Dannefeld l „Die Altmark. Grüne Wiese mit Zukunft“ – unter diesem Slogan wird die Region seit 2013 beworben, so richtig eingeschlagen ist er aber nie. Jetzt könnte der Werbespruch auf unschöne Weise wahr werden. Erwartet Dannefeld eine „strahlende“ Zukunft?

„Mir ist wichtig, dass die Leute hier in Dannefeld davon erfahren. Ich bin gleich wach geworden, als ich davon hörte. Wir haben im Ortschaftsrat sofort reagiert und abgestimmt, dass wir uns dagegen aussprechen“, erklärt ein aufgeregter Andreas Finger (CDU), Mitglied im Dannefelder Ortschaftsrat und im Gardelegener Stadtrat.

Worum geht es? Um einen Bericht der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) vom 28. September 2020, der 90 Teilgebiete in ganz Deutschland als mögliche geeignete Endlager für Atommüll ausweist – eines davon liegt bei Dannefeld.

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Das Gebiet hat eine Fläche von zehn Quadratkilometern, ist maximal 530 Meter mächtig und liegt in einer Tiefe zwischen 530 und 1060 Metern unterhalb der Geländeoberfläche. Dort befindet sich unter anderem Steinsalz in steiler Lagerung. Das ist zumindest bisher eine bevorzugte Struktur für die Lagerung von radioaktiven Abfällen. Sie ist auch im Zwischenlager in Gorleben und in Morsleben (zentrales Endlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle der ehemaligen DDR) zu finden.

Ob das für Dannefeld nun ein gutes oder schlechtes Zeichen ist? Immerhin steht Gorleben trotz riesiger Investitionssummen, die dort getätigt wurden, nun nicht einmal mehr auf der Liste der 90 Teilgebiete für ein Endlager, weil es sich als nicht geeignet erwiesen hat.

Für Dannefelds Ortsbürgermeister Maik Lüer ist die Frage, wohin mit dem atomaren Abfall, schnell beantwortet: „Ich bin für Bayern.“

Und auch Andreas Finger hält Dannefeld für den falschen Ort: „Wir sind im Biosphärenreservat Drömling. Dafür wurde so lange gekämpft, die Leute mussten Einschränkungen hinnehmen. Wenn hier jetzt auf einmal Atommüll gelagert wird, sind alle Argumente von vorher doch Lug und Trug. Das wäre nicht mehr glaubhaft.“

Fingers Sorge: „Das Problem ist, dass die Altmark strukturschwach ist. Wir haben hier nichts als unsere Natur. Wenn jetzt jemand ankommt und verspricht, für ein Endlager zig Millionen in die Infrastruktur und so weiter zu stecken – man sieht ja, wieviel Geld nach Gorleben gegangen ist –, habe ich die Befürchtung, dass dann vielleicht doch überlegt wird.“

Sollten sich im weiteren Eingrenzungsprozess die Anzeichen mehren, dass Dannefeld im Rennen bleibt, kündigt Ortsbürgermeister Maik Lüer kämpferisch an: „Dann holen wir die Dannefelder Bauernfahne wieder aus der Kirche.“ Diese hatten die Drömlingsbauern im Jahr 1675 vom brandenburgischen Kurfürsten erhalten, weil sie zuvor mit Erfolg verhindert hatten, dass die Schweden die Region erobern.

Die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) hatte am 30. Oktober zur Online-Sprechstunde auf ihrem Youtube-Kanal eingeladen. Aufgrund der kurzfristigen Information dazu nutzten allerdings keine Altmärker die Gelegenheit zu einer Nachfrage. Im Video betonte Stefan Studt, Vorsitzender der BGE-Geschäftsführung, aber: „Wenn Sie Fragen haben, melden Sie sich. Diskutieren Sie mit uns, wir freuen uns darauf.“ Diese Möglichkeit können die Dannefelder nutzen.

E-Mail: dialog@bge.de, Link zum Video der Online-Sprechstunde: https://www.youtube.com/watch?v=SzoEZmSrgOs