Gardelegen l Zwischen 15 und über 80 Jahre alt waren die Ausstellungsbesucher am Mittwoch im Rathaussaal. Alle gemeinsam sahen sie sich die acht sehr unterschiedlichen Architektenarbeiten genau an und verfolgten die Ausführungen von Harald Stricker, dem Vorsitzenden der Preisrichterjury, die am 7. April in Magdeburg die Entwürfe sichtete und bewertete. Und das Gremium mit elf Mitgliedern, dem neben Gardelegens Bürgermeisterin Mandy Zepig auch Sachsen-Anhalts ehemaliger Kultusminister Stephan Dorgerlow, Vertreter der Gedenkstätten-Stiftung und auch der Leiter der Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe, Andreas Froese-Karow, angehörten, hatte die Qual der Wahl.

Ausstellung bis 20. Mai

„Wir hatten schon bei der ersten Sichtung ein gutes Gefühl, dass Entwürfe dabei waren, die die Erwartungen erfüllen“, so Stricker. Ebenso habe sich gezeigt, dass einige Arbeiten Schwächen und Fehler aufwiesen. Sie seien für die Preisvergabe ausgeschlossen worden. Als Beispiele für Schwächen nannte der Juryvorsitzende unter anderen zu große Eingriffe in die Geländegestaltung, Innenraumentwürfe, die für die geplante Nutzung weniger gut geeignet wären oder auch nicht optimale Gebäude-Außengestaltungen. Beim Rundgang durch die Ausstellung zeigte Stricker einige konkrete Beispiele. Ein Gebäudeentwurf habe etwa mit dem Dach zu weit auf die Straße gereicht. Bei einem anderen Gebäude habe der schwarze Beton zu düster gewirkt, und ein weiterer Entwurf habe einen zu sakralen Charakter aufgewiesen.

Am Ende seien drei Entwürfe als sehr gelungen eingestuft und der weiteren, tiefgehenden Betrachtung unterzogen worden. Der Siegerentwurf schließlich, der dem Berliner Architektenbüro BHBVT entstammt, habe in allen Kriterien überzeugt – dem inneren und äußeren Gebäudecharakter und der dem Zweck optimal dienlichen Raumauf und -unterteilung. „Das I-Tüpfelchen ist die große Glasscheibe, die den Besuchern des Dokumentationszentrums einen Blick auf die Gedenkstätte bietet – so zu sagen einen Moment des Innehaltens.“ Die Entscheidung sei am Ende mit klarer Mehrheit gefallen, berichtete André Merten, Vize-Direktor der Stiftung Gedenkstätten Sachsen-Anhalt. Und Andreas Froese-Karow fügte hinzu: „Ich bin sehr glücklich, dass dieser Entwurf zur Umsetzung kommt. Er ist gleichermaßen gut für die Stadt Gardelegen, für die Besucher und für die Gedenkstätten-Arbeit.“ Die Sonderausstellung unter dem Titel „Gedenken gestalten“ ist im Gardeleger Rathaus noch bis zum 20. Mai zu sehen.

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