Gardelegen l Der Schießpark Kahnberg ist schon eine ganz besondere Anlage. Er befindet sich mitten in der Natur auf einem ehemaligen NVA-Gelände. Immerhin 30 Hektar Land gehören dazu, 24 Hektar sind eingezäunt. Es kann dort fast alles geschossen werden, was das deutsche Waffengesetz hergibt. Es sind alle Flintenstände vorhanden, die in Deutschland üblich sind. Vor allem die 300-Meter-Bahn findet bundesweit Aufmerksamkeit, denn eine solche Bahn gibt es nur auf wenigen Plätzen im Land. Die Nutzer kommen auch aus ganz Deutschland nach Berge, um dort zu trainieren: Jäger, Sportschützen, Mitglieder von Hegeringen. Auch die praktische Ausbildung und Prüfung für Jungjäger im Altmarkkreis Salzwedel findet dort statt. Bis zu 15 000 Schützen aus dem In- und Ausland nutzen pro Jahr die Anlage.

Eröffnet wurde der Schießpark Ende Juni 1999. Jetzt, 21 Jahre später, droht womöglich die Schließung einzelner Schießstände. Denn die vorgeschriebene Standaufsicht wird von ehrenamtlichen Helfern ausgeführt, die dafür auch eine entsprechende Ausbildung absolvieren müssen. Und die Männer der ersten Stunde sind mittlerweile in die Jahre gekommen. Sie fühlen sich zum Teil überlastet und überfordert. Auf die Problematik hatte Erwin Grödl vom Vorstand des Betreibervereines in der Versammlung der Jägerschaft Klötze schon hingewiesen.

Dringender Handlungsbedarf

Dringenden Handlungsbedarf sieht auch der Vorsitzende der Gardelegener Jägerschaft, Gerhard Henke. An den Wochenenden könnten die Standaufsichten noch abgesichert werden. „Wir haben da auch junge Leute im Einsatz“, so Henke. Problematisch sei es in der Woche. „Da brauchen wird dringend neue Leute“, sagt Henke. Er setzt auf den nächsten Lehrgang für Standaufsichten, der voraussichtlich noch in diesem Monat stattfinden wird. Denn dafür gebe es zwölf Anmeldungen. Doch die Standaufsichten sind es nicht allein, was dem Betreiberverein Sorgen macht. Denn es fehlt auch ein Schießparkleiter. Derzeit hat diese Aufgabe wieder Hans-Jürgen Beckmann übernommen. Der hatte das Amt 15 Jahre ausgeführt. Im Januar 2016 hatte Beckmann die Schlüssel seinem Nachfolger Michael Baumann übergeben. Der jedoch habe sich um die Weihnachtszeit 2019 quasi verabschiedet. „Keiner weiß genau, warum. Aber er steht für uns nicht mehr zur Verfügung“, sagt Henke. Nun sei Beckmann in der Not eingesprungen. Der sei aber auch schon 75 Jahre alt und habe sich von daher auch nur für ein Jahr bereit erklärt, das Amt zu übernehmen.

Gesucht wird also auch ein neuer Platzwart. „Wer voll im Beruf steht, kann das nicht machen“, betont Henke. Denn für das Amt brauche es viel freie Zeit. Organisationstalent müsse mitgebracht werden, ebenso technisches Verständnis, und ein Schießparkchef müsse gut mit Menschen umgehen können. „Das kann ein Jäger oder auch jemand aus einem Schützenverein sein. Er muss natürlich über eine Berechtigung verfügen, mit Waffen umzugehen. Am liebsten wäre uns natürlich ein Jäger, ein rüstiger Frührentner“, sagt Henke.

Pflege der Anlage funktioniert

Was gut funktioniere, sei die Pflege der riesigen Anlage. Da gebe es aus dem Betreiberverein schon eine Stammtruppe. Auch Sponsoren helfen gelegentlich. Henke hofft, dass es in der Winterpause gelingt, neue Mitstreiter zu finden – für die Standaufsichten und für den Platzwart. Derzeit hat der Schießpark Kahnberg mittwochs bis freitags von 15 bis 19 Uhr geöffnet, sonnabends nach Vereinbarung und sonntags von 9 bis 12 Uhr. Vom 15. November bis zum 28. Februar gibt es eine Winterpause, bevor noch vor Beginn der neuen Saison die Jungjägerausbildung 2021 dort stattfindet. Zum Betreiberverein des Schießparkes gehören die Jägerschaften Gardelegen und Klötze, der Polizeisportverein sowie die Stadt Gardelegen. Deren Vertreter sind auch jeweils im Vorstand vertreten. Den Vorsitz hat Martin Schulze aus Mieste inne.