Gardelegen/Jävenitz l Der Rohbau steht. Die Dachdecker verlegen zur Zeit Abdichtbahnen und Wärmedämmung auf den Betondächern. Der gesamte Baukörper soll noch bis zum Jahresende geschlossen sein. Die Fenster sollen in der kommenden Woche geliefert werden, sodass im Winter schon der Innenausbau beginnen kann. Die Elektriker sind bereits damit beschäftigt, die Wände für die Verlegung der Elektroleitungen vorzubereiten. Die Arbeiten am derzeit größten Neubauprojekt der Einheitsgemeinde Gardelegen gehen also gut voran.

Zimmerer Andreas Hartmann flext gestern die Gewindestangen für die Holzkonstruktion des Dachstuhles im Mittelteil der künftigen Kindertagesstätte in Jävenitz auf die richtige Länge. Funken fliegen in alle Richtungen. Fast schon ein symbolischer Ausblick auf die nächste Sitzungsschiene des Gardeleger Stadtrates Anfang nächsten Jahres. Denn auch in den Fachausschüssen könnten im Januar Funken fliegen, angesichts der neuen Zahlen. Schon jetzt steht nämlich fest, dass sich auch beim aktuellen Kita-Neubau Mehrkosten ergeben werden. Das zumindest bestätigt Bauamtsleiter Engelhard Behrends auf Volksstimme-Anfrage. Über die Höhe will er indes noch keine Angaben machen: „Wir werden das Thema erst in den Ausschüssen objektkonkret besprechen“, betont er. „Dem wollen wir nicht vorgreifen.“ Deshalb bittet Behrends um Verständnis, „dass wir zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine weiteren Angaben machen werden.“ Derzeit würden die Mehrkosten hochgerechnet und im Haushalt 2019/2020 eingestellt, wo sie dann beschlossen werden müssten.

Enormen Baupreisentwicklung

Und viele andere Möglichkeiten haben die Stadträte eigentlich auch nicht, wenn sie das Neubauprojekt nicht gefährden wollen. Dennoch dürften manche schon gespannt darauf sein, wie die erneut anfallenden Kostensteigerungen diesmal begründet werden.

Immerhin ist die Jävenitzer Baustelle kein Umbau, sondern ein kompletter Neubau. Nachtragsleistungen, wie zum Beispiel die rund 100.000 Euro Zusatzkosten für eine marode Deckenkonstruktion im Kinderzentrum Estedt oder die Zusatzausgaben von 13.000 Euro für die Beseitigung von giftigen Dämmstoffen beim Ausbau der Kita Krümelkiste sollten deshalb eigentlich auszuschließen sein.

Mehrkosten auch in Mieste

„Die Preissteigerungen ergeben sich, wie bereits schriftlich mitgeteilt, aus der enormen Baupreisentwicklung, die wir besonders – wie alle Kommunen – in diesem Jahr zu verzeichnen hatten“, erläutert Engelhard Behrends.

Offenbar aber nicht nur „in diesem Jahr.“ Schon 2015 wurde der Neubau des Miester Kindergartens gut 60.000 Euro teurer (133.000 Euro Mehrkosten waren zunächst berechnet worden). 2017 wurde dann die Kita Krümelkiste zusätzlich zu den Kosten der Piatherm-Dämmstoff-Entsorgung um rund 90.000 Euro teurer. Und auch in diesem Jahr mussten die Stadträte bereits Mehrkosten von stolzen 700.000 Euro für das Kinderzentrum Estedt absegnen. Betroffen waren mehrere Gewerke. Der Kita-Neubau in Jävenitz reiht sich also in eine lange Reihe von Kostensteigerungen, ein.