Gardelegen l Wer aufmerksam in der Stadt unterwegs ist und auf der Straße Vor dem Salzwedeler Tor, also vor dem sogenannten Krankenhauskreisel, den Blick nach rechts gewendet hat, der hat ihn sicher schon erblickt – den stattlichen Neubau, der etwas zurückgesetzt auf dem Grundstück entstanden ist, auf dem sich vor einigen Jahren noch Gärten befanden. Detlef und Kerstin Schumann aus Gardelegen sind dort dabei, ein Herzensprojekt zu verwirklichen. Sie bauen ein Mehrfamilienhaus mit seniorengerechten Wohnungen. Zum 1. Oktober soll es bezugsfertig sein.

Altersgerechte Wohnungen noch Mangelware

Die Idee dazu hat einen familiären Hintergrund. Sie suchten vor etwa fünf Jahren für seine Eltern in der Stadt eine seniorengerechte Wohnung, um die älteren Herrschaften zu entlasten. Sie lebten nämlich in einem Haus in Kloster Neuendorf und schafften aus Altersgründen die anfallende Arbeit nicht mehr. Bei ihrer Suche damals mussten Kerstin und Detlef Schumann allerdings feststellen, dass diese Wohnungen in der Hansestadt noch Mangelware waren, erzählt die jetzige Bauherrin. Etwas Passendes zu finden, erwies sich als sehr schwierig. Deshalb haben sie überlegt, selbst ein Mehrfamilienhaus mit altersgerechten Wohnungen zu bauen. Dort sollten dann unter anderem seine Eltern einziehen.

Konkrete Gestalt nahm das Projekt an, nachdem beide erfuhren, dass das Grundstück an der Straße Vor dem Salzwedeler Tor, das einem älteren Ehepaar in den USA gehörte, zum Kauf angeboten wurde. Sie schlugen zu, nichts ahnend, dass die Realisierung ihres Projektes inklusive der Vorplanungen vier Jahre dauern würde, wie Detlef Schumann berichtet. Der „Behördendschungel“ erwies sich als sehr dicht und hürdenreich. Unter anderem musste für das Objekt ein vorhabenbezogener Bebauungsplan erstellt werden. Dann gab es auf dem Grundstück auch noch archäologische Grabungen, da sich dort ein römischer Friedhof befinden sollte. „Am Ende haben sie die alte Patrone eines Karabiners und einen Knopf von einer Russenuniform gefunden“, so Schumann. Im Spätsommer vergangenen Jahres gab es dann endlich grünes Licht von den Archäologen und die Baugenehmigung, sodass der schon gebundene Baubetrieb loslegen konnte.

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Keine Schwellen oder andere Stolperfallen

Allerdings gab es da die nächsten Schwierigkeiten. Durch die Verzögerungen hatte dieser auch andere Aufträge akquiriert, sodass nicht so viele Mitarbeiter für das Vorhaben der Schumanns zur Verfügung standen. Aber auch diese Hürden meisterte das Ehepaar. Es konnte eine zweite Firma gefunden werden. Zum Ende letzten Jahres stand der Rohbau inklusive Dachstuhl. „In der letzten Dezemberwoche war die Follie drauf und das Dach erst einmal dicht“, berichtet Detlef Schumann. Im März begann dann der Innenausbau. Alle beauftragten Firmen kommen aus der Region.

Im Haus gibt es insgesamt fünf Wohnungen. Zwei im Erdgeschoss mit 79 Quadratmetern – in eine davon zieht Detlef Schumanns inzwischen verwitweter Vater ein –, zwei im Obergeschoss mit 84 Quadratmetern und ganz oben das Penthouse mit 136 Quadratmeter. Sie alle sind altersgerecht angelegt. Das heißt zum Beispiel, es gibt keine Schwellen als Stolperfallen, die Türen sind breiter, falls ein Rollator oder ein Rollstuhl benötigt wird, und das WC im Bad ist höher als üblich angebracht.

Fahrstuhl für den Weg nach oben

Hinauf zu den oberen Wohnungen muss auch niemand Treppen steigen, sondern kann ganz bequem den Fahrstuhl nutzen, der natürlich auch zum seniorengerechten Wohnen mit dazugehört. Jede der Wohnungen, die alle hell und lichtdurchflutet sind, hat eine Terrasse oder einen Balkon. Die Küche und das Bad sind auch bereits eingerichtet. Im Obergeschoss gibt es in den Bädern neben der Dusche auch noch eine Wanne. Im Penthouse gibt es zudem ein Zimmer mehr und das Schlafzimmer hat eine angrenzende Ankleide.

Beim Bau wurde zudem auf Nachhaltigkeit und Energieeffizienz nach KfW-Vorgaben geachtet. So sind alle Wohnungen mit Fußbodenheizung ausgestattet, die mit einer energieeffizienten Wärmepumpe betrieben wird und in jedem Raum separat geregelt werden kann. Dazu gibt es eine Wohnraumlüftung, die ebenfalls durch eine Luftwärmepumpe betrieben wird, die gleichzeitig die Warmwasserbereitung der Wohnung sichergestellt.

Drei Wohnungen sind bereits vermietet. Und mit den Interessenten hat das Ehepaar Schumann im Vorfeld persönliche Gespräche geführt. „Die Chemie muss einfach stimmen“, erläutert Kerstin Schumann. Zu haben sind derzeit noch eine Wohnung im Obergeschoss und das Penthouse. Auch das Umfeld wird noch gestaltet. Zu jeder Wohnung gehört ein Pkw-Stellplatz. Eine Garage kann dazu angemietet werden. Das allerdings kann noch etwas dauern. Wie Detlef Schumann sagte, sei dafür eine Erweiterung des Bebauungsplanes notwendig. Nun hoffen die Bauherren aber erst einmal, dass der anvisierte Einzugstermin eingehalten werden und die neuen Bewohner des Hauses begrüßt werden können.