Kalbe l Sechs Wochen lang blieb die „Friseurstube“ von Nicole Kühnel in Kalbe coronabedingt geschlossen. Die sechswöchige Pause nutzte Kühnel, um den Holzfußboden des Salons von Grund auf aufzuarbeiten. Ab Montag kann es wieder los. Und der Bedarf bei den Kunden ist da. „In den ersten drei Maiwochen bin ich schon komplett ausgebucht“, berichtet die Kalbenserin. Aufgrund der großen Nachfrage ihrer Kunden wird sie in diesen ersten Wochen auch montags, eigentlich ein Ruhetag, den Salon öffnen. Natürlich freut sich Kühnel, wieder arbeiten zu dürfen, als Selbstständige wieder Geld verdienen zu können. „Ich habe schon wieder richtig Lust auf‘s Arbeiten.“

Es bleiben aber auch kritische Punkte offen. „Wir dürfen/sollen wieder arbeiten ab Montag“, sagt sie. Mit dieser Aussage macht die Friseurin auch deutlich, dass nicht nur ungeteilte Freude darüber herrsche, dass ab dem 4. Mai wieder Kunden kommen dürfen. „Kritisch sehe ich, was ich während dieser Zeit mit meinen beiden Kindern machen soll, eines davon ist behindert.“ Kühnel beschäftigt keine Mitarbeiter, wuppt den Laden also allein. Da die Schule noch nicht in vollem Umfang startet, heißt das für sie neben der Arbeit im Salon auch das Mittagessen für die Kinder zu kochen und mit ihnen die Schulaufgaben zu erledigen. Dafür wird sie sich Zeit eintakten müssen und wollen. „Ich möchte für meine Kinder da sein.“

Keine Bartpflege, kein Wimpernfärben

Bevor sie nächste Woche öffnet, muss Kühnel aber auch Vorgaben umsetzen. Es sind viele schützende Vorkehrungen zu treffen. Strenge Hygiene- und Abstandsanforderungen sind umzusetzen. „Ich muss den Abstand der Stühle nachmessen.“ Kunden dürfen sich nicht zu nahe kommen. Gesichtsnahe Dienstleistungen wie Rasur, Bartpflege oder das Färben von Wimpern oder Augenbrauen sowie das Zupfen von Augenbrauen sind derzeit nicht gestattet.

Zum Schutz vor Ansteckung sind Schutzmasken zu tragen. Die Maskenpflicht gilt auch für Kunden. Kühnel bittet darum, dass Kunden solche Masken mitbringen.

Horende Preise für Desinfektion

Auch im Friseursalon von Manuela Adam wird das Tragen von Schutzmasken kritisch gesehen: „Gerade bei Exemplaren, die selbstgenäht sind, ist es oft so, dass sie am Hinterkopf zu gebunden werden. Wie soll da Haarewaschen und gar Haareschneiden funktionieren? Kommt da die Schere ran, war‘s das mit dem Mundschutz.“

Und auch dort ist die Kinderbetreuung ein Thema. Drei der sechs Mitarbeiter müssen diese Betreuung regeln. Es soll im Schichtsystem gearbeitet werden. Zum einen um die Betreuung zu gewährleisten, zum anderen damit als Schutzvorkehrung weniger Kunden gleichzeitig im Friseursalon bedient werden. Dazu müssen die Öffnungszeiten angepasst werden, sie werden erweitert.´Das Vorhalten von Desinfektionsmittel bereite den Friseuren ebenfalls Kopfzerbrechen. „Das ist eine Riesenkatastrophe. Sie werden zu horenden Preisen angeboten“, so Adam. Die neuen Arbeitsschutzstandards, der damit einhergehende zeitliche Mehraufwand sowie die Kosten für Schutzausrüstung können zu einem Preisanstieg führen, wie der Zentralverband des Friseurhandwerks begründet.