Kalbe l „Kalbe hat jetzt seine eigene ukrainische Botschaft“, scherzt Koordinationsstipendiat Yannik Wende beim Blick auf die Fassade des künftigen Kalbenser Kulturhofes. Aus einem der dortigen Fenster hängt die Flagge des osteuropäischen Landes.

Bauorden macht Einsatz möglich

Gehisst worden ist sie von Andrij Martynenko und Konstantin Zhukowskij, zwei jungen Männern, die aus eben diesem Land stammen und die zurzeit am Baucamp zugunsten des Künstlerstadt-Vereins beteiligt sind. Möglich gemacht hat ihren zweiwöchigen Einsatz der Internationale Bauorden, eine gemeinnützige Initiative, die es seit rund 60 Jahren gibt, die soziale und gemeinnützige Projekte unterstützt und in die vorrangig Studenten integriert sind, die in unterschiedlichen Ländern rekrutiert werden. Sie sind dann ehrenamtlich tätig, erhalten aber an ihren jeweiligen Einsatzorten freie Kost und Logie. In Kalbe wird von ihnen die alte Post genutzt, wobei sich Mitglieder des Künstlerstadt-Vereins um ihre Versorgung mit Speisen und Getränken kümmern.

Neben Andrij und Konstantin arbeiten aktuell auch Álvaro Riol Cánovas aus Spanien, Ceyhun Dönmez aus der Türkei und Brian Fliegert aus Deutschland im Kulturhof. Sie bereiten das Haus mit vollem Körpereinsatz auf die umfänglichen Baumaßnahmen vor, für die das Land dem Künstlerstadt-Verein Fördermittel bewilligt hat, für die aber noch die komplette Baugenehmigung aussteht. „Wir wären da gern schon ein bisschen weiter“, gibt Vereinsvorsitzende Corinna Köbele unumwunden zu. Doch gestalte sich die Antragstellung schwieriger als gedacht, da zahlreiche Unterlagen beizubringen seien. Schließlich steht das Haus an der Rathausstraße 39, das der Verein im Jahr 2016 käuflich erworben hat, so wie die gesamte Kalbenser Altstadt unter Denkmalschutz.

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Im September nächstes Camp

Die Hilfe der jungen Männer, die für ihren Einsatz in Kalbe die Semesterferien nutzen, ist laut Corinna Köbele dennoch großartig. „Das hätten wir sonst alles machen müssen“, sagt die Initiatorin und meint mit „wir“ den harten Kern des Künstlerstadt-Vereins.

Auf diesen war der Internationale Bauorden übrigens von sich aus zugekommen. Denn der Verein gehört zu den sogenannten Neulandgewinnern, die von der Robert-Bosch-Stiftung gefördert werden, weil sie unkonventionelle Wege beschreiten, mit denen Lebensqualität in ostdeutschen Städten und Dörfern gesichert und verbessert werden kann.

Der Kulturhof soll künftig nicht nur zur Unterbringung von Künstlerstadt-Stipendiaten, sondern vor allem auch als Stätte der Begegnung genutzt werden. Als solche hält er bereits jetzt schon her. So hat es dort gerade wieder mehrere Veranstaltungen im Rahmen des Potentiale-Festivals gegeben. Und auch während des bevorstehenden Sommercampus´, der am 23. Juli beginnt und zu dem rund 20 junge Künstler erwartet werden, soll das Areal wieder als ein Auftritts- und Arbeitsort genutzt werden.

Die Baucamp-Teilnehmer sind dann nicht mehr vor Ort. Ihr Einsatz endet am kommenden Wochenende. Doch das nächste Camp ist laut Corinna Köbele bereits für September geplant.