Jeseritz l Immer ein strahlendes Lächeln im Gesicht, immer auf Achse mit ganz viel Energie, aber sie kann auch deutlich machen, wenn ihr etwas nicht gefällt, sie kann auch kritisch und energisch sein. Das muss man wahrscheinlich auch, wenn man in einer Männerdomäne unterwegs ist: Anja Baumann aus Jeseritz – Feuerwehrfrau mit Leib und Seele und vor allem mit ganz viel Herz. Die 29-Jährige erhält für ihr überaus großes Engagement in Sachen Feuerwehr den Blumenstrauß des Monats Oktober. Auf den sie allerdings verzichtete und sich stattdessen Kinogutscheine wünschte. Nicht für sich, sondern für die Mädchen und Jungen ihrer Jeseritzer Kinderwehr.

Gründung im Jahr 2009

Denn die ist quasi ein Kind von Anja Baumann. Am 19. Dezember 2009 gründete sie die Jeseritzer Kinderfeuerwehr. „Ganz allein, ohne Mistreiter“, erzählt Anja Baumann. Beim ersten Treffen waren nur zwei Mädchen dabei: Diana Tendler und Emily Hüls. Beide Mädchen sind heute noch aktiv in der Jugendwehr. „Beim nächsten Mal, beim zweiten Treffen, waren es dann schon 15 Kinder“, erinnert sich Baumann. Heute seien es durchschnittlich 15 bis 20 Kinder, die zu den monatlichen Treffen kommen. Nicht nur Jeseritzer Kinder, sondern auch aus Jerchel, Potzehne und Parleib. „Wir sind eine Gemeinschaft. Wir rücken zusammen aus und haben zum Teil gemeinsame Ausbildungsdienste. Von daher war es klar, dass es auch die Kinderfeuerwehr für den gesamten Bereich gibt“, betont Anja Baumann.

Im Mittelpunkt der monatlichen Dienste steht die Brandschutzerziehung. „Das ist das Steckenpferd der Kinder“, erzählt Baumann lachend. Unter anderem geht es darum, wie man einen Notruf absetzt, es geht um erste Hilfe, um die Ausrüstung und Technik einer Feuerwehr, aber auch Präventionsmaßnahmen spielen eine wichtige Rolle. „Zum Beispiel, wie man ein Streichholz richtig anzündet“, erklärt Baumann. Für sie war es zudem wichtig, für die Kinder auch Anreize zu schaffen. Die Jugendwehrmitglieder können die Prüfungen für die Jugendflamme ablegen. Für Kinderwehren habe es bis dato so etwas nicht gegeben. Anja Baumann ließ das keine Ruhe. Sie entwickelte das Grisu-Abzeichen für Kinderwehren. Nun können die Mädchen und Jungen mit acht Jahren auch eine „richtige Prüfung“ ablegen. „Sie bekommen das Grisu-Abzeichen, eine Urkunde und eine Medaille“, so Baumann. Und das erfülle die Kinder natürlich mit Stolz.

Spaß, Sport und Spiel

Ganz wichtig sei aber auch der gemeinsame Freizeitspaß. „Wir haben schon ganz viel erlebt“, erzählt die junge Frau. Kino, Ausflüge, Bastelnachmittage für den Jeseritzer Weihnachtsmarkt, Müllsammelaktionen im Wald, Sport, Spiel und Spaß. Und das nicht nur auf die Jeseritzer Kinderwehr beschränkt. Denn Anja Baumann ist eine Frau, die richtig anpackt. So ist sie auch im Kreisfeuerwehrverband aktiv, arbeitet seit Jahren im Jugendausschuss des Verbandes, organisiert die jährlichen Jugendwehrzeltlager mit, und sie ist Fachbereichsleiterin für Kinderwehren im Kreisfeuerwehrverband. Stolz ist Anja Baumann auf das erste Kinderfeuerwehrzeltlager, das im vorigen Jahr in Zichtau stattfand. „Da waren weit über 100 Kinder mit dabei.“ Sie freut sich schon auf das zweite Zeltlager im kommenden Jahr.

Geboren wurde Anja Baumann am 28. April 1987 in Haldensleben. Aufgewachsen ist sie in Jeseritz. Nach dem Abitur 2006 folgte eine Ausbildung zur Zahnarzthelferin. Später absolvierte sie eine Ausbildung zur Erzieherin. Sie wohnte in Magdeburg, Stendal und Gardelegen und nun wieder in ihrem geliebten Jeseritz. „Es geht nicht ohne meinen Kirchturm. Ich habe hier meine Wurzeln. Und ich möchte auch nicht woanders leben“, sagt sie. Und auch nicht ohne Feuerwehr, denn die wurde ihr „quasi in die Wiege gelegt“. Ihr Vater Olaf Wendorff ist seit Jahrzehnten in der Feuerwehr und seit vielen Jahren Leiter der Jeseritzer Wehr. Bruder Karsten ist in der Feuerwehr, ihre Schwägerin auch. Ehemann Markus ist natürlich auch in der Wehr. „Das brachte die Hochzeit so mit sich. Wer in unsere Familie einheiratet, muss in die Feuerwehr“, erzählt Anja Baumann mit einem fröhlichen Lachen. Kein Wunder, Sohn Ole ist natürlich auch in der Jeseritzer Kinderfeuerwehr. Und der jüngste im Hause Baumann, der sieben Wochen alte Mika, hat schon mal einen Feuerwehrstrampler an, um die künftige Marschrichtung deutlich zu machen.

Anja Baumann ist seit 20 Jahren in der Feuerwehr. Sie ist mit der Jugendwehr gewachsen, denn die wurde vor 20 Jahren gegründet. Vor ihrem 18. Lebensjahr absolvierte sie bereits die Grundausbildung. Unterdessen hat sie viele Lehrgänge besucht – bis zum Gruppenführer. Auch ein Lehrgang für Kinderfeuerwehrbetreuer war dabei. Stolz ist Anja Baumann auch darauf, dass die Wehren und die Jugend- und Kinderwehren in den Ortsteilen zusammenwachsen. „Wir sind mittlerweile ein richtig großes, tolles Betreuerteam. Das macht dann auch richtig Spaß“, erzählt Baumann.

Warum macht man all das als junge Mutter mit zwei kleinen Kindern? „Ich lebe für die Feuerwehr. Das ist mein Hobby. Ich habe auch nichts anderes“, sagt die 29-Jährige. Das Organisieren, die Arbeit mit Kindern, das mache ihr Spaß, sei Erfüllung und Freude. „Es ist ganz toll, zu sehen, wie die Kinder lernen, welche Erfolge sie haben“, so Baumann. Sie schätze in der Feuerwehr vor allem auch die Kameradschaft. Für die Zukunft wünscht sie sich, dass die Wehren keine Nachwuchsprobleme mehr haben, dass in diesem Zusammenhang noch mehr Kinderfeuerwehren gegründet werden. „Und dass meine Familie weiter so dahintersteht“, so Baumann. Vor allem ihre Mutter Doris Wendorff. „Sie hat mir immer ganz viel geholfen. Sonst hätte ich das auch nicht geschafft“, betont Anja Baumann.

Oma und Opa wohnen auch gleich in der Nähe, denn seit gut einem halben Jahr wohnt sie ja mit Mann und Kindern wieder in Jeseritz – in einer schmucken Mietwohnung direkt am Jeseritzer Feuerwehrgerätehaus. „Jetzt bin ich immer die erste, wenn die Sirene heult“, sagt Anja Baumann und zeigt wieder ihr strahlendes Lächeln.