15-jährige Gymnasiastin aus Gardelegen schreibt gruselige Geschichten

Blanker Horror, wenn Jana schreibt

Von Gesine Biermann

Wenn Jana Bursche zum Stift greift, entstehen schaurige Szenarien, die mitten im Leben spielen. Seit vielen Jahren verfasst die Schülerin Texte - und seit mehr als einem Jahr sind die der blanke Horror.

Gardelegen. Sie ist 15, mitten drin im Teenageralter und ein fröhliches Mädchen. Sie trifft sich gern mit Freunden, und auf ihrem Handy empfängt die Anrufer ein Song von Alexandra Stan. Alles ganz normal also. Und sie zieht sich gern modisch an, auch schon mal ein quietschbuntes Shirt - ihre Geschichten jedoch sind rabenschwarz und voller dunkler Geheimnisse.

Schreiben überhaupt, sagt Jana Bursche, ist schon seit vielen Jahren ihre Leidenschaft. Das fing schon früh an. Zu Anfang waren es nur kurze Storys, meist inspiriert vom Alltag oder aber von einem der vielen Bücher, die Jana so "verschlingt". Meist wünscht sie sich welche zum Geburtstag oder zu anderen Anlässen. Und sie hat es gern, wenn ihr die Bücher auch selbst gehören. Deshalb geht sie selten in die Bibliothek. "Dafür haben wir schon eine Bibliothek bei uns zu Hause", sagt ihre Mutter schon mal scherzhaft.

Denn sie kauft ihrer Tochter natürlich gern mal das eine oder andere Buch. Und so kam Jana schließlich auch zu ihrem derzeitigen Lieblingsthriller: Bentey Little\'s "Böse". Der war so spannend, so ergreifend, sagt Jana. Da sei ihr klar geworden, dass es genau das ist, was auch sie schreiben will, nämlich Horrorliteratur, so wie Richard Laymon oder Steven King, die zu den Lieblingsautoren der Gardelegerin gehören, die natürlich auch ein Faible für die gruseligen Verfilmungen solcher Storys hat. Eine Vorliebe, die ihre Mama kein bisschen verstehen kann. Denn die schaut Horrorfilme gar nicht gern und liest auch viel lieber Romane mit schöneren Themen.

Doch Jana gefällt es, wenn nicht alles so friedlich verläuft in ihren Büchern, wenn es spannend und zuweilen sogar ein bisschen blutig zugeht.

Hatte sie zuvor "vieles angefangen", aber "nicht ganz so viel fertiggeschrieben", hat sie im Horror jetzt ihre Inspiration gefunden. Denn seit etlichen Monaten entsteht in Janas Zimmer eine gruselige Erzählung, die schon richtige Formen angenommen hat. Darin geht es um eine Kindesentführung mit dramatischen Folgen. Die Hauptperson: eine Frau mit vielen Gesichtern. Ein bisschen so wie Jana selbst vielleicht. Denn dass die Schülerin ausgerechnet Horrorgeschichten schreibt, sieht ihr wohl von außen auch keiner an. Stimmen, so wie die Heldin in ihrem Manuskript, hört Jana allerdings nicht, wie sie lachend versichert. Aber bestimmte Stimmungen brauche sie schon, um schreiben zu können. "Immer geht das nämlich nicht". Meist ist es auch schon Abend, wenn Jana zum Stift greift - ihr Buch entsteht nämlich noch auf die gute alte handschriftliche Art und Weise und nicht am PC. Abends, wenn es dunkel oder wenigstens ein bisschen dämmerig ist, schreibt es sich einfach besser, erzählt die Gymnasiastin. Und ihre Mama verrät noch ein kleines Familiengeheimnis: "Wenn wir uns gestritten haben", sagt Maria Bursche, das kommt zwischen Mutter und Tochter wie überall schließlich auch mal vor, "dann geht sie oft in ihr Zimmer und schreibt." Aber selbst das passt schließlich zu Janas Intention. Ein Liebesgedicht ließe sich nach einem Zoff mit der Mama sicher nicht schreiben. Ein Horrorroman schon. Und manchmal, auch das verrät Jana, ist es eben auch schon mal ein Albtraum, der sie inspiriert.

Kein Alb-, sondern ein echter Traum ist indes Janas Vorstellung von ihrer Zukunft. Denn sie würde nach dem Abitur gern Schriftstellerin werden.

Klar, weiß sie, dass sie dafür einiges tun muss. Und sie weiß auch, dass ein guter Stil nur zum Teil dem Talent oder der Leidenschaft des Autors geschuldet, und ansonsten harte Arbeit ist. Und so würde sich die 15-Jährige freuen, wenn sich in der Nähe andere Jugendliche finden würden, die ebenfalls selbst schreiben.

Gemeinsam, glaubt Jana, könnte man sich sicher Tipps geben. Und auch mal die eine oder andere Leseprobe austauschen, um dazu die Meinung der anderen zu hören. Denn bislang durfte - außer der Autorin dieses Beitrages - nur Janas Mama mal in ihr unfertiges Manuskript hineinlesen. Und die schlägt sich dabei zwar sehr tapfer, doch wie gesagt, "sie liest eigentlich viel lieber weniger gruselige Geschichten".

Wer also ernsthaft Lust dazu hat, sich mal mit Jana zu treffen oder ihr zu schreiben, um sich mit ihr über das gemeinsame Hobby auszutauschen, kann sich an die Volksstimme- Redaktion in Gardelegen wenden. Garantiert gibt\'s darauf von Jana eine Reaktion. Und die ist ganz sicher kein bisschen gruselig, sondern ganz normal und sehr sympathisch. Eben so, wie Jana selbst.