Gardelegen l Das Back- und Bethaus auf dem Hof des Großen Hospitals bewegt weiterhin die Gemüter. Geht es nach dem Stiftungsrat als bisherigem und der Gardeleger Wobau als künftigen Eigentümer, soll das mittelalterliche Haus abgerissen werden. Ein Antrag ging schon Mitte 2015 an die Untere Denkmalschutzbehörde des Kreises.

Nach Protesten im Stadtrat, des örtlichen Denkmalpflegevereines und aus der Bevölkerung lobte der Stiftungsrat einen Ideenwettbewerb aus. Zwölf Vorschläge gingen ein. Der Rat – mit Bürgermeisterin Mandy Zepig qua ihres Amtes automatisch an der Spitze – entschied sich schließlich, das Haus im Falle einer Abrissgenehmigung durch einen Privatmann abtragen und andernorts neu aufbauen zu lassen.

Unterschriften für den Erhalt

Gleichzeitig sammelte aber der Denkmalpflegeverein Gardelegen Unterschriften für den Erhalt des Hauses. 243 seien in nur einer Woche zusammengekommen, beziffert Jürgen Bajerski, Vorstand im Gardeleger Denkmalpflegeverein, in einem Gespräch mit der Volksstimme. „Mittlerweile sind es über 300.“ Die Liste soll nun an Kultusminister Marco Tullner weitergeleitet werden.

Denn mit einem möglichen Ab- und Wiederaufbau des Back- und Bethauses will sich der Gardeleger Denkmalpflegeverein auf gar keinen Fall zufriedengeben. Schon weil „der gemauerte Backofen und die davorliegende Backstube im Falle einer Umsetzung verlorengehen würden.“

In einem Brief an die Volksstimme bezeichnen Bajerski und weitere Vorstandsmitglieder die Überlegung, das historische Haus umsetzen zu lassen, zudem als „einsame Entscheidung des Stiftungsrates, in dem noch nicht einmal ein Sachverständiger für Denkmäler sitzt“.

Eine besondere Situation

Allerdings hatte Bajerski während der Stiftungsratssitzung am 4. April Rederecht bekommen, ebenso wie Wobau-Geschäftsführer Wolfgang Oelze – „aufgrund der besonderen Situation“ –, wie Vorsitzende Mandy Zepig bestätigt. Im Regelfall tagt der Stiftungsrat nämlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Er habe deshalb während der Sitzung „die Chance genutzt, noch einmal auf die Bedeutung des Hauses hinzuweisen.“ In dem Zusammenhang habe er dem Stiftungsrat dann auch die Liste mit den Unterschriften vorgelegt, so Bajerski.

Daran allerdings kann sich Stiftungsratschefin Mandy Zepig nicht erinnern: „Ich habe eine solche Liste nie erhalten, nicht einmal eine Kopie“, versichert sie gegenüber der Volksstimme. Er habe sie für alle sichtbar auf den Tisch im Versammlungsraum gelegt und wieder mitgenommen, „da sie ja im Original an die Landesregierung geschickt werden soll“, so Bajerski. Eine Kopie könne er selbstverständlich zur Verfügung stellen. Offensichtlich ein Missverständnis. Aber offensichtlich auch nicht das einzige.

Zepig ist keine Bauexpertin

Denn auch eine Äußerung Zepigs, dass das Haus abgerissen wird, wenn es vom Landesamt für Denkmalpflege als nicht so wertvoll angesehen werde, versteht Bajerski als Ergebnis eines Gespräches zwischen ihr und dem Landeskonservator Falko Grubitzsch. „Sie sei keine Bauexpertin“, protestiert Mandy Zepig. Solche Entscheidungen treffe sie nicht. „Dafür gibt es Behörden und Fachleute.“

Bajerski seinerseits hatte sich daraufhin selbst mit Grubitzsch als dem für Gardelegen zuständigen Experten des Landesamtes für Denkmalpflege in Verbindung gesetzt. Und der habe von einer guten Bausubstanz und einer „sehr hohen Wertigkeit des Hauses als Teil des Ensembles Großes Hospital“ gesprochen, versichert Bajerski.

Die Entscheidung über Abriss oder Erhalt trifft allerdings am Ende nicht das Landesamt, sondern allein die Kreisbehörde. Und es sei bislang noch keine gefallen, sagt Amtschefin Kerstin Lingstädt auf Nachfrage. Dafür hat sie kürzlich Post bekommen. Auch ihr gegenüber hat der Kultur- und Denkmalpflegeverein Gardelegen seine Bedenken formuliert.