Bevölkerung unterschwellig verunsichern“, indem sie von Wolfssichtungen berichten, die sich nachts etwa zwei Kilometer entfernt von einer Ortschaft ereignet haben sollen, würden der Jägerschaft eher einen „Bärendienst erweisen“. Gefragt sei beim Wolfsmonitoring sachliche, fachliche und konstruktive Mitarbeit.