Gardelegen l Helga Mock erinnerte sich noch ganz genau, wie es am 15. März 1945 war, als um 15.15 Uhr Bomben auf Gardelegen fielen und mehr als 50 Menschen dabei umkamen. Damals war Mock fast 18 Jahre alt, hatte am 16. Januar bereits den Angriff auf Magdeburg miterlebt. Beim Angriff auf Gardelegen war sie gerade bei ihrer Großtante in der Burgstraße. Als das Bombardement begann, wollte sie sich in den Splittergraben am Wall retten. So weit kam sie aber nicht mehr. Sie rannte durch den Garten. Als Schüsse fielen warf sie sich ins Gras. „Ich habe genau gesehen, wie der Dreck hoch flog, als die Schüsse links und rechts den Boden erreichten, und dann sah ich, wie die Nikolaikirche in sich zusammenbrach“, berichtete sie im Volksstimme-Gespräch.

Mehr als 50 Menschen fanden den Tod

Die 91-Jährige geht heute nur noch selten aus dem Haus. Aber bei der Gedenkveranstaltung anlässlich der Bombardierung Gardelegens vor 73 Jahren wollte sie unbedingt dabei sein, wie sie berichtete.

Während der Andacht erinnerte Pfarrer Martin Goetzki an die Ereignisse vor 73 Jahren. Es war ein „sonniger Nachmittag“, als die Bomben fielen, schilderte Goetzki. Ein Volltreffer erreichte die alte Post. Dort im Luftschutzkeller hatten sich um die 50 Menschen versammelt. Sie alle starben. Viele von ihnen kannte Helga Mock. Getroffen wurde neben der Nikolaikirche auch die nebenstehende Superintendentur. Der damalige Superintendent Bodo Pauls kam dabei ums Leben.

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Gedenken der Toten

„Unsere Verantwortung gilt den Menschen – bei uns zu Hause und in der Welt“, appellierte Goetzki. Er forderte die Teilnehmer der Veranstaltung dazu auf, der Opfer von Krieg und Gewalt, der gefallenen Soldaten in den Kriegen sowie den ums Leben gekommenen Widerstandskämpfern, die sich der Gewaltherrschaft entgegensetzten, zu gedenken. Das Gedenken solle auch jenen gelten, die in heutiger Zeit in Deutschland Opfer von Gewalt und Fremdenhass wurden.