Zerstörungswut

Chaotentruppe in Mieste unterwegs: Sechs Fälle von Demolierungen und Beschädigungen in einem Monat

Schmierereien sind immer ein Ärgernis – in Mieste nimmt diese Art der Sachbeschädigung derzeit aber Überhand. Mittlerweile beschäftigt sich sogar schon der Ortschaftsrat mit dem Thema, denn die Täter sind offenbar nicht ganz so unbekannt.

Von Gesine Biermann
„Blullen jagen“? Rechtschreibung scheint nicht die starke Seite der Täter zu sein. Dafür Beamtenbeleidigung.
„Blullen jagen“? Rechtschreibung scheint nicht die starke Seite der Täter zu sein. Dafür Beamtenbeleidigung. Foto: Stadtverwaltung Gardelegen

Mieste - Sie kommen immer nachts, um zu randalieren, haben dann auch schon mal Farbsprühdosen dabei und beschmieren Wände und Anlagen. In Mieste sind offenbar Chaoten unterwegs. In diesem Monat allein fünf Mal. Anfang Juli es die Sporthalle in Mieste: Eine Wand ist völlig beschmiert. Erst wenige Tage zuvor, Ende April, klettern Jugendliche an Hauswand und Blitzschutzleitung auf das Dach der Sporthalle und spielen dort Fußball.

Dann folgt die gerade erst eingeweihte Ladestation für E-Bikes an der Riesebergstraße: Ein USB-Ladeport für Handys und Digitalkameras fehlt. Außerdem wurde in einem Schließfach gekokelt. Ein paar Tage später trifft es die Bücherzelle, die gern genutzt wird. Sie wird mit einem Schriftzug besprüht.

Am vergangenen Wochenende werden schließlich die Buswartehäuschen zum Ziel der Schmierfinken. Glasflächen werden mit Parolen besprüht, schreibt die Stadtverwaltung. Eine Spezialfirma sei mit der Beseitigung der Schäden beauftragt. Und es werden Zeugen gesucht, die sich im Fachbereich Baudienstleistungen unter 03907/71 61 70 melden sollen.

Mach’s Fenster zu, oder die Scheibe knallt.

O-Ton aus der JugendgruppeZeugen sucht indes nicht nur die städtische Verwaltung, die auch jedes Mal die Kosten für die Aktionen übernehmen muss und deshalb auch jedes Mal Anzeige erstattet hat. Auch im Ortschaftsrat Mieste ist man längst auf die Serie an Straftaten aufmerksam geworden. Denn offenbar gehen die Täter nicht besonders heimlich vor, sondern sind schon einigen Miestern aufgefallen. Auch Ortsbürgermeister Andy Neubauer. Allerdings habe er sie leider nicht in flagranti erwischt, bedauert er im Gespräch mit der Volksstimme.

Wenn ich komme, sind das die liebsten Jungs.

Ortsbürgermeister Andy Neubauer

Deshalb konnte er auch keinen Platzverweis aussprechen. Ohnehin weiß er: „Wenn ich da um die Ecke komme, dann sind das die liebsten Jungs.“ Andere haben mit der Gruppe junger Leute, die wohl für die Beschädigungen verantwortlich sind, ganz offensichtlich schon bösere Erfahrungen gemacht, sagt Neubauer. „Machs Fenster zu, oder die Scheibe knallt“, hätten ältere Bürger, die um Ruhe gebeten haben, gehört. „Die Anwohner sind dann natürlich eingeschüchtert.“

Andere haben mit der Gruppe junger Leute, die wohl für die Beschädigungen verantwortlich sind, ganz offensichtlich schon bösere Erfahrungen gemacht, sagt Neubauer. „Machs Fenster zu, oder die Scheibe knallt“, hätten ältere Bürger, die um Ruhe gebeten haben, gehört. „Die Anwohner sind dann natürlich eingeschüchtert.“ Deshalb habe er auch schon angeboten: „Ruft mich an, wenn ihr sowas bemerkt“, denn er sei schneller da, als die Polizei aus Gardelegen.

Doch wer sind die jungen Leute? Nach Neubauers Einschätzung sind wohl Miester darunter, aber auch Jugendliche von außerhalb. „Das ist gemischt.“ Und alle würden sich dann gegenseitig aufstacheln: „Der eine stellt was an, und der andere muss das überbieten“, dann komme Alkohol dazu. Das bekannte Spiel also.

Die wissen genau, wann die Polizei Streife fährt.

Ortsbürgermeister Andy NeubauerIn Mieste aber ist das alles längst kein Spiel mehr, wie die gestrige Polizeimeldung beweist. Diesmal waren die Chaoten auf dem Schulhof. Das Vorhängeschloss vor dem Tor wurde beschädigt. Der Hausmeister der Schule fand es offen vor. Weiterhin wurde auf dem Grundstück der Schule ein Verkehrsschild abgelegt.

Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren.

Franziska Hotopp, PolizeisprecherinOb sie so ungestört weitermachen können, wird sich indes zeigen. Denn „wir wollen damit jetzt auch mal an die Öffentlichkeit gehen“, betont Neubauer. Der Ortschaftsrat werde sich verständigen, die Miester Bürger und Eltern sollen sensibilisiert werden, vielleicht mal mit dem eigenen Nachwuchs sprechen.

Und auch die Polizei wird sich verstärkt um die Miester Randalierer kümmern. Gespräche habe es schon gegeben, betont Andy Neubauer. So sollen die Beamten jetzt auch mal zu ungewöhnlichen Zeiten in Mieste präsent sein. „Die sind ja auch clever, die wissen genau, wann die Polizei Streife fährt.“ „Unsere Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten werden Mieste aufgrund der Vorkommnisse verstärkt bestreifen“, bestätigt auch Franziska Hotopp, Pressesprecherin im Salzwedeler Polizeirevier. Zudem bittet die Polizei darum, dass sich Personen, die Hinweise geben können, im Revierkommissariat Gardelegen unter 03907/ 72 40 melden.

Derzeit dauern die kriminalpolizeilichen Ermittlungen noch an, informiert Hotopp. Sie weist auch noch einmal darauf hin, was den Tätern droht, sollten sie erwischt werden: Sachbeschädigung wird „mit einer Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe geahndet.“ Dazu kämen dann noch die Kosten für die Beseitigung der Schäden.

Die Ladesäule für E-Bikes in Mieste war erst vor wenigen Tagen eingeweiht worden. Kurz darauf wurde sie zerstört.
Die Ladesäule für E-Bikes in Mieste war erst vor wenigen Tagen eingeweiht worden. Kurz darauf wurde sie zerstört.
Foto: Stadtverwaltung Gardelegen
Die beschmierte Bücherzelle in Mieste. Das Häuschen wird gern genutzt und wurde mit großem Aufwand saniert.
Die beschmierte Bücherzelle in Mieste. Das Häuschen wird gern genutzt und wurde mit großem Aufwand saniert.
Foto: Stadtverwaltung Gardelegen
Glasflächen an vielen Buswartehäuschen sind am vergangenen Wochenende besprüht worden.
Glasflächen an vielen Buswartehäuschen sind am vergangenen Wochenende besprüht worden.
Fotos: Stadtverwaltung Gardelegen