Kalbe l In der Rathausstraße in Kalbe reiht sich mit wenigen Ausnahmen Fachwerkhaus an Fachwerkhaus. Die Straße gehört zum historischen Kern der Altstadt. Dort wird bald aber eine Baulücke klaffen. Seit dieser Woche ist in der Rathausstraße nämlich schweres Gerät im Einsatz. Auf der Straße weisen Warnbaken auf die Arbeiten hin. Das leer stehende Fachwerkhaus mit der Nummer 28 wird abgerissen.

Der Abriss erfolge zur Gefahrenabwehr. „Das Haus ist einsturzgefährdet“, teilt der Eigentümer (Name ist der Redaktion bekannt), ein Kalbenser, auf Volksstimme-Anfrage mit. Und er fügt hinzu: „Es liegen alle erforderlichen Genehmigungen vor.“

Unzumutbare Belastung

In der Verwaltung des Altmarkkreises Salzwedel ist diese Maßnahme bekannt. Im dortigen Bauordnungsamt liegt eine Anzeige für die Beseitigung des Wohngebäudes an der Kalbenser Rathausstraße vor. „Mit der Anzeige wurde die Standsicherheit angrenzender baulicher Anlagen nachgewiesen. Eine Abbruchgenehmigung ist nach den Vorschriften des Baurechts in Sachsen-Anhalt nicht erforderlich“, teilt die Pressestelle des Altmarkkreises auf Anfrage mit. Da es sich bei diesem Fachwerkhaus um ein Einzelbaudenkmal handele, so der Altmarkkreis, liege die Zuständigkeit für eine denkmalrechtliche Abbruchgenehmigung beim Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt. Und diese Genehmigung ist erteilt worden. Als Begründung nannte die Obere Denkmalschutzbehörde eine „nachgewiesene unzumutbare Belastung der unveränderten Erhaltung des Kulturdenkmals“. Anhand vorliegender Fakten treffe die Behörde eine rechtmäßige Entscheidung, bei der abgewogen werde zwischen „sinnvollem Erhalt, der für den Besitzer zumutbar ist, und der Entscheidung zu einem Abriss, weil eine Rettung hinsichtlich des zu betreibenden Aufwandes nicht mehr zu rechtfertigen ist“, so Denise Vopel von der Pressestelle des Landesverwaltungsamtes.

Die Abbrucharbeiten werden noch eine Weile andauern. Einen konkreten Termin für das Ende dieser Maßnahmen gibt es nicht. Was im Anschluss anstelle des alten Fachwerkgebäudes entstehen beziehungsweise passieren soll, dazu machte der Eigentümer noch keine konkreten Angaben: „Der Abriss steht zunächst im Vordergrund, alles weitere wird man dann sehen.“ Zum Alter des historischen Gebäudes, das bis vor einigen Jahren für Wohnzwecke genutzt worden ist, konnte er keine Angaben machen. „Eine Funktion war mit Sicherheit mal eine Schmiede, weitere sind uns nicht bekannt“, sagte er.